Antibiotika: Entwicklung von Resistenzen

Bakterien, die gegen Antibiotika resistent sind, werden zu einem zunehmenden Problem in Deutschland. Denn Infektionen, die von ihnen ausgelöst werden, sind nur schwer behandelbar. Ein Beispiel sind Methicillin-resistente Staphylococcus aureus, besser bekannt unter der Abkürzung MRSA.

So entstehen Resistenzen

Bakterien können „lernen“, sich vor einem Antibiotikum zu schützen – das Medikament verliert seine Wirkung gegen diese resistenten Bakterien. Das „Lernen“ funktioniert über Mutation und Selektion: Durch eine Mutation, eine spontane Veränderung  des Erbguts, kann es im Bakterium zu einer besseren Widerstandsfähigkeit gegen ein Antibiotikum kommen.

Beim Einsatz des Antibiotikums werden alle Bakterien bis auf die mit der Mutation abgetötet oder an ihrer Vermehrung gehindert. Das heißt, die betroffenen Bakterien werden selektiert, da sie als einzige überleben oder sich weiter teilen können. Außerdem können Resistenzen zwischen verschiedenen Bakterien weitergegeben und Bakterien auch gegen mehrere Antibiotika gleichzeitig resistent werden.

Deshalb sollten Antibiotika immer mit Bedacht eingesetzt werden. Außerdem ist es wichtig, dass der Patient ein Antibiotikum immer so lange einnimmt, wie der Arzt es verordnet hat – auch wenn die Beschwerden schon nachgelassen haben. Denn ein zu früher Abbruch der Behandlung fördert die Entstehung von resistenten Bakterien. Durch eine gezielte Therapie und die Beobachtung von auftretenden Resistenzen durch den Arzt soll verhindert werden, dass Antibiotika ihre Wirkung gegen Infektionskrankheiten verlieren.

Kombinationstherapie fördert Resistenzbildungen

Bisher sind bei Bakterieninfektionen häufig Kombinationstherapien Mittel der Wahl. Das heißt, es werden mehrere Antibiotika miteinander kombiniert, um die Keime effektiver bekämpfen zu können. Doch eine Studie aus dem Jahr 2013 zeigt, dass gerade sehr effiziente Kombinationstherapien besonders schnell zu einer großen Anzahl von resistenten Bakterien führen. Obwohl Kombinationstherapien dem Patienten schneller helfen, kann es deshalb dennoch sinnvoll sein, langfristig Monotherapien mit nur einem Antibiotikum zu bevorzugen, um Resistenzentwicklungen zu verhindern.

Auch niedrige Dosierungen problematisch

Antibiotika werden häufig zu niedrig dosiert eingesetzt. Das fördert ebenfalls die Entstehung von Resistenzen. Wissenschaftler erklären das mit einer Stressreaktion des Bakteriums, die schon beim Kontakt mit kleinen Mengen eines Antibiotikums ausgelöst wird und bei der das Bakterium vermehrt Resistenzgene bildet. Diese baut es in sein Genom ein. Da bei niedrigen Dosierungen außerdem mehr Bakterien überleben, kann sich die Resistenz leicht verbreiten.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 29.05.2015
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Christina Landauer, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Pena-Miller R, Laehnemann D, Jansen G, Fuentes-Hernandez A, Rosenstiel P, et al. (2013) When the Most Potent Combination of Antibiotics Selects for the Greatest Bacterial Load: The Smile-Frown Transition. PLoS Biol 11(4): e1001540. doi:10.1371/journal.pbio.1001540
  • Baharoglu Z, Krin E, Mazel D (2013) RpoS Plays a Central Role in the SOS Induction by Sub-Lethal Aminoglycoside Concentrations in Vibrio cholerae. PLoS Genet 9(4): e1003421. doi:10.1371/journal.pgen.1003421
  • Helmholtz Zentrum München: Antibiotika und Antibiotikaresistenzen: http://www.helmholtz-muenchen.de/fileadmin/FLUGS/PDF/Themen/Krankheitsbilder/Antibiotika.End.pdf