Essen im Alter: genussvoll, ausgewogen – und möglichst selbstständig

Ein leckeres Essen kann unsere Laune heben, uns Kraft geben und schöne Erinnerungen wecken – kurz: viel zu unserer Lebensqualität beitragen. Eine gute Ernährung ist die Grundlage für körperliches Wohlbefinden und hat großen Einfluss auf unsere Gesundheit. Und: Gemeinsames Essen bietet einen guten Anlass für Geselligkeit.

Senioren sind von bestimmten Gewohnheiten bei der Ernährung geprägt. Sie sollten deshalb eigenverantwortlich entscheiden dürfen, was sie essen möchten. Wichtig ist jedoch, dass dabei auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung geachtet wird. Sonst kann es schnell zu einer Fehlernährung kommen. Auch bei manchen Krankheiten wie Diabetes mellitus oder Leberstörungen ist es notwendig, sich an bestimmte Diätvorschriften zu halten.

Zahnprothese, Entzündung, Krankheit – was Essen und Trinken erschweren kann

Mit dem Alter treten bei vielen Menschen Probleme beim Essen und Trinken auf. Dafür kann es sowohl körperliche als auch psychische Gründe geben:
  • Die Fähigkeit, Geschmack zu empfinden, nimmt ab, weil sich die Geschmacksknospen im Mund zurückbilden.
  • Wenn Senioren schlecht trinken oder bestimmte Medikamente wie ACE-Hemmer (Blutdruckmittel) einnehmen, wird der Speichelfluss reduziert. Die Folge: Die Nahrung rutscht nicht mehr so gut.
  • Ältere Menschen sehen oft schlecht. Das bedeutet: Der Anblick der Speise kann nicht mehr zum Essen animieren.
  • Die Magenentleerung ist verzögert, was zur vermehrten Bildung von Sättigungshormonen führt.
  • Senioren leiden häufig unter Kau- und Schluckproblemen, etwa aufgrund eines Schlaganfalls oder Morbus Parkinson
  • schlecht sitzende Zahnprothesen
  • Appetitlosigkeit, etwa aufgrund von Einsamkeit, Trauer, Depressionen oder Demenz
Ob ein Senior Appetit entwickelt, hängt sicherlich auch von der angebotenen Speise ab. Ebenso entscheidend ist aber das Drumherum. Nette Gesellschaft in einer fröhlichen Tischrunde steigert den Appetit. Das bedeutet für Angehörige: Setzen Sie sich dazu, essen Sie mit und „füttern“ Sie das geliebte Familienmitglied nicht einfach „ab“.

Musik und hübsches Dekor können den Appetit stimulieren

Die Stimmung spielt eine große Rolle für Appetit und Hunger. Eine positive Stimmung, so zeigte sich, lässt sich auch durch eine angenehme Umgebung beim Essen herstellen. Musik, hübsches Tischdekor und gute Gerüche steigern das Wohlbefinden.

Ratsam sind Farbkontraste beim Tisch- und Tellerdekor, um auch den Augen Nahrung zu geben. Das Essen sollte auf Porzellantellern serviert werden. Mikrowellen-Essen oder Essen auf Rädern in der Kunststoffpackung zu servieren, sollte tabu sein – ebenso wie Plastikbesteck. Aus einem Schnabelbecher trinkt ein Senior am besten nur, wenn er mit einem Glas unter keinen Umständen zurechtkommt.

Kleine Helfer, die das Essen leichter machen

Wem es schwerfällt, von normalem Geschirr oder mit herkömmlichem Besteck zu essen, dem stehen zahlreiche Hilfsmittel zur Verfügung – zum Beispiel eine Tellerranderhöhung, die sich auf normale Teller aufstecken lässt, oder eine Kombination aus Gabel und Messer, die bei einer Halbseitenlähmung das Essen mit einer Hand ermöglicht.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.02.2017
  • Autor/in: Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Interview mit Maja Döring, leitende Diätassistentin des Stoffwechsel-Centrums und der Ernährungsmedizin am Campus Virchow-Klinikum der Charité in Berlin
  • Broschüre des aid Infodienstes und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) "Ernährung im hohen Alter: Ratgeber für Angehörige und Pflegende" (2004)
  • Bundesministerium für Gesundheit (2012): Pflegen zu Hause – Ratgeber für die häusliche Pflege (http://www.bmg.bund.de/fileadmin/dateien/Publikationen/Pflege/Broschueren/Broschuere__Pflegen_zu_Hause_Ratgeber_fuer_die_haeusliche_Pflege.pdf)
  • Köther, Ilka (2011): Altenpflege