Was ist Fasten?

Die Leitlinie der Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung (ÄGHE) e.V. definiert Fasten als freiwilligen Verzicht auf feste Nahrung und Genussmittel für begrenzte Zeit. Fasten heißt nicht Hungern, betonen die Befürworter. Ganz im Gegenteil: Durch das Fasten soll sich der Körper erholen. Wer richtig fastet, hat eine gute Leistungsfähigkeit ohne Hungergefühl.

„Entgiftung“ und „Entschlackung“

Die Energie, die der Körper sonst für die normale Verdauung benötigt, soll beim Fasten zur Entgiftung und Entschlackung freigesetzt werden. Ziel ist es, Selbstheilungsprozesse in Gang zu setzen und das körpereigene Abwehrsystem zu stärken.

Fasten-Kritiker bemängeln dieses Prinzip allerdings: Sogenannte „Schlacken“ existieren im menschlichen Körper nicht, da der gesunde Körper alle Abbauprodukte der Nahrung ausscheidet. Die von den Vertretern der Entschlackungsidee aufgestellten Theorien entbehren jeder Grundlage. Wirkungsweisen der sogenannten ausleitenden Verfahren, die zur Entschlackung führen sollen, sind nicht nachweisbar. Entgiftung ist für den gesunden Körper Routine, das Fasten hingegen eine unnötige Belastung des Körpers, so die Argumentation.

Fasten als Naturphänomen

Fasten ist auch ein Naturphänomen: So gibt es viele Tiere (zum Beispiel Winterschläfer), die im Sommer viel Nahrung zu sich nehmen, um im Winter von diesen Reserven zu leben. Menschen fasten seit Jahrtausenden. Selbst heute noch leben Naturvölker in Afrika und Asien nach diesem Prinzip: Essen, wenn es etwas zu essen gibt und leben ohne zu essen, wenn karge Zeiten anbrechen.

Fasten und Religionen

Fasten gehört zu den Riten vieler Religionen:

Orthodoxe Christen fasten traditionell in der Zeit vor Weihnachten (Philippus Fastenzeit). Auch die 40 Tage nach Karneval bis Ostern (Passionszeit) wird im Christentum gefastet. Fasten bedeutet für Christen: durch Enthaltsamkeit neu besinnen, Buße tun und die Nähe zu Gott suchen.

Im Islam bildet das Fasten die sogenannte vierte Säule des Glaubens. Fasten ist als Form der Buße für alle Muslime Pflicht. Als vorgeschriebene Fastenzeit gilt der Monat Ramadan, der Monat der Offenbarung des Korans an den Propheten Mohammed. Muslime verzichten im Ramadan tagsüber auf das Essen und Trinken.

Auch der Buddhismus kennt Fastenriten. So soll der Religionsbegründer Buddha durch das Fasten seinen inneren Frieden und die Erleuchtung erreicht haben.

Im Judentum wird jedes Jahr anlässlich des Versöhnungsfests (Jom Kippur) als Buße und Reinigung gefastet.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 20.02.2017
  • Autor/in: vitanet.de
  • Quellen: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Heilfasten, Stand 2005
  • Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung e.V., FAQ, Stand 2007
  • Leitlinien der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung e.V., Stand 2007
  • Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V., Fasten aus ernährungsmedizinischer und diätetischer Sicht, Stand 2006