Therapie des Diabetes mellitus mit Insulin: Verzögerungsinsuline

Verzögerungsinsuline haben eine Wirkdauer von etwa 10 bis zu 24 Stunden. Sie werden zur Deckung des basalen Insulinbedarfs (Insulin-Grundbedarf) bei der intensivierten Insulintherapie oder in der konventionellen Insulintherapie, dort vor allem als Mischinsuline, eingesetzt. Bei der Therapie des Diabetes mit Insulinpumpen finden Verzögerungsinsuline dagegen keine Verwendung.

Warum wirken die Verzögerungsinsuline unterschiedlich schnell und unterschiedlich lange?

Die verlängerte Wirkdauer der Verzögerungsinsuline kommt durch Zusatzstoffe wie beispielsweise ein Eiweiß (Protamin) oder das früher verwendete Zink zustande. Sie bewirken, dass Verzögerungsinsuline als feine Kristalle im Unterhautfettgewebe liegen, die nur langsam gelöst und ins Blut aufgenommen werden.

Mit den neuen Insulin-Analoga kann eine besonders lange und gleichmäßige Wirkung erreicht werden: Beim Insulin glargin bilden sich nach dem Spritzen Mikrokristalle an der Injektionsstelle, aus denen das Insulin langsam freigesetzt wird.

Anders erfolgt die Wirkungsverzögerung bei der Therapie mit dem Insulin detemir, das rascher ins Blut aufgenommen wird und sich dort an Eiweißstoffe bindet, wodurch es lange im Blut bleibt und ebenfalls verzögert wirkt. Die Aufnahmegeschwindigkeit hängt aber auch von der Durchblutung an der Injektionsstelle ab, daher nimmt sie bei körperlicher Arbeit, Massage oder einem heißen Bad zu. In Deutschland werden als Verzögerungsinsuline NPH-Verzögerungsinsulin und Verzögerungsinsulin-Analoga bei Diabetes verwendet.

Wie werden Verzögerungsinsuline gespritzt?

Verzögerungsinsulin darf nur unter die Haut (subkutan) und nicht intravenös oder in Muskeln gespritzt werden. Verzögerungsinsulin kann bevorzugt in die Oberschenkel verabreicht werden, von dort erfolgt die Freisetzung langsamer als aus der Bauchdecke. Aber auch Injektionen in die Gesäßregion, Bauchdecke oder Oberarme sind möglich. Grundsätzlich sollte bei der Injektion des gleichen Insulins zur gleichen Tageszeit innerhalb derselben Körperregion die Einstichstelle gewechselt werden. Wählen Sie zum Beispiel jeden Abend vor dem Schlafengehen eine neue Injektionsstelle am Oberschenkel.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.01.2011
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Aktoris, Förstermann, Hofmann, Starke: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Elsevier 2005
  • Evidenzbasierte Leitlinien der DDG - Antihyperglykämische Therapie des Diabetes mellitus Typ 2, Stand 05/2003
  • Fachinformationen Huminsulin Basal® (NPH) (Lilly) Stand 03/2000, Actraphane (Novo Nordisk) Stand 03/2005, NovoMix (Novo Nordisk) Stand 09/2005, Humalog Mix (Lilly) Stand 10/2003, Insulin Novo Semilente (Novo Nordisk) Stand 09/2003, Monotard (Novo Nordisk) Stand 09/2003, Ultraterd (Novo Nordisk) Stand 10/2002, Levemir (Novo Nordisk) Stand 07/2005 und Lantus (Sanofi Aventis) Stand 09/2005
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