Medikamente richtig entsorgen

Wohin mit alten Arzneimitteln? In den Abfluss oder die Toilette gehören sie nicht. Und längst nicht mehr jede Apotheke nimmt abgelaufene Medikamente zurück. Doch es gibt eine ganze Reihe anderer Entsorgungsmöglichkeiten.

Packungen verschiedener Medikamente Richtige Entsorgung © obx-medizindirekt
Zirka 3.000 verschiedene Substanzen werden in der EU allein in der Humanmedizin eingesetzt, weitere veterinärmedizinisch verwendet. Jede fünfte Tablette landet nach Schätzungen von Experten auf dem Müll. So haben sich unsachgemäß entsorgte Pillen, Tinkturen und Salben zu einem ernst zu nehmenden Umweltproblem entwickelt. Viel zu oft werden abgelaufene Medikamente über Toilette oder Ausguss entsorgt. Das Problem: Ein Großteil der Wirkstoffe kann in Kläranlagen nur langsam oder gar nicht abgebaut werden. Immer häufiger können deswegen in Flüssen, im Grundwasser und sogar im Trinkwasser Arzneimittelwirkstoffe nachgewiesen werden.

Auswirkung auf die Umwelt

Studien zeigen, dass beispielsweise männliche Fische verweiblichen, wenn sie hohen Östrogenkonzentrationen im Wasser ausgesetzt sind. Die weiblichen Hormone können unter anderem von Anti-Baby-Pillen stammen, gelangen jedoch hauptsächlich über den Urin in den Wasserkreislauf. Eine korrekte Entsorgung der Medikamente schafft hier also kaum Abhilfe. Das Beispiel zeigt aber, wie sich arzneiliche Wirkstoffe auf die Umwelt auswirken können. Welche generellen Folgen Arzneimittelrückstände im Wasser für den Menschen haben können, ist allerdings noch zu wenig erforscht und damit weitgehend ungeklärt. Daher sollte möglichst vermieden werden, dass medizinisch verwendete Substanzen in den Wasserkreislauf gelangen. Wie entsorgt man also den übrig gebliebenen Hustensaft oder das abgelaufene Antibiotikum richtig, wenn Spüle und Ausguss tabu sind?

Am besten in der Apotheke abgeben

Bis 2009 war die sprichwörtlich sauberste und einfachste Lösung, die Medikamente zur nächsten Apotheke zu bringen und die Entsorgung in fachmännische Hände zu übergeben. Aufgrund einer Änderung der Verpackungsverordnung kann es aber sein, dass einzelne Apotheken diesen Service aus Kostengründen nicht mehr anbieten. Ein kurzer Anruf genügt jedoch meistens, um zu erfahren, ob die jeweilige Apotheke alte Medikamente entgegennimmt.

Grundsätzlich können Medikamente auch in der grauen Restmülltonne entsorgt werden – solange eine haushaltsübliche Menge nicht überschritten wird. Denn seit der Hausmüll fast ausschließlich den Müllverbrennungsanlagen zugeführt wird, werden die arzneilichen Wirkstoffe auf diesem Weg zerstört, sodass sie keine Auswirkungen mehr auf die Umwelt haben. Allerdings wird auch Hausmüll nicht immer verbrannt, sondern landet manchmal auf einer Mülldeponie. Von hier aus können die arzneilichen Wirkstoffe ebenfalls ins Grundwasser gelangen. Die jeweiligen Kreis- und Stadtverwaltungen informieren, ob der Inhalt der grauen Tonne verbrannt oder auf einer Deponie gelagert wird. Das Umweltbundesamt weist aber darauf hin, dass die Entsorgung von Arzneimittelresten nach wie vor am besten über ein Sammelsystem bei den Apothekern gewährleistet ist.

Denn bei der Entsorgung über die graue Tonne gibt es einiges zu beachten: Kinder können die weggeworfenen Tabletten beispielsweise leicht für bunte Bonbons halten und in den Mund stecken. Jährlich kommt es bei schätzungsweise 140.000 bis 160.000 Kleinkindern in Deutschland zu einer Vergiftung durch Arzneimittel. Um dieses Risiko zu minimieren, ist es ratsam, Arzneimittel, wenn sie denn schon über den Hausmüll entsorgt werden, mit dem restlichen Müll gut zu vermischen, damit sie nicht so leicht gefunden werden können.

Übriggebliebene Tabletten sollten außerdem nicht aus der Blisterverpackung gedrückt, sondern samt Verpackung weggeworfen werden. Auch durch Einschlagen in Papier können Arzneimittel „getarnt“ werden. Spritzen und Kanülen sollten dagegen immer in stichfesten Gefäßen gesammelt werden, bevor sie in den Hausmüll kommen. Absolut tabu ist dagegen die Entsorgung von alten, quecksilberhaltigen Fieberthermometern mit dem Hausmüll, da das hochgiftige Quecksilber bei der Müllverbrennung in die Umwelt gelangen würde.

Der „Grüne Punkt“, der sich auf Verpackungen befindet, bezieht sich bei Arzneimitteln im Übrigen nur auf die Verpackung und nicht auf den Inhalt. Papierverpackungen können natürlich problemlos in Papiertonnen oder -containern und Kunststoffverpackungen in den gelben Tonnen oder in den dafür vorgesehenen Säcken entsorgt werden.

Kommunale Lösungen

Neben der grauen Tonne gibt es auf kommunaler Ebene teilweise weitere Möglichkeiten zur Entsorgung: Die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) bieten beispielsweise die sogenannte Medi-Tonne an. In dieser Tonne können neben alten Medikamenten auch Hausabfälle entsorgt werden. Eine Gewerbe- oder Hausmülltonne wird dabei überflüssig. Die Inhalte der Medi-Tonne werden nach der Abholung ordnungsgemäß in einem Müllheizkraftwerk verbrannt. Die Abgabe alter Medikamente bei Schadstoffmobilen oder speziellen Sammelstellen ist ebenfalls möglich. Der örtliche Entsorger kann Auskunft darüber geben, wo entsprechende Sammelstellen zu finden sind.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 28.05.2015
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Christian Grundmann, Dipl.-Biol., Medizinredakteur; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: obx-medizindirekt; Presse-Info: Wohin mit dem Müll aus der Hausapotheke? 24.09.2010
  • Hinck JE, Blazer VS, Schmitt CJ et al; Widespread occurrence of intersex in black basses (Micropterus spp.) from U.S. rivers, 1995-2004 Aquat Toxicol.; 2009 Oct 19;95(1):60-70. Epub 2009 Aug 13
  • Frankfurter Allgemeine, FAZ.NET; Ingrid Karb; Bedenkliche Reste aus dem Medikamentenschrank; 11.01.2010; http://www.faz.net/s/Rub5785324EF29440359B02AF69CB1BB8CC/Doc~EDD53FB8CDAE445D896F0E1FAF072802B~ATpl~Ecommon~Scontent.html
  • Fent et al., 2006 ► K. Fent, A. A. Weston, and D. Caminada: Ecotoxicology of human pharmaceuticals. Aquatic Toxicology 76, 122–159 (Abrufdatum: 03.07.2012)