Nahrungsmittel gegen Krebs

Tomaten, Kohl oder Knoblauch gelten nicht nur als gesund. Sie sollen auch dabei helfen, bestimmten Krebsarten vorzubeugen. Auf die Inhaltsstoffe gewisser Lebensmittel setzen Forscher besonders große Hoffnung. Was ist dran an den Vermutungen?

Trotz großer Fortschritte in der Medizin sind verschiedene Krebsarten bis heute kaum heilbar. „Wir sollten deshalb ein viel größeres Augenmerk auf die Prävention richten, damit Krebs erst gar nicht entsteht“, erklärt Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen. Die Ernährungsmedizinerin und Geriaterin leitet unter anderem das Stoffwechselzentrum der Berliner Charité.

„Prävention beginnt immer auch mit der richtigen Ernährung“, sagt Steinhagen-Thiessen. Besonders die Inhaltsstoffe einiger Pflanzen wecken bei Forschern die Hoffnung, dass sie dabei helfen können, Krebs vorzubeugen. Einige Nahrungsmittel werden dabei besonders häufig empfohlen:

1. Tomaten gegen Krebs?

Interessant für die Prävention von Krebs ist vor allem der Inhaltsstoff, der Tomaten ihre rote Farbe verleiht: das sogenannte Lycopin (Lycopen). Chemisch gesehen gehört das Lycopin zur Familie der Carotinoide. Das sind natürliche Farbstoffe, die auch in Paprika oder Karotten vorkommen. Auch das Provitamin A gehört zu dieser Gruppe.

Lycopin wirkt von allen natürlich vorkommenden Carotinoiden am stärksten antioxidativ. Damit werden freie Radikale im Körper entschärft. Die Ergebnisse neuerer Studien deuten allerdings darauf hin, dass Tomaten keinen Einfluss auf die Krebsverhütung haben und somit Antioxidantien wie Lycopin dem Körper nicht in überhöhten Dosen – vor allem in Supplementen, also Nahrungsergänzungsmitteln – zugeführt werden sollten, da in einigen Fällen damit das Krebsrisiko sogar erhöht werden kann. Eine Überdosierung beim normalen Gebrauch von Lebensmitteln ist allerdings unwahrscheinlich.

2. Knoblauch gegen Krebs?

Der positive Einfluss von Knoblauch auf die Gesundheit ist schon seit langer Zeit bekannt. Bei der Prävention von Krebserkrankungen spielen dabei in erster Linie die Schwefelverbindungen eine Rolle, die in dem Lauchgewächs in großer Menge enthalten sind. Dazu gehört auch das sogenannte Allicin, das im Körper zu einer Vielzahl anderer Verbindungen umgewandelt wird, die verschiedene positive Wirkungen entfalten.

3. Rotwein gegen Krebs?

Alkoholhaltige Getränke als gesunde Nahrungsmittel zu bezeichnen, ist ein zweischneidiges Schwert. Denn mit Alkoholgenuss sind häufig auch gesundheitliche Risiken verbunden, gerade auch was Krebserkrankungen betrifft.

Allerdings enthält Rotwein eine Vielzahl an Inhaltsstoffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Zum Beispiel die Substanz Resveratrol, die nicht nur in Weintrauben, sondern auch in Himbeeren, Maulbeeren und Erdnüssen vorkommt: In Tierversuchen wurde festgestellt, dass der Stoff unter anderem die Entwicklung von Brust-, Dickdarm- und Speiseröhrenkrebs unterbinden kann. Für Menschen bedeutet das: Ein Glas Rotwein am Abend kann der Gesundheit zuträglich sein. Aber auch der nicht alkoholhaltige Traubensaft enthält – wenn auch in etwas niedrigerer Konzentration – Resveratrol. Zu beachten ist jedoch, dass Resveratrol wasserunlöslich ist und daher möglicherweise nicht so gut verwertet werden kann, wie die Tierversuche erhoffen lassen.

4. Verschiedene Kohlsorten

Viele Gemüsesorten aus der Familie der Kreuzblütler sind sehr gesund: Neben Brokkoli, Weißen Rüben und Grünkohl gehören auch Blumenkohl, Weiß- und Rotkohl oder Rosenkohl dazu. Besonders im Rosenkohl ist der Gehalt an sogenannten Glucosinolaten sehr hoch – diese Moleküle sollen besonders zur Vorbeugung von Blasenkrebs und Brustkrebs geeignet sein.

5. Dunkle Schokolade gegen Krebs?

Mit Genuss schlemmen und dabei noch etwas Gutes für den Körper tun? Mit dunkler Schokolade ist das bis zu einem gewissen Grad möglich. Genau wie grüner Tee oder Rotwein enthält dunkle Schokolade sogenannte Polyphenole. In verschiedenen Studien zeigte sich, dass Polyphenole das Wachstum von Krebszellen in Lunge, Haut und Prostata hemmen können. Schokolade kann also durchaus gut für die Gesundheit sein – wichtig ist dabei allerdings, dass sie möglichst dunkel ist, also einen hohen Kakaogehalt aufweist und in Maßen genossen wird.
Ob eine gesunde Ernährung tatsächlich hilft, Krebs vorzubeugen, darüber sind sich Wissenschaftler nicht einig. So wurde kürzlich in einer groß angelegten Studie nur ein sehr geringer entsprechender Zusammenhang nachgewiesen. Selbst wenn der Einfluss der Ernährung auf die Krebsprävention nicht so groß sein sollte wie erhofft, schützt gesundes Essen erwiesenermaßen vor Diabetes mellitus und vielen gefährlichen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. „Gut und gesund zu essen, lohnt sich also auf jeden Fall“, sagt Steinhagen-Thiessen.

Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.02.2017
  • Autor/in: Dr. med. Susanne Segebrecht, Ärztin, Apothekerin, Charité – Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: International Agency for Research on Cancer, EPIC Project http://epic.iarc.fr/
  • American Association for Cancer Research: No magic tomato? Study breaks link between lycopene and prostate cancer prevention (http://www.sciencedaily.com/releases/2007/05/070517063011.htm)
  • Miron, Talia et al.: Inhibition of tumor growth by a novel approach: In situ allicin generation using targeted alliinase delivery (http://mct.aacrjournals.org/content/2/12/1295.long)