Therapie mit Tabletten bei Diabetes mellitus Typ 2: Glinide (Repaglinid, Nateglinid)

Glinide sind eine neuere Substanzgruppe in der Therapie des Diabetes mellitus; bekannte Vertreter sind Repaglinid und Nateglinid.

Wirkmechanismus – Wie senken Glinide den Blutzucker?

Repaglinid und Nateglinid regen die Freisetzung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse in die Blutbahn an. Denn bei Diabetes mellitus Typ 2 liegt – im Gegensatz zu Diabetes mellitus Typ 1 – kein absoluter Insulinmangel vor. In den meisten Fällen wird sogar vermehrt Insulin produziert; es kommt zu einem Missverhältnis zwischen geforderter Insulinproduktion und Leistung der Bauchspeicheldrüse mit der Folge eines relativen Insulinmangels. Die Wirkung der Glinide ist der von Sulfonylharnstoffen sehr ähnlich. Der Unterschied besteht darin, dass Repaglinid und Nateglinid den Insulinspiegel sehr schnell ansteigen lassen und nur zirka zwei bis vier Stunden wirken. Daher erlauben Glinide eine flexible, mahlzeitenbezogene Therapie.

Indikation – Für wen sind Glinide geeignet?

Repaglinid und Nateglinid werden ausschließlich zur Therapie bei Diabetes Typ 2 eingesetzt, wenn die Bauchspeicheldrüse noch ausreichend Insulin produzieren kann. Die Therapie ist zu empfehlen, wenn allein durch Diät und Bewegung keine ausreichende Blutzuckereinstellung erreicht werden konnte. Repaglinid oder Nateglinid können zusammen mit Metformin eingesetzt werden, wenn der Blutzucker durch Metformin allein nicht ausreichend gesenkt werden konnte. Repaglinid ist auch zur alleinigen medikamentösen Therapie (Monotherapie) bei Diabetes Typ 2 zugelassen, Nateglinid darf nur in Konbination mit Metformin gegeben werden.

Kontraindikationen – Wann sollten Glinide nicht eingenommen werden?

Bei Diabetes mellitus Typ 1, nachlassender Insulinproduktion (Sekundärversagen), Leberinsuffizienz oder Allergien gegen diese Stoffgruppe dürfen Repaglinid und Nateglinid nicht eingenommen werden. Bei größeren Operationen, schweren Infektionen, einer geplanten oder bestehenden Schwangerschaft und in der Stillzeit sollte die Therapie mit Gliniden unterbrochen werden.

Nebenwirkungen – Welche treten unter der Therapie mit Gliniden auf?

Die häufigste Nebenwirkung von Repaglinid und Nateglinid ist die Unterzuckerung (Hypoglykämie), insbesondere bei Kombinationstherapien. Daneben können Allergien und Magen-Darm-Störungen auftreten.

Besonderheiten, Vorteile, Nachteile – Was ist bei Gliniden zu beachten?

Repaglinid oder Nateglinid werden unmittelbar vor Hauptmahlzeiten wie Frühstück, Mittagessen oder Abendessen eingenommen. Durch den behandelnden Arzt muss eine individuelle Dosisanpassung erfolgen. Bei Gliniden kann es, wie bei anderen oralen Antidiabetika auch, zu einem sogenannten Sekundärversagen kommen: Nach einer zunächst erfolgreichen Behandlung kann der Blutzucker durch Glinide und weitere orale Medikation nicht mehr befriedigend eingestellt werden, weil die Insulinproduktion nachlässt. Dann wird in der Regel die kombinierte Therapie mit Insulin erforderlich.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 19.01.2011
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Evidenzbasierte Leitlinien der DDG - Antihyperglykämische Therapie des Diabetes mellitus Typ 2, Stand 05/2003
  • Fachinformationen NovoNorm (Novo Nordisk) Stand 02/2005 und Starlix (Novartis Pharma und Merck) Stand 09/2005