Reichlich trinken hält fit

Warum der regelmäßige Griff zur Wasserflasche im Alter so wichtig ist

Angst vor dem Gang zur Toilette oder Inkontinenz, Schluckstörungen, mangelndes Durstgefühl oder schlicht und einfach Vergesslichkeit: Es gibt viele Gründe dafür, warum ältere Menschen zu wenig trinken – und dann an Flüssigkeitsmangel leiden.

Richtig trinken © Thinkstock
Ein solcher Flüssigkeitsmangel lässt sich an folgenden Symptomen erkennen:
  • allgemeine Schwäche
  • Lethargie (Teilnahmslosigkeit, Interessenlosigkeit)
  • Verwirrtheitszustände
  • Gewichtsverlust
  • trockene Zunge, Schleimhäute und Haut
  • Krampfanfälle
  • niedriger Blutdruck
  • Kopfschmerzen
Im Extremfall besteht die Gefahr regelrecht auszutrocknen mit lebensbedrohlichen gesundheitlichen Problemen.

Wie viel sollten ältere Menschen trinken?

Unabhängig vom Durstgefühl braucht der Körper auch im Alter zwei bis zweieinhalb Liter Flüssigkeit pro Tag. Dabei sollten etwa ein bis anderthalb Liter als Getränk konsumiert werden. Der Rest ist in der Nahrung enthalten. Es ist also wichtig, dafür Sorge zu tragen, dass man über den Tag verteilt genug trinkt. Das ist kontrollierbar, beispielsweise indem man morgens die Trinkmenge – am besten in Form von Mineralwasser oder Tee – auf den Tisch stellt. Abends sollte diese dann getrunken sein. Oder es wird ein Trinktagebuch geführt, in dem die Trinkmengen dokumentiert werden.

Ob die tägliche Flüssigkeitsaufnahme ausreicht, lässt sich auch mit einem leichten Test herausfinden: Ist nach einem sanften Kniff in den Oberarm für längere Zeit eine tiefe Falte sichtbar, trinkt man zu wenig. Übrigens: Auch über Nahrungsmittel, die reich an Flüssigkeit sind (etwa Wassermelonen, Gurken oder Suppen) lässt sich die tägliche Flüssigkeitszufuhr verbessern.

Wenig trinken birgt ein hohes Gesundheitsrisiko

Viele ältere Menschen schränken ihre Trinkmenge auch wegen Problemen mit der Blasenentleerung oder aus Angst, nachts oft auf die Toilette zu müssen, ein. Doch gerade für ältere Menschen, die geschwächt sind und sich wenig bewegen, ist ausreichend Flüssigkeit lebensnotwendig. Denn das Gehirn ist unmittelbar darauf angewiesen: Bekommt es zu wenig Flüssigkeit, sind Desorientiertheit und Verwirrtheit die Folge. Außerdem verdickt sich das Blut – das ist besonders für Menschen mit Herzproblemen, Gefäßveränderungen, Stoffwechselerkrankungen oder einem hohen Risiko für einen Schlaganfall gefährlich. Besprechen Sie am besten mit Ihrem Hausarzt, mit welchen Möglichkeiten sich Ihre Blasenfunktion verbessern lässt.

Nur bei wenigen Krankheiten ist eine Beschränkung der Flüssigkeitsaufnahme notwendig: Bei einer Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) oder Einschränkung der Nierenfunktion (insbesondere bei Dialysepflichtigkeit) wird der Arzt Ihnen sagen, welche Trinkmenge Sie pro Tag zu sich nehmen dürfen.

Was tun, wenn das Trinken Schwierigkeiten bereitet?

Wird das Glas oder die Tasse nur halb voll gefüllt, ist selbstständiges Trinken auch mit zittrigen Händen möglich. Auch ein Strohhalm kann hilfreich sein. Zudem sind spezielle Trinkbecher erhältlich, etwa mit zwei Henkeln oder einer speziell geformten Greiffläche. So lässt sich der Becher sicher führen. Eine Schnabeltasse sollte die letzte Lösung sein, denn sie verhindert normales Schlucken und mindert zudem das Geschmacksempfinden.

Flüssigkeitsmangel bei pflegebedürftigen, bettlägerigen Menschen

Besonders bei pflegebedürftigen, bettlägerigen Patienten kann es aus verschiedenen Gründen vorübergehend zu einem starken Flüssigkeitsmangel kommen. In diesen Fällen ist es oftmals möglich, dem Patienten in der eigenen Wohnung eine Infusion direkt unter die Haut (subkutan) zu geben, um damit beispielsweise eine sonst notwendige Einweisung ins Krankenhaus zu vermeiden. Auf ärztliche Verordnung können dies auch Pflegedienste durchführen. So lässt sich im Rahmen der Besuche durch die häusliche Krankenpflege der Flüssigkeitshaushalt des Patienten wieder ausgleichen, ohne dass größere organisatorische Maßnahmen erforderlich werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.08.2014
  • Autor/in: Dr. med. Anja Vogt, Dr. med. Kathrin Fahl, Dr. med. Karen Strehlow, Ärztinnen Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: I. Füsgen: Der ältere Patient - Problemorientierte Diagnostik und Therapie, Urban
  • J. Stein, K.-W. Jauch: Praxishandbuch klinische Ernährung und Infusionstherapie, Springer 2003
  • Bundesministerium für Gesundheit (2012): Pflegen zu Hause – Ratgeber für die häusliche Pflege (http://www.bmg.bund.de/fileadmin/dateien/Publikationen/Pflege/Broschueren/Broschuere__Pflegen_zu_Hause_Ratgeber_fuer_die_haeusliche_Pflege.pdf)
  • Köther, Ilka (2011): Altenpflege
  • Ausweitung des GKV-Leistungskataloges: Subkutane Infusion im Rahmen der häuslichen Krankenpflege künftig auch ambulant verordnungsfähig. (http://www.g-ba.de/institution/presse/pressemitteilungen/475)