Wann ist der Einsatz von Antibiotika nötig?

Antibiotika sollten nur bei bakteriellen Infektionen zum Einsatz kommen. Viele Infektionen der oberen Atemwege werden jedoch von Viren ausgelöst. Gegen Viren haben Antibiotika keinerlei Wirkung, hier kann der unnötige Einsatz sogar Nachteile mit sich bringen zum Beispiel allergische Reaktionen und Resistenzentwicklung.

Antibiotika sind allerdings auch dann angebracht, wenn sich auf eine durch Viren vorgeschädigte Schleimhaut der Atemwege zusätzlich Bakterien festsetzen. Bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion sollte Sie ein Arzt behandeln: Er wird entscheiden, ob der Einsatz von Antibiotika nötig ist. Bei Virus-Infektionen können Sie die Symptome häufig selbst mit Hausmitteln, Schleimlösern, Schmerzmitteln, Fiebersenkern und Nasenspray behandeln.

Bei folgenden Erkrankungen können Antibiotika notwendig werden:

Husten (Bronchitis)

Die akute Bronchitis, eine Entzündung der Bronchien mit Husten als Symptom, wird fast immer von Viren ausgelöst. Auf der entzündeten Schleimhaut der Bronchien können sich Bakterien jedoch leichter ausbreiten und eine zweite, bakterielle Infektion verursachen. Eine bakterielle Bronchitis dauert in der Regel länger als sieben Tage und wird von gelbgrünem Auswurf begleitet.

Mandelentzündung (Angina, Tonsillitis)

90 Prozent aller Rachenentzündungen werden von Viren ausgelöst. Anzeichen für eine bakterielle Mandelentzündung sind hohes Fieber (über 39 Grad Celsius) über mehrere Tage, Halsschmerzen, die sich nicht bessern, geschwollene Lymphknoten und eitrige Stippen oder ein schmieriger gelblicher Belag auf den Mandeln.

Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) und Schnupfen

Schnupfen und Nebenhöhlenentzündungen werden fast immer durch Viren ausgelöst. Bakterien nisten sich meist erst auf der bereits durch Viren oder Allergien vorgeschädigten Schleimhaut ein. Eine bakterielle Sinusitis hält normalerweise länger als eine Woche an und es besteht ein Druckschmerz, der sich beim Bücken verstärkt.

Mittelohrentzündung (Otitis media)

Die Mittelohrentzündung ist eine der häufigsten Infektionen bei Kindern, Erwachsene hingegen erkranken selten. Bei einer Mittelohrentzündung ist die Ohrtrompete (Eustach-Röhre) verengt oder blockiert. Dadurch wird das Mittelohr nicht mehr ausreichend belüftet und der Druckausgleich behindert, sodass das Schleimhautsekret nicht mehr abfließen kann: Bakterielle Infektionen werden begünstigt. Gegen die häufigsten Erreger der bakteriellen Mittelohrentzündung, Pneumokokken und Haemophilus Influenza, helfen Impfungen. Häufig sind Viren die Auslöser für eine Mittelohrenentzündung: Dann helfen Antibiotika nur, wenn eine zweite, bakterielle Infektion des Mittelohrs hinzukommt.

Lebensmittelvergiftung und Darminfekte (Enteritis, Kolitis)

Gelangen Viren oder Bakterien mit der Nahrung in den Magen-Darm-Trakt, können sie Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und krampfartige Bauchschmerzen auslösen. Während die von Viren verursachte „Magen-Darm-Grippe“ nur wenige Tage dauert, können Bakterien schwere und lang anhaltende Durchfälle auslösen. Wenn Durchfall nach drei Tagen nicht deutlich besser oder abgeklungen ist, sollte der Arzt an einer Stuhlprobe den Erreger nachweisen – schwere bakterielle Infektionen, zum Beispiel mit Salmonellen, Shigellen oder Staphylokokken, müssen mit Antibiotika behandelt werden.

Harnwegsinfekte und Blasenentzündung

Bei einer Blasenentzündung sind meist Bakterien – zum Beispiel aus dem Darm – durch die Harnröhre in die Blase gelangt. Häufiges und schmerzhaftes Wasserlassen ist die Folge. Wenn die Beschwerden länger als zwei Tage anhalten, Fieber oder starke Schmerzen auftreten, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Schwangere und Kinder mit Blasenentzündung sollten grundsätzlich zum Arzt gehen.

Bakterielle Infektionen von Haut und Wunden

Bakterielle Infektionen der Haut – der Barriere zwischen Mensch und Umwelt – sind häufig. Je nach Schweregrad kann eine örtliche Therapie mit Umschlägen und Salben ausreichen oder eine Therapie mit Tabletten oder Infusionen nötig sein. Bei der Wundrose (Erysipel) zum Beispiel, bei der Bakterien über kleine Hautverletzungen in den Körper eindringen und eine Entzündung der Haut und der Lymphgefäße verursachen, sind Arztbesuch und Antibiotika unumgänglich, denn unbehandelt kann die Erkrankung tödlich sein.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 29.05.2015
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Handbuch Medikamente, Stiftung Warentest, 2001
  • Infektionskrankheiten - verstehen, erkennen, behandeln. Thieme, 2004