Medikamente mit oder ohne Rezept?

In Deutschland kann man nicht jedes Medikament einfach und überall kaufen. Das hat seine guten Gründe: Einerseits ist der Beratungsbedarf bei Arzneimitteln hoch. Wer weiß schon, welches Medikament gegen seine Magenschmerzen hilft, ob es besser eine Kautablette oder ein Gel zum Einnehmen sein sollte und wann und wie oft man das Medikament einnehmen muss?

Krankheiten gezielt bekämpfen

Hier ist die Beratung von Arzt oder Apotheker gefragt – um Sicherheit beim Arzneimittelgebrauch zu bekommen und Neben- sowie Wechselwirkungen zu vermeiden.

Zudem entstehen viele Probleme durch den unkritischen Gebrauch von Arzneimitteln. Alarmierende Entwicklungen werden in Ländern beobachtet, in denen es beispielsweise Antibiotika ohne Rezept zu kaufen gibt. Wenn Antibiotika bei jeder Gelegenheit konsumiert werden können, entstehen resistente Keime, gegen die bald kein Mittel mehr hilft – auch über Landesgrenzen hinweg. In der letzten Zeit gab es viele Beispiele dafür: die zunehmende Verbreitung von MRSA, die EHEC-Epidemie und Todesfälle in Krankenhäusern, da lebensgefährliche Erreger nicht wirksam bekämpft werden konnten.

Starke Wirkung braucht starke Beratung

Je nach Anwendung, Darreichungsform oder Wirkstoffkonzentration kennt der deutsche Arzneimittelmarkt verschiedene Arten der Medikamentenabgabe. Hinter verschreibungspflichtigen und rezeptpflichtigen Arzneimitteln verbirgt sich das Gleiche: Sie dürfen nur vom Arzt verordnet werden. Dies geschieht per Rezept – einem Formular, das neben Patientendaten wie dem Namen, dem Alter, dem Wohnort und der Krankenkasse die vom Arzt verschriebenen Arzneimittel enthält.

Verschreibungspflichtige Medikamente erhält man nur in einer Apotheke. Einen Sonderstatus innerhalb der verschreibungspflichtigen Medikamente nehmen sehr stark wirksame Medikamente ein, die aufgrund ihres Gefährdungspotenzials nur auf einem sogenannten Betäubungsmittelrezept verordnet werden dürfen. Hierbei handelt es sich meist um sehr starke Schmerzmittel (Opiate). Die Abgabe an Patienten unterliegt besonderen gesetzlichen Regelungen. Die Verordnung erfolgt auf besonderen BTM-Rezepten, die sich auch optisch von den sonst üblichen Rezepten unterscheiden.

Apothekenpflichtige Arzneimittel sind zwar rezeptfrei, sie dürfen aber nur über die Apotheke abgegeben werden. Hier handelt es sich um Produkte, bei denen noch fachliche Beratung notwendig ist. Die apothekenpflichtigen Arzneimittel stehen grundsätzlich hinter dem sogenannten Handverkaufstisch. Das ist der in jeder Apotheke vorhandene große Tisch, an dem die Abgabe von Arzneimitteln erfolgt. Sie werden so genannt, weil apothekenpflichtige Arzneimittel grundsätzlich nur durch die Hände von ausgebildetem Personal zum Kunden gelangen dürfen.

Die dritte Gruppe sind frei verkäufliche Arzneimittel mit nur schwach wirksamen und niedrig dosierten Bestandteilen. Sie stehen in Apotheken in frei zugänglichen Bereichen, können aber auch von Drogerien oder Supermärkten vertrieben werden. Zu den frei verkäuflichen Arzneimitteln zählen viele Tees, Vitamin- und Mineralstoffpräparate oder allgemein Medikamente mit Pflanzenextrakten. Doch auch bei solchen Arzneimitteln ist eine qualifizierte Beratung sinnvoll.

Ob ein Präparat rezept- oder apothekenpflichtig ist oder nicht, entscheidet eine Expertenkommission des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) aufgrund rechtlicher Vorgaben.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 28.05.2015
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: Krauß, Jürgen / Müller, Petra / Unterreitmeier, Doris: Arzneimitteleinnahme für die Kitteltasche
  • Krauß, Jürgen / Unterreitmeier, Doris / Renz, Manfred: Arzneimittelanwendung für die Kitteltasche