Vorteile und Nachteile

Adjuvantien erhöhen also die Wirksamkeit einer Impfung. Dadurch lässt sich ein gewisses Maß an Impfstoff pro Dosis einsparen – bei gleichbleibender Wirksamkeit. Der Impfstoff wird sozusagen „gestreckt“. Somit können mit der gleichen Antigenmenge mehr Impfdosen hergestellt werden. Ein Vorteil, wenn angesichts einer drohenden Pandemie viele Impfdosen schnell bereitgestellt werden müssen.

© Wikipedia CC, Attribution Share alike 2.0, Urheber: ObliMakrophagen (Bildmitte) sind wichtige Zellen des Immunsystems. Sie dienen der Aufnahme und Zerstörung körperfremder Stoffe. Adjuvantien wie MF59 stimulieren die Aktivität der, auch als Fresszellen bezeichneten, Makrophagen.
Darüber hinaus gibt es Anhaltspunkte dafür, dass Wirkverstärker eine sogenannte Kreuzimmunität ermöglichen. Das bedeutet: Der Geimpfte erhält nicht nur einen Schutz gegen das Virus, gegen das der Impfstoff hergestellt wurde, sondern auch gegen ähnliche Varianten des Erregers. Solche Varianten entstehen durch genetische Mutationen. Bei Influenzaviren treten solche Veränderungen ständig auf. Studienergebnisse weisen darauf hin, dass auch der Wirkverstärker AS03, wie er in Pandemrix® verwendet wird, zu einer derartigen Kreuzimmunität beitragen kann.6 Dieser Effekt wurde bei Impfungen gegen das H5N1-Influenzavirus (Vogelgrippe) beobachtet.
„Daten zur neuen Influenza A/H1N1 [Schweinegrippe] liegen hierzu noch nicht vor, da sich dieses Virus bislang noch wenig verändert hat. Änderungen sind aber wie bei anderen Influenza-A-Viren durchaus möglich“, erklärt Prof. Dr. Thomas Löscher von der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Doch die Hilfsstoffe haben auch einen Nachteil: Eine Studie aus dem Jahr 20077 zeigte, dass bei adjuvantierten Grippeimpfstoffen durchweg mehr Nebenwirkungen auftraten als bei Impfstoffen ohne Wirkverstärker. Der „Weckruf“ der Wirkverstärker steigert nämlich sowohl die gewünschte Immunantwort als auch die unerwünschten Nebenwirkungen. Ausgeprägte Abwehrreaktionen, wie Fieber nach einer Impfung, weisen auf die besondere Reizung des Immunsystems durch die Adjuvantien hin. Wie stark die Nebenwirkungen ausfallen, kann von Person zu Person sehr unterschiedlich sein.
Nach Informationen der Europäischen Arzneimittelagentur (EMEA)8 sind auf der Packungsbeilage von Pandemrix®, das für die deutsche Bevölkerung vorgesehen ist, folgende Nebenwirkungen gelistet:
Sehr häufig:
• Kopfschmerzen
• Müdigkeit
• Schmerzen, Rötung, Schwellung oder Verhärtung an der Injektionsstelle
• Fieber
• Muskel- und Gelenkschmerzen

Häufig:
• Wärme, Juckreiz oder Blutergüsse an der Injektionsstelle
• Verstärktes Schwitzen, Schüttelfrost, grippeähnliche Symptome
• Lymphknotenschwellung an Nacken, Achsel oder Leiste

Gelegentlich:
• Kribbeln und Taubheit an Händen und Füßen
• Schläfrigkeit
• Schwindel
• Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen, Übelkeit
• Juckreiz, Hautausschlag
• Generelles Unwohlsein
• Schlaflosigkeit
Im selben Dokument werden die Häufigkeiten folgendermaßen definiert8:

Sehr häufig (betrifft mehr als 1 von 10 Geimpften)
Häufig (betrifft 1 bis 10 von 100 Geimpften)
Gelegentlich (betrifft 1 bis 10 von 1.000 Geimpften)
Selten (betrifft 1 bis 10 von 10.000 Geimpften)
Sehr selten (betrifft weniger als 1 von 10.000 Geimpften)
© iStockImpfungen können mit Nebenwirkungen verbunden sein. Neben Schmerzen, Rötung, Schwellung oder Verhärtung an der Injektionsstelle, gehören laut der Europäischen Arzneimittelagentur auch Kopfschmerzen oder Fieber zu den sehr häufigen Nebenwirkungen bei Pandemrix ® („Sehr häufig“ bedeutet, dass mehr als einer von zehn Geimpften betroffen sein kann).
Es sei jedoch nochmals darauf hingewiesen, dass alle Grippeimpfstoffe – auch solche ohne Adjuvantien – zu ähnlichen Nebenwirkungen führen können. Eine „Zunahme der Nebenwirkungen bei Grippeimpfstoffen mit Adjuvantien“ heißt also nur, es kommt bei diesen Impfstoffen – statistisch gesehen – etwas häufiger zu Nebenwirkungen. Und die auftretenden Nebenwirkungen können etwas schwerer sein. Es bedeutet nicht, dass ein Impfstoff ohne Adjuvantien, wie zum Beispiel Celvapan®, keine Nebenwirkungen hervorruft. Bei drohenden schweren Erkrankungen nimmt man gewisse Nebenwirkungen, die zudem nicht bei jedem Geimpften auftreten, wie zum Beispiel Entzündungen oder leichte Fieberschübe, in Kauf.
Wenn die Impfung vor bleibenden Schäden (Polio, Tetanus) oder dem Tod (Pest, Pocken) schützt, liegt es auf der Hand, dass die Impfung sinnvoll, ja notwendig ist.
Im Falle der Schweinegrippe ist umstritten, wie gefährlich sie wirklich ist; auch wegen des bisher milden Verlaufs. Die Nutzen-Risiko-Abwägung fällt deswegen nicht bei allen Experten zu Gunsten der Impfung aus.
Kritische Stimmen geben überdies zu bedenken, dass besonders seltene Nebenwirkungen in den bisherigen Studien womöglich im Verborgenen geblieben sind. Da der Impfstoff neu entwickelt werden musste und gleichzeitig schnell verfügbar sein sollte, erklärt das Robert Koch Institut, „dass die neuen Impfstoffe gegen Influenza A (H1N1) [noch] nicht an großen Kollektiven getestet sein können“.9 Im Gegensatz zu Europa werden in den USA im Übrigen nur Impfstoffe gegen die Schweinegrippe ohne Adjuvantien verwendet.

23.10.09
  • Autor/in: vitanet.de
  • Quellen: 6 Leroux-Roels I, Roman F, Forgus S et al (2009), Priming with AS03(A)-adjuvanted H5N1 influenza vaccine improves the kinetics, magnitude and durability of the immune response after a heterologous booster vaccination: An open non-randomised extension of a double-blind randomised primary study. Vaccine 13. Oktober 2009
  • 7 Leroux-Roels I et al (2007), Antigen sparing and cross-reactive immunity with an adjuvanted rH5N1 prototype pandemic influenza vaccine: a randomised controlled trial. Lancet; 18. August 2007; 370(9587):580-9
  • 8 Nach Informationen vom 29. September 2009 auf dem Internetauftritt der Europäischen Arzneimittelagentur (EMEA) zur Packungsbeilage von Pandemrix®:http://www.emea.europa.eu/humandocs/PDFs/EPAR/pandemrix/D-H1N1 single PDFs/PackageLeaflet/emea-pl-h832pu17de.pdf
  • 9 ROBERT KOCH INSTITUT; Epidemiologisches Bulletin; 12. Oktober 2009 / Nr. 41
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