Diabetestherapie bei Kindern und Jugendlichen

Wenn Kinder und Jugendliche an Diabetes mellitus erkranken, leiden sie meist an Diabetes Typ 1. Ihre Bauchspeicheldrüse produziert kaum oder gar kein eigenes Insulin. Deshalb benötigen sie mehrmals täglich Insulin, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Hier erfahren Sie, wie die Diabetestherapie bei Kindern und Jugendlichen aussieht. 

Ziele der Diabetestherapie bei Kindern sind:

Ziele der Diabetes-Therapie bei Kindern sind:

  • akute Komplikationen wie schwere Unterzuckerungen (Hypoglykämien), Ketoazidose und diabetisches Koma zu vermeiden
  • diabetesbedingte Folgeerkrankungen zu verhindern
  • eine normale körperliche und psychosoziale Entwicklung des Kindes zu ermöglichen
Für Kinder, die an Diabetes Typ 2 leiden, gelten ähnliche Therapieziele – zusätzlich ist es bei ihnen wichtig, das Körpergewicht, den Fettstoffwechsel und den Blutdruck zu normalisieren.

Insulintherapie bei Kindern und Jugendlichen

Die Insulintherapie sollte für jedes Kind individuell angepasst werden. Eine intensivierte Insulintherapie ist Behandlungsstandard bei Jugendlichen mit Diabetes Typ 1 und erlaubt größtmögliche Flexibilität im Alltag und auch bei der Ernährung. Im Allgemeinen gilt es, mit der intensivierten Insulinbehandlung zu beginnen, sobald die Ressourcen der Familie und des Kindes dies zulassen. Der Einsatz von sehr kurz wirksamen Sprintinsulinen bringt den Vorteil, dass diese Insuline grundsätzlich auch nach dem Essen gespritzt werden können. Somit kann das Mahlzeiteninsulin an die tatsächlich verzehrte Kohlenhydratmenge nach dem Essen angepasst werden. Mit dieser Maßnahme lässt sich das Unterzuckerungsrisiko reduzieren. Zur Abdeckung des basalen Insulinbedarfs werden lang oder mittellang wirksame Verzögerungsinsuline verabreicht. Da kein definierter HbA1-Schwellenwert existiert, sind möglichst niedrige HbA1-Werte erstrebenswert. Werte unter 6,05 Prozent gelten als stoffwechselgesund, Werte unter 7,5 Prozent als gut.

Schulungen für Eltern und Kind

Intensive Schulungen von Eltern und Kind sind ein wesentlicher Bestandteil der Diabetesbehandlung. In den ersten Jahren übernehmen in der Regel die Eltern die Insulininjektion. Es gibt aber auch Kinder mit Diabetes mellitus, die bereits vom fünften Lebensjahr an ihr Insulin selbst spritzen. Sehr effizient sind Schulungsprogramme, die gezielt das Selbstmanagement fördern.

Ernährung bei Kindern mit Diabetes mellitus

Ernährungsberatungen sollten von Fachkräften wie Diätassistenten oder Ökotrophologen durchgeführt werden. Ansonsten gelten grundsätzlich die gleichen Ernährungsempfehlungen wie bei gesunden Kindern und Jugendlichen.

Psychologische Betreuung

Die Diagnose Diabetes mellitus stellt Kinder und ihre Angehörigen vor eine große Aufgabe. Viele Kinder haben daher innerhalb des ersten Jahres Schwierigkeiten mit der Bewältigung der Situation, die zu einer ungenügenden Stoffwechseleinstellung und psychosozialen Problemen führen können. Eine adäquate psychologische Betreuung kann dann die aktuelle psychosoziale Situation sowie belastende Ereignisse erfassen und gegebenenfalls behandeln.

Für die medikamentöse Therapie von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 2 sind Metformin und Insulin zugelassen. Hier werden entweder abends Langzeitinsuline eingesetzt oder kurzwirksame Insuline zu den Mahlzeiten. Sollte dies nicht zu einer guten Stoffwechseleinstellung führen, ist eine Intensivierung der Insulintherapie notwendig.

Wichtiger Bestandteil der Diabetesbehandlung ist eine nachhaltige Änderung der Bewegungs- und Ernährungsgewohnheiten. Tritt die Diabeteserkrankung schon im Kindesalter auf, ist neben einer möglichst optimalen Blutzuckereinstellung auch das Erfassen und Behandeln möglicher Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen wichtig.

Was können Sie als Eltern tun?

Sie als Eltern tragen erheblich zu einer erfolgreichen Diabetestherapie bei. Lassen Sie sich dabei helfen und nutzen Sie die angebotenen Schulungen, um zusammen mit Ihrem Kind den richtigen Umgang mit der Diagnose Diabetes mellitus zu erlernen. Nur mit dem notwendigen Wissen können Sie Ihr Kind bei der medikamentösen Therapie, der Ernährung, körperlichen Bewegung und Blutzuckermessung optimal unterstützen.

Einer aktuellen deutschen Studie zufolge wirkt sich regelmäßiger Sport bei Kindern mit Typ-1-Diabetes positiv auf die Blutzuckereinstellung aus: Der HbA1-Wert sinkt, der Insulinverbrauch ist geringer. Allerdings gilt auch hier: Es ist wichtig, die Hauptwirkung des Insulins zu kennen und die Dosierung an die körperliche Belastung anzupassen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 23.10.2017
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Bundesärztekammer / Kassenärztliche Bundesvereinigung / Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (2014): Nationale VersorgungsLeitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes, Kurzfassung (http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/nvl-001gk_S3_Typ-2-Diabetes_Therapie_2014-11.pdf)
  • Bundesärztekammer / Kassenärztliche Bundesvereinigung / Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (2014): Nationale VersorgungsLeitlinie Therapie des Typ-2-Diabetes, Leitlinien-Report (http://www.leitlinien.de/mdb/downloads/nvl/diabetes-mellitus/dm-therapie-vers3-llr.pdf)
  • Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (https://www.dzd-ev.de)
  • Diabetes Deutschland (http://www.diabetes-deutschland.de)
  • Diabetes heute – ein Service des Deutschen Diabetes-Zentrums (http://www.diabetes-heute.de)
  • Prof. Dr. Schwerbaum, Werner A. (2012): Therapie des Typ 1 Diabetes (http://www.uniklinik-duesseldorf.de/fileadmin/Datenpool/einrichtungen/klinik_fuer_endokrinologie_diabetologie_und_rheumatologie_id5/dateien/Vorlesung_Diabetes_1_22.5.2012.pdf)
  • Deutsche Diabetes Gesellschaft / Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie / Deutsche Diabetes-Hilfe: Leitlinie Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter (http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Leitlinien/Evidenzbasierte_Leitlinien/EBL_Kindesalter_2010.pdf)