Diabetes-Therapie bei Kindern und Jugendlichen

Ziele der Diabetes-Therapie bei Kindern sind:

  • akute Komplikationen wie schwere Hypoglykämien, Ketoazidose und diabetisches Koma zu vermeiden
  • diabetesbedingte Folgeerkrankungen zu verhindern
  • eine normale körperliche und psychosoziale Entwicklung des Kindes zu ermöglichen
Für Kinder mit Diabetes mellitus Typ 2 gelten ähnliche Therapieziele; zusätzlich gilt es, das Körpergewicht, Fettstoffwechsel und Blutdruck zu normalisieren.

Insulintherapie

Die Insulintherapie sollte für jedes Kind individuell angepasst werden. Eine intensivierte Insulintherapie ist Behandlungsstandard bei Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 1 und erlaubt größtmögliche Flexibilität im Alltag und auch bei der Ernährung. Im Allgemeinen gilt es, mit der intensivierten Insulinbehandlung zu beginnen, sobald die Ressourcen der Familie und des Kindes dies zulassen. Der Einsatz von sehr kurz wirksamen Sprintinsulinen bringt den Vorteil, dass diese Insuline grundsätzlich auch nach dem Essen gespritzt werden können. Somit kann das Mahlzeiteninsulin an die tatsächlich verzehrte Kohlenhydratmenge nach dem Essen angepasst werden. Mit dieser Maßnahme kann das Unterzuckerungsrisiko reduziert werden. Zur Abdeckung des basalen Insulinbedarfs werden lang oder mittellang wirksame Verzögerungsinsuline verabreicht. Da kein definierter HbA1-Schwellenwert existiert, sind möglichst niedrige HbA1-Werte zwischen 4 und 6,1 Prozent (21 – 42 mmol/mol Hb) sinnvoll.

Schulungen

Intensive Schulungen von Eltern und Kind sind ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung. In den ersten Jahren übernehmen in der Regel die Eltern die Insulininjektion. Es gibt aber auch Kinder mit Diabetes mellitus, die bereits vom fünften Lebensjahr an ihr Insulin selbst spritzen. Sehr effizient sind Schulungsprogramme, die gezielt das Selbstmanagement fördern.

Ernährung

Ernährungsberatungen sollten von Fachkräften wie Diätassistenten oder Ökotrophologen durchgeführt werden. Ansonsten gelten grundsätzlich die gleichen Ernährungsempfehlungen wie bei gesunden Kindern und Jugendlichen.

Psychologische Betreuung

Die Diagnose Diabetes mellitus stellt Kinder und ihre Angehörigen vor eine große Aufgabe. Viele Kinder weisen daher innerhalb des ersten Jahres Schwierigkeiten mit der Bewältigung der Situation auf, die zu einer ungenügenden Stoffwechseleinstellung und psychosozialen Problemen führen können. Eine adäquate psychologische Betreuung kann dann die aktuelle psychosoziale Situation sowie belastende Ereignisse erfassen und gegebenenfalls behandeln.

Für die medikamentöse Therapie von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 2 sind Metformin und Insulin zugelassen, allerdings liegen zurzeit keine einheitlichen Empfehlungen vor. Wichtiger Bestandteil der Behandlung ist eine nachhaltige Änderung der Bewegungs- und Ernährungsgewohnheiten. Tritt die Diabeteserkrankung schon im Kindesalter auf, ist neben einer möglichst optimalen Blutzuckereinstellung auch das Erfassen und Behandeln möglicher Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen wichtig.

Was können Sie als Eltern tun?

Sie als Eltern tragen erheblich zu einer erfolgreichen Diabetes-Therapie bei. Lassen Sie sich dabei helfen und nutzen Sie die angebotenen Schulungen, um zusammen mit Ihrem Kind den richtigen Umgang mit der Diagnose Diabetes mellitus zu erlernen. Nur mit dem notwendigen Wissen können Sie Ihr Kind bei der medikamentösen Therapie, der Ernährung, körperlichen Bewegung und Blutzuckermessung optimal unterstützen.

Einer aktuellen deutschen Studie zufolge wirkt sich regelmäßiger Sport bei Kindern mit Typ-1-Diabetes positiv auf die Blutzuckereinstellung aus: Der HbA1-Wert sinkt, der Insulinverbrauch ist geringer. Die Gefahr schwerer Hypoglykämien erhöht sich bei sportlicher Aktivität nicht.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 20.01.2011
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: awmf-online.de: Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter, Stand Mai 2004
  • Praxis-Leitlinien der Deutschen Diabetes-Gesellschaft: Diabetes mellitus im Kindes-und Jugendalter, Stand Februar 2005
  • Ärztezeitung vom 9.6.2006: Sport bei Typ-1-Diabetes ist sicher