Medikamente – vor dem Essen?

Laut Statistik nimmt mindestens jeder fünfte Patient seine Arzneimittel nicht so ein, wie es der Beipackzettel empfiehlt oder wie der Arzt es verordnet hat. Auch der Zeitpunkt der Einnahme kann für die Wirkung eines Medikaments entscheidend sein. Wird ein Arzneimittel falsch eingenommen, kann es passieren, dass es nicht ausreichend oder gar nicht wirkt.

Frau hält Tablette in der Hand © Thinkstock

Folgende Hinweise sollten Sie unbedingt beachten:

Medikamente mit ausreichend Wasser einnehmen

Tabletten, Kapseln oder Dragees wirken am besten, wenn sie mit ausreichend Wasser geschluckt werden. Ausreichend bedeutet mindestens ein Glas Wasser.
Wenn Sie Ihre Tabletten mit Wasser einnehmen, können Sie nichts falsch machen. Anders sieht es bei Milch, koffein- und gerbstoffhaltigen Flüssigkeiten (Kaffee, Cola-Getränke, schwarzer, grüner oder Mate-Tee) aus. Sie können die Wirkung eines Arzneimittels verstärken oder abschwächen. Dasselbe gilt für Fruchtsäfte oder alkoholische Getränke.

Vor, nach oder zum Essen? Medikamente zur richtigen Zeit

Ein Glas Wein auf nüchternen Magen oder zum Essen: Die Wirkung ist jeweils eine andere. Ebenso verhält es sich mit Medikamenten – es ist entscheidend, ob Sie ein Medikament vor, nach oder zu den Mahlzeiten einnehmen. Halten Sie sich an die Empfehlung im Beipackzettel oder an die Anweisungen des Arztes oder Apothekers. Manche Wirkstoffe können den Verdauungstrakt reizen, wenn sie auf nüchternen Magen eingenommen werden. Sie sollten zu den Mahlzeiten verabreicht werden, damit der Magen nicht unnötig belastet wird. Auch funktionelle Zusammenhänge müssen beachtet werden: So müssen beispielsweise Enzympräparate zu den Mahlzeiten eingenommen werden, denn sie sollen ja bei der Verdauung helfen.

Bei anderen Medikamenten, die schnell wirken sollen, wird die Einnahme auf nüchternen Magen empfohlen. Auch kann bei einigen Wirkstoffen die vom Körper aufgenommene Menge erhöht werden, indem das Arzneimittel vor dem Essen eingenommen wird. Die Angabe „vor dem Essen“ im Beipackzettel bedeutet, dass die Arznei etwa eine halbe bis eine Stunde vor der Mahlzeit eingenommen werden soll.

Über den Gebrauch des Ausdrucks „nach dem Essen“ herrscht zum Teil Verwirrung: Er bedeutet „relativ kurz nach Beendigung einer Mahlzeit“, wenn der volle Magen die Schleimhaut gegen einen aggressiven Wirkstoff schützen soll. Der Ausdruck wird aber auch im Sinne von „zirka zwei Stunden nach einer Mahlzeit“ gebraucht. Dies ist richtig, falls bestimmte Lebensmittel die Wirkstoffaufnahme stören könnten (beispielsweise beeinflussen Milchprodukte einige Antibiotika).

Medikamenten-Einnahme vergessen, was nun?


Die für Medikamente empfohlenen Einnahmezeiten sollten ernst genommen werden. Im Alltag passiert es aber gelegentlich, dass die Einnahme einer Dosis vergessen wird. Wie soll man nun weiter vorgehen? Das ist abhängig davon, um was für ein Medikament es sich handelt: Bei Schmerzmitteln kann es sein, dass ein zu geringer Effekt eintritt, dass die Schmerzlinderung also nicht ausreicht. Darüber hinaus besteht aber kein prinzipielles Problem. Eine vergessene Einnahme sollte nicht dadurch kompensiert werden, dass beim nächsten Mal die doppelte Dosis genommen wird, denn dies könnte eine Überdosierung hervorrufen.

Bei anderen Arzneimitteln – beispielsweise Antibiotika, Antiepileptika, Anti-Baby-Pille und Asthmamitteln – besteht die Gefahr, dass der Blutspiegel des entsprechenden Wirkstoffs so niedrig wird, dass dies unmittelbar negative Folgen für den Patienten haben könnte. Fragen Sie in solchen Fällen Ihren Arzt oder Apotheker, wie die weitere Einnahme erfolgen soll.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 28.05.2015
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: Krauß, Jürgen / Müller, Petra / Unterreitmeier, Doris: Arzneimitteleinnahme für die Kitteltasche
  • Krauß, Jürgen / Unterreitmeier, Doris / Renz, Manfred: Arzneimittelanwendung für die Kitteltasche