Insulintherapie bei Diabetes: Nebenwirkungen und Komplikationen

Insulin ist im Allgemeinen gut verträglich. Dennoch können Nebenwirkungen und Komplikationen bei der Diabetestherapie mit Insulin auftreten.

Insulinspritzen © Thinkstock

Humaninsulin und Insulinanaloga beim insulinpflichtigen Diabetes

Diabetes mellitus wird heutzutage nur noch mit Humaninsulinen oder mit Insulinanaloga behandelt. Die früher verwendeten Tierinsuline – beispielsweise von Rindern oder Schweinen – werden nicht mehr für Neueinstellungen eingesetzt. Humaninsulin wird zwar gentechnologisch hergestellt, enthält aber genau die gleiche Aminosäurensequenz wie das menschliche Insulin und ist somit chemisch identisch.

Die Insulinanaloga werden ebenfalls gentechnologisch produziert, sie weichen aber in der Anordnung ihrer Aminosäuren von der des menschlichen Insulins ab oder enthalten auch an einzelnen Stellen des Moleküls andere Aminosäuren als menschliches Insulin. Diese Veränderungen führen zu einer besseren Steuerbarkeit der Insulintherapie, weil dadurch Insuline mit besonders kurzer oder besonders langer Wirkdauer zur Verfügung stehen.

Hypoglykämie und Hyperglykämie: Unter- und Überzuckerung

Die einzige Nebenwirkung, die eine ernsthafte Gefährdung für den Diabetespatienten durch eine Behandlung mit Insulin darstellt, ist die Unterzuckerung (Hypoglykämie). Sie kann den Diabetiker in ein gefährliches Koma bringen. Eine Hypoglykämie kann durch unregelmäßige Nahrungsaufnahme, schwere körperliche Arbeit oder auch Alkoholkonsum begünstigt werden.

Manche Medikamente – zum Beispiel Betablocker – oder eine durch die Zuckerkrankheit hervorgerufene Nervenschädigung (diabetische Neuropathie) bewirken, dass bei Hypoglykämie Symptome nur vermindert auftreten. Dadurch haben die Patienten keine Möglichkeit mehr, bei einer beginnenden Unterzuckerung schnell gegenzusteuern.

Zu hohe Blutzuckerwerte (Hyperglykämie) entwickeln sich durch Diätfehler, eine Unterdosierung von Insulin oder aufgrund eines erhöhten Insulinbedarfs bei Krankheiten.

Allgemeine Beschwerden und Nebenwirkungen bei der Insulintherapie

Manche Patienten bekommen Sehstörungen,sodass sie zum Beispiel die Zeitung nicht mehr lesen können. Diese Nebenwirkung tritt vor allem zu Therapiebeginn nach einer raschen Besserung der Blutzuckerwerte auf. Sie ist jedoch völlig harmlos und klingt zügig wieder ab. Sie hängt mit einem veränderten Quellungszustand der Augenlinse zusammen, der aufgrund der schnellen Änderung der Blutglukosewerte entsteht. Davon unterscheidet sich die diabetische Folgeerkrankung Retinopathie.

In seltenen Fällen können sich als Nebenwirkung auch Ödeme oder Wassereinlagerungen im Körper bilden. Diese entstehen durch eine sogenannte Natriumretention, die Niere scheidet weniger Natrium (zum Beispiel aus Kochsalz) aus. Diese Nebenwirkung tritt vor allem zu Therapiebeginn bei einer schnellen Änderung der Blutglukosewerte auf und klingt in der Regel wieder ab.

Häufig kommt es bei der Therapie mit Insulin zu einer Gewichtszunahme – vor allem bei konventioneller Insulintherapie. Durch moderne Konzepte in der medikamentösen Therapie – beispielsweise eine intensivierte konventionelle Therapie (ICT) – und die Verwendung von Insulinanaloga kann diese Nebenwirkung meist begrenzt werden.

