Pflege bei Diabetes mellitus

Diabetes mellitus ist eine der häufigsten Erkrankungen – vor allem im hohen Alter. Werden die Medikamente regelmäßig eingenommen und die Ernährung entsprechend angepasst, ist die Krankheit gut kontrollierbar. Doch besonders pflegebedürftigen Menschen fällt dies allein häufig schwer. Deshalb ist es wichtig, dass Pflegende gut über die Erkrankung informiert und besonders achtsam sind.

Glikosemessgerät © Thinkstock

Die Pflege von Diabetespatienten

Je nach Ausprägung der Krankheit und Einschränkungen durch Folgeerkrankungen benötigen Diabetespatienten Unterstützung bei Aktivitäten des täglichen Lebens wie der Körperpflege oder dem Essen und Trinken.

Hilfe beim Bewegen – gesundheitliche Folgen vermeiden

Bei Bewegung können zum Beispiel Probleme auftreten, wenn sich der Betroffene intensiv bewegt und zu wenig isst. Denn die körperliche Betätigung senkt den Blutzuckerspiegel. Deshalb sollten Menschen mit Diabetes mellitus immer Traubenzucker dabei haben und die Anzeichen einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) kennen – ebenso der Pflegende. So können zum Beispiel Unruhe, Zittern, Schwindel, Sehstörungen und starkes Schwitzen auftreten. Bei älteren Menschen bleiben diese klassischen Symptome jedoch oft aus. Bei ihnen zeigen sich als Anzeichen vor allem Verwirrtheit und auffallende Verhaltensstörungen.

Sensibilitätsstörungen können beim Gehen zu Problemen führen, da der Diabetespatient ein gestörtes Empfinden in den Füßen hat und Schmerzen erst spät spürt. Deshalb sollte sich der Pflegende die Schuhe des Betroffenen immer genau ansehen und Steinchen oder ähnliches entfernen. Die Schuhe sollten immer gut passen.

Sehstörungen und Nervenschädigungen (Polyneuropathie) führen zu einer erhöhten Sturzgefahr. Wenn der Pflegebedürftige an einer dieser Folgeerkrankungen leidet, ist es wichtig, das Sturzrisiko durch eine Wohnungsanpassung zu minimieren – zum Beispiel, indem man Haltegriffe und Geländer anbringt, Stolperfallen beseitigt und für eine gute Beleuchtung sorgt. Außerdem sollte der Pflegende darauf achten, dass der sehgeschädigte Diabetes-Patient immer seine Brille trägt.

Hilfe bei der Körperpflege – Sorgfalt zählt

Bei der Körperpflege ist bei Diabetespatienten besondere Sorgfalt gefragt, da ihre Haut sehr anfällig für Infektionen ist. Besondere Aufmerksamkeit benötigen die Füße. Denn selbst kleinste Verletzungen können sich dort schnell zu großen Wunden entwickeln, da die Wundheilung bei Betroffenen gestört ist.

Regelmäßige Fußpflege ist bei Diabetes mellitus deshalb unerlässlich: Dabei werden die Füße in lauwarmem Wasser mit wenig Seife gewaschen und anschließend sorgfältig abgetrocknet – vor allem zwischen den Zehen. Die Nägel werden rund geschnitten und gefeilt, damit keine scharfen Kanten zurückbleiben, die zu Verletzungen führen können.

Wichtig ist, die Füße – und speziell die Fußsohlen – im Rahmen der Fußpflege immer zu kontrollieren. Selbst kleinste Verletzungen erfordern eine gründliche Desinfektion. Bei Wunden, die nicht heilen, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Hilfe beim Essen und Trinken – das richtige Maß finden

Der Pflegende sollte ein Auge darauf haben, was der Pflegebedürftige isst – und auch, ob die verabreichte Menge Insulin mit der Mahlzeit übereinstimmt. Isst der Betroffene nicht ganz auf, sollte die Pflegeperson ihm eine Alternative anbieten, damit die Kohlenhydratzufuhr stimmt. Eine radikale Diabetesdiät ist nur notwendig, wenn der Diabetespatient unter schweren Folgeerkrankungen – etwa einem Unterschenkelgeschwür (Ulcus cruris) – leidet. Ansonsten sollte bei älteren Menschen die Lebensqualität im Vordergrund stehen.

Hat der Pflegebedürftige erst vor Kurzem die Diagnose Diabetes mellitus erhalten, ist es ratsam, gemeinsam mit der Pflegeperson eine Diabetesschulung zu besuchen. Denn je besser der Betroffene und der Pflegende über die Krankheit Bescheid wissen, desto sicherer werden sie im täglichen Umgang damit.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 25.10.2017
  • Autor/in: Nina Prell, Medizinredakteurin, vitanet.de; inhaltliche Qualitätssicherung: Dr. Markus Dietl, Pflegewissenschaftler; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin, vitanet.de;
  • Quellen: Köther, Ilka (2011): THIEMEs Altenpflege; 3. Auflage
  • Deutsche Diabetes-Hilfe: Diabetes Typ 2 – Was Sie wissen sollten (http://www.diabetesde.org/ueber_diabetes/was_ist_diabetes/was_ist_diabetes_typ_2/diabetes_typ_2_was_sie_wissen_sollten/
  • Bundesärztekammer / Kassenärztliche Bundesvereinigung / Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (2014): Nationale VersorgungsLeitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes, Kurzfassung (http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/nvl-001gk_S3_Typ-2-Diabetes_Therapie_2014-11.pdf)
  • Bundesärztekammer / Kassenärztliche Bundesvereinigung / Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (2014): Nationale VersorgungsLeitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes, Leitlinien-Report (http://www.leitlinien.de/mdb/downloads/nvl/diabetes-mellitus/dm-therapie-vers3-llr.pdf)
  • Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (https://www.dzd-ev.de)
  • Diabetes Deutschland (http://www.diabetes-deutschland.de)
  • Diabetes heute – ein Service des Deutschen Diabetes-Zentrums (http://www.diabetes-heute.de)
  • Prof. Dr. Schwerbaum, Werner A. (2012): Therapie des Typ 1 Diabetes (http://www.uniklinik-duesseldorf.de/fileadmin/Datenpool/einrichtungen/klinik_fuer_endokrinologie_diabetologie_und_rheumatologie_id5/dateien/Vorlesung_Diabetes_1_22.5.2012.pdf)