Medikamente – Tabletten, Salbe oder Sirup?

Was ist der Unterschied zwischen einer Salbe und einer Creme? Woran erkennt man ein Dragee? Medikamente sind in der Apotheke in unterschiedlicher Form erhältlich – aus verschiedenen Gründen. Hier finden Sie einfache und kurze Erklärungen.

bunte Pillen © Thinkstock
Die gebräuchlichsten Formen von Medikamenten und ihre Funktionsweisen sind:

  • Tabletten werden mit viel Wasser geschluckt, der Wirkstoff wird dann hauptsächlich im Dünndarm aufgenommen. Sie enthalten Füllstoffe wie Milchzucker und sogenannte Sprengmittel, die die Auflösung einer Tablette in Flüssigkeit beschleunigen sollen. Daher ist es wichtig, dass Tabletten mit ausreichend Wasser eingenommen werden.
  • Brausetabletten werden zuerst in Wasser aufgelöst und dann getrunken. Sie enthalten im Gegensatz zu normalen Tabletten Brausezusätze wie Natriumcarbonat, die zur raschen Auflösung der Tablette beitragen, und Geschmacksstoffe wie Zitronenaroma sowie oftmals Süßstoff.
  • Dragees setzen sich aus einem Drageekern und einer umhüllenden Schicht zusammen, die meistens aus Zuckermolekülen besteht. Die Hülle schützt das Medikament vor äußeren Einflüssen und kann darüber hinaus magensaftresistent sein, damit der Wirkstoff erst im Darm freigesetzt wird. Die Schicht dient aber auch häufig dazu, die Geschmacksnerven vor dem unangenehmen Geschmack eines Wirkstoffs zu schützen – oder lediglich dazu, das Hinunterschlucken des Medikaments zu erleichtern. Dragees werden unzerkaut mit Flüssigkeit eingenommen.
  • Filmtabletten haben einen ähnlichen Aufbau wie Dragees. Der Unterschied liegt im Überzug: Dieser besteht hier nur in einer dünnen Schicht aus einem Polymer. Auch solche Überzüge können beispielsweise magensaftresistent sein.
  • Kapseln besitzen eine Gelatinehülle, in deren Innerem sich der feste, flüssige oder pastenartige Wirkstoff befindet. Kapseln können auch Wirkstoffpellets mit unterschiedlicher Freisetzungszeit enthalten. Man nimmt sie mit viel Flüssigkeit ein. Sie dienen meistens der oralen Aufnahme eines Medikaments, aber es gibt auch Kapseln, die vaginal oder rektal eingeführt werden müssen.
  • Schmelztabletten werden bei ihrer Herstellung gefriergetrocknet und lösen sich nach der Einnahme bereits im Mund auf. Sie müssen also nicht zusammen mit Wasser eingenommen werden.
  • Pastillen sind verfestigte Flüssigkeiten, die meist zusammen mit Gummi Arabicum in Formen gegossen wurden. Die enthaltenen Wirkstoffe werden dann durch Lutschen herausgelöst.
  • Lutschtabletten werden oral eingenommen und sollten bis zur völligen Auflösung im Mund belassen werden, damit ihre Wirkstoffe an Ort und Stelle wirken oder über die Mundschleimhaut aufgenommen werden können. Dies ist beispielsweise bei der Behandlung von Erkrankungen des Mund- oder Rachenraums erwünscht, aber auch wenn der Wirkstoff sofort in den Blutkreislauf übergehen soll.
  • Tropfen sind flüssig und haben meist eine hohe Konzentration an Wirkstoffen. Sie enthalten außerdem häufig Alkohol, weshalb sie für Kinder ungeeignet sind.
  • Saft wird oft bei Kindern angewendet. Er enthält häufig Geschmackszusätze, Zucker oder Zuckerersatzstoffe und hat eine dickere Konsistenz als Tropfen.
  • Sirup besteht zum Großteil aus einer konzentrierten Zuckerlösung, die Träger für die Wirkstoffe ist.
