Therapie des Diabetes mellitus mit Insulin: kurzwirksame Insuline (Wirkdauer 2 bis 8 h)

Bei der Therapie des Diabetes wird kurzwirksames Insulin prandial – das heißt, zu den Mahlzeiten – eingesetzt. Intensivierte Insulintherapie, konventionelle Insulintherapie und Pumpentherapie verwenden kurzwirksames Insulin.

Warum wirken kurzwirksame Insuline unterschiedlich schnell?

Kurzwirksame Insuline unterscheiden sich darin, wie schnell ihre Wirkung eintritt und wie lange sie anhält. Dieser Unterschied hängt davon ab, wie rasch das Insulin nach dem Spritzen aus dem Unterhautfettgewebe ins Blut aufgenommen wird. Insulin bildet leicht Hexamere, das bedeutet, dass sich immer sechs Insulin-Moleküle zusammenlagern. Nach dem Spritzen müssen sich diese Insulin-Hexamere erst wieder in der Gewebsflüssigkeit lösen und in einzelne Moleküle zerfallen, damit sie wirksam werden können. Da die verschiedenen Insuline sich unterschiedlich schnell lösen, dauert es auch unterschiedlich lang, bis das Insulin im Blut ist und die Wirkung eintritt. Zusätzlich hängt die Aufnahmegeschwindigkeit von der Durchblutung ab, daher nimmt sie bei körperlicher Arbeit, Massage oder einem heißen Bad zu.

Wie werden kurzwirksame Insuline gespritzt?

Für den Zeitpunkt des Wirkbeginns und die Wirkdauer spielt auch die Injektionsstelle eine Rolle bei der Therapie. Kurzwirksames Insulin sollte bevorzugt am Bauch gespritzt werden, dort wirkt es am schnellsten. Alternativ kann kurzwirksames Insulin auch in die Oberschenkel, den Gesäßbereich oder in Ausnahmen in die Oberarme oder in Muskeln gespritzt werden. In Notfallsituationen (Koma) kann kurzwirksames Insulin auch direkt in die Vene gespritzt werden. Diese Anwendung sollte jedoch nur durch medizinisches Fachpersonal erfolgen.

Therapie mit Normalinsulin (früher Altinsulin genannt)

Wirkungsbeginn maximale Wirkung Wirkdauer
30 Minuten nach 2 Stunden 4 bis 6 Stunden
Normalinsulin ist eine klare Insulin-Lösung, in der Regel aus gentechnisch hergestelltem Humaninsulin. Nach dem Spritzen unter die Haut dauert es etwa 30 Minuten, bis die Wirkung einsetzt. Daher sollte ein Spritz-Ess-Abstand (SEA) von 20 bis 30 Minuten eingehalten werden. Die maximale Wirkung wird nach zwei Stunden erreicht, insgesamt hält die Wirkung etwa vier bis sechs Stunden an.

Therapie mit kurzwirksamen Insulinanaloga

Wirkungsbeginn maximale Wirkung Wirkdauer
15 Minuten nach 1 Stunde 2 bis 3 Stunden
Kurzwirksame Insulinanaloga (Insulin Aspart, Insulin Lispro und Insulin Glulisin) werden als klare Insulin-Lösungen verwendet. Sie haben gegenüber Normalinsulin den Vorteil, dass sie nach dem Spritzen unter die Haut (subkutane Injektion) schneller als Normalinsulin ins Blut aufgenommen werden. Denn durch den Austausch bestimmter Aminosäuren im Molekül bilden sich kaum Hexamere aus zusammengelagertem Insulin. Dadurch tritt die Wirkung bereits nach 15 Minuten ein, das Wirkmaximum wird bereits nach einer Stunde erreicht und die Wirkung hält nur etwa zwei bis drei Stunden an.

Vorteile kurzwirksamer Insulinanaloga

Das Einhalten eines Spritz-Ess-Abstandes (SEA) ist bei der Therapie mit kurzwirksamen Insulinanaloga nicht nötig. Kurzwirksame Insulinanaloga können unmittelbar (0-15 Minuten) vor oder kurz nach dem Essen angewendet werden. Diese Unterschiede in der Wirkgeschwindigkeit gegenüber Normalinsulin führen zu einer besseren Anpassung an die Wirkweise des körpereigenen Insulins. In Studien konnten durch kurzwirksame Insulinanaloga geringfügig niedrigere HbA1c-Werte und ein niedrigeres Hypoglykämie-Risiko (Unterzuckerung) bei Diabetes mellitus erreicht werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.01.2011
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Aktoris, Förstermann, Hofmann, Starke: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Elsevier 2005
  • Evidenzbasierte Leitlinien der DDG - Antihyperglykämische Therapie des Diabetes mellitus Typ 2, Stand 05/2003
  • Fachinformationen Actrapid (Novo Nordisk) Stand 03/2005,NovoRapid (Novo Nordisk) Stand 07/2005, Humalog (Lilly) Stand 10/2003 und Apidra (Sanofi Aventis) Stand 09/2005
  • Zulassung von inhalativem Insulin in Europa und den USA, Ärzteblatt 27.01.06
  • dpa, 22.02.2008 "Typ 1 Diabetiker erhalten Insulinanaloga nur noch als Ausnahme"
  • Exubera weltweit vom Markt: Kein Interesse an inhalativem Insulin, Ärzteblatt 19.10.2007
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