Intensivierte Insulintherapie mit Insulinpumpe (CSII) bei Diabetes mellitus

Bei der intensivierten Insulintherapie mit Insulinpumpe bekommt der Diabetespatienten zumeist subkutan (CSII = kontinuierliche subkutane Insulin-Infusion) – in Sonderfällen aber auch direkt in die Bauchhöhle (kontinuierliche intraperitoneale Insulin-Infusion) – ständig Insulin über eine Pumpe verabreicht. Für Insulinpumpen wird ausschließlich Normalinsulin oder kurzwirksame Insulinanaloga verwendet.

Durch die Insulinpumpe gelingt es besser, bei Diabetespatienten den Insulinhaushalt eines Gesunden nachzuahmen als mit anderen Arten der Therapie. Eine besondere Stärke dieser Insulintherapie ist die genaue Programmierbarkeit der basalen Insulinrate (Insulin-Grundversorgung), die sich durch das Spritzen von Insulin so nicht erreichen lässt.

Zu den Mahlzeiten ruft der Diabetespatient die errechnete Insulinmenge als Bolus per Knopfdruck ab. Von der Insulinpumpe gelangt das Insulin über einen feinen Plastikschlauch zur Nadel und in den Körper. Eine neue Nadel muss bei der CSII nur alle ein bis zwei Tage gelegt werden. Die Wahl der Einstichstelle im Bauch- und Hüftbereich erfolgt wie bei der Pen- und Spritzennutzung. Insulinpumpen können auch beim Sport – manche sogar beim Schwimmen – getragen werden. Die Insulinpumpe kann man für besondere Situationen wie gewisse Sportarten, beim Duschen oder beim Sex aber auch bis zu zwei Stunden lang ablegen. Bei längeren Pumpenpausen lässt sich die Zeit mit Insulinspritzen überbrücken. Zur Sicherheit geben alle in Deutschland angebotenen Insulinpumpen Alarm, wenn etwa der Schlauch verstopft oder die Batterie schwach ist oder das Insulin zur Neige geht.

Für wen ist die Diabetestherapie mit einer Insulinpumpe geeignet?

Die Therapie mit Insulinpumpe ist viel teurer als die intensivierte Therapie mit Pen oder Spritze. Daher wird sie nur bei speziellen Indikationen und meist nur bei Diabetes Typ 1 eingesetzt. Sie eignet sich besonders für Diabetiker mit unregelmäßigem Lebensrhythmus (zum Beispiel Schichtarbeiter), sehr niedrigem Insulinbedarf (Kinder) oder für Patienten, bei denen durch das Spritzen von Insulin der Stoffwechsel nicht ausreichend eingestellt werden kann oder häufig Blutzuckerschwankungen und nächtliche Unterzuckerungen (Hypoglykämien) auftreten. Auch wenn kurzfristig eine sehr genaue Einstellung des Blutzuckers nötig wird – etwa bei Schwangeren, bei Operationen oder Wundheilungsstörungen – kann eine Insulinpumpe sinnvoll sein.

Voraussetzungen für die Diabetestherapie mit einer Insulinpumpe

Es wird empfohlen, den Blutzucker vor der Therapie mit einer Insulinpumpe mindestens sechs Monate lang mit einer intensivierten konventionellen Therapie (ICT) einzustellen. Falls eine gesetzliche Krankenkasse die Kosten übernehmen soll, muss der Patient eine Dokumentation vorgelegen, aus der ersichtlich wird, dass der Therapieerfolg durch eine ICT nicht ausreicht. Insulinpumpenträger müssen sehr zuverlässig sein und intensiv geschult werden, denn sie müssen genauestens mit dem Verhalten in verschiedenen Situationen (zum Beispiel bei unregelmäßigen Mahlzeiten, Sport oder Krankheit) vertraut sein und angemessen reagieren können. Bei einem Defekt der Insulinpumpe müssen sie in der Lage sein, den Blutzucker mithilfe von Pens oder Spritzen einzustellen.

