Medikamentenmissbrauch

Medikamente weisen nach Nikotin und Alkohol das drittgrößte Missbrauchspotential auf: Nach Angabe der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. sind rund 1,54 Millionen Deutsche von Medikamenten abhängig.

Frau nimmt Tablette © Thinkstock
Da es sich um ein Tabuthema handelt, wird eine drohende Abhängigkeit häufig nicht rechtzeitig erkannt – der Weg in die Abhängigkeit ist kurz, der Weg hinaus hart und ohne therapeutische Betreuung fast unmöglich. Dabei ist nur Wenigen bekannt, dass nicht nur verschreibungspflichtige Arzneimittel abhängig machen können, sondern auch Nasentropfen, Abführ- und Schmerzmittel, die ohne Rezept erhältlich sind.

Vom Medikament gegen Schnupfen zur Abhängigkeit

Wenn die Nase läuft, nehmen Erkrankte oft gefäßverengende Wirkstoffe, die in vielen Nasentropfen enthalten sind. Nimmt man diese länger als etwa fünf Tage ein, vermindert sich die Wirkung und die Nasenschleimhaut wird geschädigt. Die Folge ist eine trockene Nase mit Krusten, Blutungen und eventuell Atembehinderungen. Der Erkrankte meint nun, die Nasentropfen noch weiter zu benötigen. Ein längerer Missbrauch kann sogar zum Geruchsverlust führen. Beachten Sie hier also genau die Anweisungen Ihres Arztes oder Apothekers.

Vorsicht bei Abführmitteln

Irrtümlich herrscht die Meinung vor, dass Aloe, Faulbaum oder Rhabarber milde Abführmittel seien, da sie ja pflanzlichen Ursprungs sind: Doch das sind sie keineswegs. Sie führen zu einem Wassereinstrom in den Darm, machen den Stuhl weicher und regen den Darm an, den Speisebrei schneller zu transportieren. Bei längerer Anwendung entsteht ein Verlust von Kaliumionen. Das wiederum verstärkt die Verstopfung. Ein Teufelskreis beginnt. Langfristig können noch Appetitlosigkeit, Muskelschwäche oder Herzrhythmusstörungen hinzukommen. Gehen Sie also auch mit pflanzlichen Abführmitteln vorsichtig um und beachten Sie immer die Ratschläge Ihres Arztes oder Apothekers.

Kopfschmerzen durch Schmerzmittel

Es kommt vor, das regelmäßig eingenommene Schmerzmittel zu Dauerkopfschmerz führen. Geht der Erkrankte den Ursachen seines Leidens nicht auf den Grund, meint er, mehr Schmerzmittel nehmen zu müssen: Eine Abhängigkeit entsteht. Doch sind zum Beispiel bei Migräne Schmerzmittel nicht immer erste Wahl, um das Leiden zu lindern. Es gibt Alternativen, die nicht in die Anhängigkeit führen. Fragen Sie hierzu Ihren Arzt oder Apotheker.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 28.05.2015
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.: http://www.dhs.de/datenfakten/medikamente.html