Gestationsdiabetes: Schwangerschaft als Auslöser für Diabetes mellitus

Als Gestationsdiabetes (oder Schwangerschaftsdiabetes) bezeichnet man eine Stoffwechselstörung der Kohlenhydrate, die erstmalig während der Schwangerschaft auftritt oder erkannt wird.

In Deutschland wird diese Form des Diabetes mellitus bei etwa drei bis fünf Prozent der Schwangeren beobachtet. Wird ein solcher Gestationsdiabetes rechtzeitig erkannt und behandelt, kann das Risiko für Mutter und Kind weitgehend minimiert werden. In 85 Prozent aller Fälle genügt als Therapie bereits eine vollwertige, gesunde Ernährung. In 15 Prozent der Fälle muss jedoch zusätzlich Insulin gegeben werden. Der zurzeit übliche Harnzuckertest ist allerdings ein sehr unspezifischer Test, der nicht alle Fälle von Gestationsdiabetes aufdecken kann.

Für die sichere Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes ist ein oraler Glukosetoleranztest nötig. In den meisten Fällen verschwindet die Stoffwechselstörung nach der Schwangerschaft wieder. Allerdings hat ein Teil dieser Frauen ein erhöhtes Risiko, später in ihrem Leben an Diabetes mellitus zu erkranken: Zirka 40 bis 50 Prozent der Betroffenen entwickeln nach zehn Jahren eine Diabeteserkrankung, meist Diabetes mellitus Typ 2.

Ursachen des Gestationsdiabetes

Die Ursachen des Gestationsdiabetes liegen einerseits an verschiedenen Schwangerschaftshormonen, die den Blutzuckerspiegel erhöhen können (zum Beispiel Östrogen, humanes Plazentalaktogen). Andererseits spielt unausgewogene Ernährung als Ursache eine Rolle. Die Ausschüttung von Insulin erfolgt verzögert und die Empfindlichkeit der Organe für Insulin ist herabgesetzt. Die Folge sind erhöhte Blutzuckerwerte vor und nach den Mahlzeiten.

Risikofaktoren für Gestationsdiabetes

Ein erhöhtes Risiko für Gestationsdiabetes besteht bei folgenden Risikofaktoren:
  • Übergewicht vor der Schwangerschaft
  • Diabetes in der engeren Familie
  • Schwangerschaftsdiabetes bei vorausgegangener Schwangerschaft
  • Wiederholte Fehlgeburten
  • Vorausgegangene Geburt eines Kindes mit mehr als 4.500 Gramm
  • Überstandene Totgeburt
  • Fehlgebildete Kinder bei früheren Schwangerschaften

Folgen für Mutter und Kind

Ein Gestationsdiabetes verläuft meist ohne die typischen Diabetes-Symptome und betrifft eher die kindliche Entwicklung und die Geburt. Durch die erhöhten Blutzuckerwerte produziert das Ungeborene vermehrt Insulin, wodurch verstärkt Zucker und Fett im Körper gespeichert werden. In der Folge wird das Kind dicker und größer (Makrosomie). Gleichzeitig produziert das Kind mehr Urin, wodurch sich die Fruchtwassermenge erhöht (Hydramnion). So steigt das Risiko für eine Frühgeburt und die Größe des Kindes kann die Geburt erschweren.

Frauen mit Gestationsdiabetes werden daher häufiger per Kaiserschnitt oder Saugglocke entbunden. Außerdem kann die Durchblutung des Mutterkuchens gestört sein, was zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff und nachfolgender Überproduktion von roten Blutkörperchen führt, die nach Zerfall das Risiko einer Neugeborenengelbsucht (Ikterus) erhöhen. Für die Mutter besteht während der Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfekte und Bluthochdruck.

Diagnose des Gestationsdiabetes

Die bisher übliche Urinuntersuchung im Rahmen der Schwangerenvorsorge ist zur Diagnose von Schwangerschaftsdiabetes zu ungenau. Verschiedene Fachgesellschaften empfehlen deshalb einen generellen Suchtest bei Schwangeren zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche. Bei Vorliegen von Risikofaktoren für einen Gestationsdiabetes sollte der Diagnose-Test schon im ersten Schwangerschafts-Drittel, das heißt in den ersten zwölf Wochen, durchgeführt werden. Dabei wird der Frau ein Glukosetrunk mit 50 Gramm Glukose verabreicht und eine Stunde später der Blutzucker gemessen.

Liegt der Blutzucker über 7,8 mmol/l (140 mg/dl) (kapilläres Vollblut), besteht der Verdacht auf Gestationsdiabetes und es empfiehlt sich die Durchführung eines Oralen Glukosetoleranztests (OGTT) mit 75 Gramm Glukose. Von einem Gestationsdiabetes spricht man, wenn bei zwei oder drei Kontrollen die Grenzwerte für den Blutzucker überschritten werden.

Verlauf: gute Stoffwechseleinstellung ist wichtig

Sobald die Diagnose Gestationsdiabetes gestellt wurde, muss der Stoffwechsel gut eingestellt werden. Wichtig sind körperliche Bewegung, gesunde Ernährung und regelmäßige Blutzuckerkontrollen. In manchen Fällen ist eine Therapie mit Insulin notwendig. Sind die Werte gut eingestellt, lässt sich das Risiko für die Schwangere und das Kind auf das einer normalen Schwangerschaft senken.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 11.01.2011
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Leitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft: Definition, Klassifikation und Diagnostik des Diabetes mellitus, Stand 10/2004
  • Deutsches Diabetes-Zentrum Düsseldorf
  • Gestationsdiabetes.de
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