Beschwerden durch Nebenwirkungen an der Einstichstelle

Durch die Verwendung von hoch gereinigtem Insulin sind allergische Reaktionen sehr selten geworden. Eine Allergie gegen Insulin oder einen Begleitstoff der Insulinlösung kann sich durch Hautausschlag bis hin zur Quaddelbildung und Juckreiz äußern. Wenn schwere allergische Reaktionen gegen Insulin oder einen Begleitstoff der Insulinlösung auftreten, können sie mit Hautreaktionen am ganzen Körper, Ödemen, Atembeschwerden, Blutdruckabfall oder sogar Schock einhergehen und lebensbedrohlich sein. In solchen Fällen ist es notwendig, den auslösenden Stoff – gegebenenfalls während der Behandlung in einer Klinik – zu identifizieren. Meist genügt ein Wechsel zu einem Insulinpräparat mit anderen Begleitstoffen, um das Problem zu lösen.

Allergien gegen Insulin sind selten

Durch die Verwendung von hoch gereinigtem Insulin sind allergische Reaktionen sehr selten geworden. Eine Allergie gegen Insulin oder einen Begleitstoff der Insulinlösung kann sich durch Hautausschlag bis hin zur Quaddelbildung und Juckreiz äußern. Wenn schwere allergische Reaktionen gegen Insulin oder einen Begleitstoff der Insulinlösung auftreten, können sie mit Hautreaktionen am ganzen Körper, Ödemen, Atembeschwerden, Blutdruckabfall oder sogar Schock einhergehen und lebensbedrohlich sein. In solchen Fällen muss der auslösende Stoff – gegebenenfalls während der Behandlung in einer Klinik – identifiziert werden. Meist genügt ein Wechsel zu einem Insulinpräparat mit anderen Begleitstoffen, um das Problem zu lösen.

Insulin bei Diabetes in der Schwangerschaft und Stillzeit

Frauen, die während der Schwangerschaft zum ersten Mal Insulin benötigen, sollten vorzugsweise auf Humaninsulin eingestellt werden. Wegen noch fehlender Daten ist bei der Anwendung von Insulinanaloga während der Schwangerschaft und Stillzeit generell Vorsicht geboten. Es gibt aber keine Daten über negative Wirkungen der Insulinanaloga.

Schwangere, die bereits zuvor auf kurzwirksame Insulinanaloga (Insulin aspart oder lispro) eingestellt waren, können diese weiter verwenden. Langwirksame Insulinanaloga (Insulin glargin und Insulin detemir) sollen in der Schwangerschaft mangels ausreichender Studienlage nicht eingesetzt werden. Aufgrund der Veränderungen des Stoffwechsels müssen Diabetespatientinnen in der Schwangerschaft und bei der Geburt des Kindes grundsätzlich sorgfältig überwacht werden.

Stillen wird Müttern mit Diabetes ausdrücklich empfohlen. Das Stillen hat auch zur Folge, dass weniger Insulin benötigt wird. Sofern bei Diabetes Typ 2 auch nach Ende der Schwangerschaft eine medikamentöse Therapie für eine gute Stoffwechseleinstellung notwendig bleibt, sollten stillende Frauen ihre Therapie mit Insulin fortsetzen. Denn es gibt keine Daten zur Unbedenklichkeit einer Tabletteneinnahme (orale Antidiabetika).
Autoren und Quellen Aktualisiert: 23.10.2017
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: Bundesärztekammer / Kassenärztliche Bundesvereinigung / Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (2014): Nationale VersorgungsLeitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes, Kurzfassung (http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/nvl-001gk_S3_Typ-2-Diabetes_Therapie_2014-11.pdf)
  • Bundesärztekammer / Kassenärztliche Bundesvereinigung / Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (2014): Nationale VersorgungsLeitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes, Leitlinien-Report (http://www.leitlinien.de/mdb/downloads/nvl/diabetes-mellitus/dm-therapie-vers3-llr.pdf)
  • Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (https://www.dzd-ev.de)
  • Diabetes Deutschland (http://www.diabetes-deutschland.de)
  • Diabetes heute – ein Service des Deutschen Diabetes-Zentrums (http://www.diabetes-heute.de)
  • Prof. Dr. Schwerbaum, Werner A. (2012): Therapie des Typ 1 Diabetes (http://www.uniklinik-duesseldorf.de/fileadmin/Datenpool/einrichtungen/klinik_fuer_endokrinologie_diabetologie_und_rheumatologie_id5/dateien/Vorlesung_Diabetes_1_22.5.2012.pdf)
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