Patienten sind nur dann für eine Therapie mittels Insulinpumpe geeignet, wenn sie (gegebenenfalls bei Kindern die Eltern) geistig in der Lage sind, die Anwendung des Gerätes sicher zu beherrschen. Grundsätzlich kommt aber jeder Diabetiker, der eine intensivierte Insulintherapie selbstständig durchführen kann, auch für eine Behandlung mit einer Insulinpumpe infrage.

Ob die gesetzlichen Kassen die Kosten für eine Therapie mittels Insulinpumpe übernehmen, ist an bestimmte medizinische Gegebenheiten geknüpft und immer eine Einzelfallentscheidung. Hierzu wird der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) eingeschaltet. Eine detaillierte Begründung für die Verordnung einer Insulinpumpe muss gegeben sein. Anderenfalls ist es wahrscheinlich, dass die Krankenkasse die Kostenübernahme ablehnt.

Vorteile der Diabetestherapie mit Insulinpumpe

Durch Insulinpumpen erreicht man eine besonders gute Abdeckung des basalen Insulinbedarfs. Das bedeutet beispielsweise weniger nächtliche Unterzuckerungen und die Möglichkeit, morgens auch mal auszuschlafen. Daneben kann der Diabetespatient durch die Therapie mit einer Insulinpumpe seinen Tagesablauf sehr flexibel gestalten. Denn er kann die Insulinrate in verschiedenen Lebenssituationen – zum Beispiel beim Sport – schnell anpassen. Neue Systeme verfügen über ein Blutzuckermessgerät mit Fernbedienung für die Insulinpumpe und viele weitere Funktionen wie einen Bolusrechner und ein Tagebuch. Durch die diskrete Handhabung der Insulinpumpe lässt sich die Therapie des Diabetes Typ 1 noch besser kontrollieren und weiter verbessern.

Nachteile der Diabetestherapie mit Insulinpumpe

Bei der Verwendung einer Insulinpumpe sind mindestens vier Blutzuckermessungen täglich nötig, sonst ist die Gefahr für Stoffwechselentgleisungen erhöht. Hierin unterscheidet sich die Therapie mit einer Insulinpumpe allerdings nicht von der ICT. Manche Diabetespatienten können sich nicht vorstellen, immer einen Fremdkörper am und im Körper zu tragen. Daneben kann die Möglichkeit eines technischen Defekts zu Unsicherheit führen. Einige Patienten fühlen sich durch die komplexere Technik im Vergleich zur ICT und die nötige Disziplin beim Katheterwechsel überfordert.

Da es notwendig ist, zunächst zu testen, ob man mit einer Insulinpumpe klarkommt, stellen alle Firmen Leihpumpen zur Verfügung.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 23.10.2017
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Bundesärztekammer / Kassenärztliche Bundesvereinigung / Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (2014): Nationale VersorgungsLeitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes, Kurzfassung (http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/nvl-001gk_S3_Typ-2-Diabetes_Therapie_2014-11.pdf)
  • Bundesärztekammer / Kassenärztliche Bundesvereinigung / Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (2014): Nationale VersorgungsLeitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes, Leitlinien-Report (http://www.leitlinien.de/mdb/downloads/nvl/diabetes-mellitus/dm-therapie-vers3-llr.pdf)Stand 05/2003
  • Insulinpumpen - wann kommen sie als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung in Frage? (http://www.diabetes-technologie.de/aktuelles/insulipumpen-kassenleistung.htm) [Stand: 25.11.11]
  • Produktinformation Accu-Chek® Combo, Roche Diagnostics Deutschland GmbH
  • Produktinformation Contour® Link, Bayer Vital GmbH
  • Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (https://www.dzd-ev.de)
  • Diabetes Deutschland (http://www.diabetes-deutschland.de)
  • Diabetes heute – ein Service des Deutschen Diabetes-Zentrums (http://www.diabetes-heute.de)
  • Prof. Dr. Schwerbaum, Werner A. (2012): Therapie des Typ 1 Diabetes (http://www.uniklinik-duesseldorf.de/fileadmin/Datenpool/einrichtungen/klinik_fuer_endokrinologie_diabetologie_und_rheumatologie_id5/dateien/Vorlesung_Diabetes_1_22.5.2012.pdf)
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