  • Suspensionen sind flüssig. Sie enthalten nicht-lösliche Stoffe, die sich auf dem Boden der Flasche absetzen. Deshalb müssen Suspensionen vor jedem Gebrauch geschüttelt werden, um die Wirkstoffe gleichmäßig zu verteilen. Je nach Wirkstoff können sie innerlich und äußerlich angewendet werden.
  • Salben sind meistens sehr fetthaltige, streichfähige Arzneizubereitungen, in denen sich die Wirkstoffe fein verteilt befinden. Meistens handelt es sich um Wasser-in-Öl-Emulsionen. Sie lassen sich mit Wasser nicht abwaschen und sind nur zur äußerlichen Anwendung gedacht.
  • Cremes haben eine weichere Konsistenz als Salben und enthalten meistens größere Mengen Wasser. Dabei unterscheidet man Wasser-in-Öl-Emulsionen, die deutlich fettreicher sind als Öl-in-Wasser-Emulsionen. Beide Formen werden je nach Bedarf eingesetzt.
  • Lotionen sind Öl-in-Wasser-Emulsionen, in denen der Wirkstoff enthalten ist. Sie sind dünnflüssiger als Cremes und dienen meistens der Behandlung oder Pflege der Haut.
  • Gels werden ebenfalls auf die Haut aufgetragen. Es gibt aber auch solche, die beispielsweise zur Anwendung im Mund geeignet sind. Gels haben einen sehr hohen Wassergehalt. Neben der jeweiligen Wirkung des Arzneistoffs ergibt sich dadurch auch ein kühlender Effekt.
  • Pflaster: Bei sogenannten TTS-Pflastern (Transdermale Therapeutische Systeme) sind die Wirkstoffe in eine Membran eingearbeitet. Die Pflaster werden auf die Haut geklebt. Der Wirkstoff wird so über einen langen Zeitraum gleichmäßig an den Körper abgegeben.
  • Zäpfchen (Suppositorien) sind feste Arzneiformen. In der Regel sind sie zylinder- oder torpedoartig geformt, damit sie leichter in den Mastdarm oder die Scheide eingeführt werden können. Sie bestehen aus einer Substanz, die bei Körpertemperatur schmilzt und so den enthaltenen Wirkstoff freisetzt. Zäpfchen sind besonders hitzeempfindlich.
  • Dosier-Aerosole befinden sich in kleinen, unter hohem Druck stehenden Gasbehältern. Bei jedem Sprühstoß wird eine bestimmte Menge Arzneistoff mithilfe eines Treibgases abgegeben. Dieser wird durch gleichzeitiges Einatmen in die Lungen aufgenommen.
  • Sprays ermöglichen die feine Verteilung eines Arzneistoffs. Neben Sprays mit Treibgas gibt es Sprays, die mittels eines Pumpmechanismus ihren Wirkstoff freigeben.
  • Granulate bestehen aus kleinen Körnchen, die aus dem Wirkstoff und Hilfsstoffen bestehen. Sie können je nach Art pur oder in Wasser gelöst eingenommen werden.
  • Tees bestehen aus getrockneten und meist zerkleinerten Pflanzenbestandteilen, die mit heißem Wasser übergossen werden. Auf diese Weise lösen sich die Pflanzeninhaltstoffe (Wirkstoffe) zum großen Teil allerdings nur, wenn sie auch wasserlöslich sind. Tees sollten möglichst warm getrunken werden.
Den überwiegenden Teil der Medikamente erhalten Sie fertig aufbereitet in der Apotheke. Manche Arzneimittel, beispielsweise vom Hautarzt verschriebene Salben, werden jedoch individuell in der Apotheke hergestellt – streng nach gesetzlichen Vorgaben.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 28.05.2015
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: Krauß, Jürgen / Müller, Petra / Unterreitmeier, Doris: Arzneimitteleinnahme für die Kitteltasche
  • Krauß, Jürgen / Unterreitmeier, Doris / Renz, Manfred: Arzneimittelanwendung für die Kitteltasche