Therapie mit Tabletten bei Diabetes mellitus Typ 2:

Glitazone / Insulinsensitizer (Pioglitazon)

Die Substanzgruppe der Glitazone ist im Jahr 2000 auf den europäischen Markt gekommen, bekannter Vertreter ist Pioglitazon. Die chemische Bezeichnung für diese Stoffgruppe ist Thiazolidindione. Ihrer Wirkung nach werden sie auch als Insulinsensitizer bezeichnet, denn sie erhöhen die Ansprechbarkeit des Gewebes für Insulin, machen es sozusagen „sensibler“ für Insulin. Pioglitazon ist, nachdem andere Vertreter dieser Gruppe vom Markt genommen wurden, das einzige in Deutschland zugelassene Glitazon. Sein Stellenwert bei der Therapie des Diabetes Typ 2 hat abgenommen, da es bei gesetzlich Versicherten nicht mehr verordnet werden darf.

Wirkmechanismus – Wie senken Glitazone den Blutzucker?

Glitazone mindern die Insulinresistenz, die bei Diabetes Typ 2 meist im Vordergrund steht. Das bedeutet, sie verbessern die Insulinwirkung und damit die Glukoseaufnahme in Muskel-, Fett- und Leberzellen. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel. Aufgrund dieses Wirkmechanismus spricht man auch von Insulinsensitizern („Insulin-Empfindlichmachern“). Außerdem verbessern Glitazone die Blutfettwerte, erhöhen das gute HDL-Cholesterin und senken die Triglyceride.

Indikation – Für wen sind Glitazone geeignet?

Pioglitazon wird bei Diabetes mellitus Typ 2 eingesetzt, wenn allein durch Diät und Bewegung keine ausreichende Blutzuckereinstellung erreicht werden konnte und die Monotherapie nicht mit Metformin durchgeführt werden kann. Das Medikament kann aber auch mit Metformin und/oder Sulfonylharnstoffen als zwei- oder dreifach Kombination angewandt werden. Haben Patienten mit Diabetes auch ein metabolisches Syndrom, profitieren sie doppelt von der Therapie mit Pioglitazon: Pioglitazon senkt neben dem Blutzucker auch die Blutfettwerte. Glitazone sind aufgrund eines praktisch nicht vorhandenen Unterzuckerungsrisikos besonders geeignet für berufstätige Diabetiker.

Kontraindikationen – Wann dürfen Glitazone nicht eingenommen werden?

Pioglitazon darf nicht bei einer bekannten Überempfindlichkeit auf Glitazone, jeglicher Art von Herzschwäche (Herzinsuffizienz) oder Leberfunktionsstörungen eingenommen werden. Außerdem dürfen Glitazone nicht zur Therapie des Diabetes während der Schwangerschaft und Stillzeit angewandt werden.

Nebenwirkungen – Welche treten unter Glitazonen auf?

Pioglitazon kann zu einer Gewichtszunahme führen, die durch Fetteinlagerungen, aber vor allem durch Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) entstehen kann. In einigen Fällen ist sie Ausdruck einer sich verschlechternden Herzinsuffizienz. Auch wurden unter der Therapie vermehrt Knochenbrüche bei Frauen, nicht aber bei Männern, beobachtet. Etliche weitere Nebenwirkungen sind möglich, so dass bei Anwendung von Pioglitazon eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung nötig ist.

Mögliche Weiterentwicklung der Insulinsensitizer: Duale PPAR-Agonisten – Glitazare

Die neue Wirkstoffklasse der dualen PPAR-Agonisten (Glitazare) soll die Vorteile von zwei bekannten Wirkstoffklassen vereinen. Insulinsensitizer (Glitazone), die an einer speziellen Andockstelle von Körperzellen, dem PPAR-gamma-Rezeptor, ansetzen, verringern die Insulinresistenz und wirken dadurch antidiabetisch. Fibrate aktivieren den PPAR-alpha-Rezeptor. Sie werden bei Fettstoffwechselstörungen eingesetzt, denn Fibrate senken vor allem die Menge der Triglyceride (bestimmte Fette) im Blut.

Die Verbindung beider Wirkprinzipien in einem Medikament gegen Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen ist eine vielversprechende Therapiemöglichkeit, denn Typ-2-Diabetiker haben häufig auch erhöhte Blutfettwerte und andere Merkmale des metabolischen Syndroms. Die Therapie beider Stoffwechselstörungen könnte theoretisch das Auftreten von Spätfolgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall vermindern. Ein Wirkstoff dieser Klasse, Aleglitazar, befindet sich momentan im Test (klinische Phase III). Die Entwicklung der Mehrzahl der Wirkstoffe wurde allerdings wegen unerwünschter Wirkungen abgebrochen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 23.01.2012
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Fachinformationen Actos (Takeda) Stand 10/2005 und Avandia (GSK) Stand 07/2005
  • Glitazone - Vielseitig wirksam bei Insulinresistenzsandrom, PZ (25)2003
  • Typ-2-Diabetes: Glitazon verhindert Tod, Infarkt und Schlaganfälle, DAZ (38)2005
  • ROTE LISTE® August 2011, FachInfo-Service, Actos 15 mg Tabletten, Actos 30 mg Tabletten, Actos 45 mg Tabletten
  • H. Klein, H.G. Joost, A. Fritsche: Stellungnahme der Deutschen Diabetes Gesellschaft zum Verordnungsausschluß von Pioglitazon zu Lasten der GKV. DDG, Nov. 2010