Schweinegrippe-Impfstoff:

Umstrittene Helfer

Bei der Diskussion um die Impfung gegen die Schweinegrippe geht es mittlerweile vor allem um die Adjuvantien. Das sind Substanzen, die die Wirkung von Medikamenten verstärken sollen. In vielen Fällen haben sie aber auch vermehrte Nebenwirkungen zur Folge. Ohne Adjuvantien hätten nicht rechtzeitig genug Impfdosen für die Bevölkerung hergestellt werden können, argumentieren Befürworter. Kritiker bemängeln, dass die eingesetzten Wirkverstärker bisher nicht ausreichend getestet wurden.

© cdcH1N1-Viren (elektronenmikroskopische Aufnahme)
In Europa hat die Europäische Arzneimittelagentur (EMEA) bisher drei Impfstoffe gegen die Schweinegrippe (Neue Influenza A/H1N1) zugelassen: Pandemrix®1 (Arzneimittelhersteller: GlaxoSmithKline), Focetria®2 (Novartis Behring) und Celvapan®3 (Baxter). Ein vierter Impfstoff, der nach einem anderen Prinzip hergestellt wird, wartet derzeit auf seine Zulassung.4
Die drei zugelassenen Impfstoffe unterscheiden sich unter anderem dadurch, dass ihnen Adjuvantien zugesetzt sind oder nicht. Pandemrix® und Focetria® sind mit solchen Wirkverstärkern ausgestattet, Celvapan® nicht. Je näher die ersten Impfungen in Deutschland heranrücken, desto heftiger diskutieren Mediziner und die Öffentlichkeit, ob die Adjuvantien nötig und sicher sind oder nicht.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt

© shutterstockEine Impfung soll den Organismus dazu anregen, spezifische Antikörper (im Bild gelb, schematisiert dargestellt) gegen die injizierten Antigene der Erreger zu bilden.
Die Bezeichnung Adjuvans leitet sich vom lateinischen Begriff „adiuvare“ (helfen oder unterstützen) ab. Im Idealfall haben die Wirkverstärker allein keinen Effekt auf den Organismus, sondern nur im Zusammenspiel mit dem verwendeten Arzneimittel. Bei Impfungen werden Adjuvantien häufig und bereits seit vielen Jahrzehnten eingesetzt.
Ziel der Impfung selbst ist es, den Körper gegen bestimmte Erreger unempfindlich (immun) zu machen. Dazu wird dem Organismus (bei einer aktiven Impfung) ein Impfstoff zugeführt, der entweder abgetötete oder inaktivierte Erreger der Krankheit enthält, gegen die geimpft werden soll. In bestimmten Impfstoffen sind auch nur Teile von abgetöteten Erregern enthalten; die Impfseren beispielsweise gegen Tetanus und Diphtherie enthalten sogar lediglich Bestandteile der Gifte, die von den krankheitserregenden Bakterien produziert werden.
Nach der Injektion des Impfstoffes bildet der Organismus Antikörper, die die Fremdstoffe (Antigene) erkennen und binden können. Diese Reaktion des Körpers auf zugeführte Fremdstoffe wird auch als primäre Immunantwort bezeichnet. Sie ist der erste Schritt, um zukünftig entsprechende Erreger schnell und effektiv bekämpfen zu können. Der Körper ist dann gegen das Virus oder Bakterium „immun“.
Vereinfacht kann man die Immunantwort mit einem Türsteher vergleichen, der sich das Gesicht eines unerwünschten Gastes einprägt. Die Person wird auch in Zukunft keinen Zutritt erhalten. Es gilt das Motto: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.
  • Autor/in: vitanet.de
  • Quellen: 1 Pandemrix, Pandemischer Influenza-Impfstoff (Spaltvirus, inaktiviert, adjuvantiert) A/California/7/2009 (H1N1), Dok.-Ref.: EMEA/540835/2009; EMEA/H/C/832
  • 2 Focetria, Pandemischer Influenza-Impfstoff (Oberflächenantigen, inaktiviert, adjuvantiert) A/California/7/2009 (H1N1), Dok.-Ref.: EMEA/540901/2009; EMEA/H/C/710
  • 3 Celvapan, Pandemischer Influenza-Impfstoff (Ganzvirus, aus Vero-Zellen, inaktiviert) A/California/7/2009 (H1N1), Dok.-Ref.: EMEA/540117/2009 EMEA/H/C/982
  • 4 H1N1: Fehleinschätzungen, Haftungsfreistellung und viel Geld. arznei-telegramm 2009; 40:85
  • 5 Martina Weßling, ImpfDialog (2/2009), S. 44-46

Weckruf für das Immunsystem

Die Aufgabe der Adjuvantien ist es nun, die Impfreaktion zu verstärken. Ob Adjuvantien angewendet werden, hängt auch von der Art des Impfstoffes ab. Besonders, wenn nur Teile der Erreger verabreicht wurden, ist die Reaktion des Körpers oft zu schwach – er braucht einen zusätzlichen „Weckruf“.
Der Impfstoff Celvapan® beispielweise enthält komplette, aber inaktivierte Viren. Die Erreger lösen keine Erkrankung aus, der Organismus kann aber Antikörper gegen die Viren bilden.
Celvapan® kommt wie die meisten Ganzvirus-Impfstoffe ohne Wirkverstärker aus. Denn diese generieren eine Immunantwort, die zu einer ausreichenden Konzentration von Antikörpern im Blut führt.
Anders ist es bei den Impfstoffen Pandemrix® und Focetria®, die nur Teile der Viren enthalten, gegen die die Immunisierung erfolgen soll. Sie generieren generell eine schwächere Immunantwort. Hier werden daher Adjuvantien als Wirkverstärker eingesetzt.
Diese Verstärkung kann auf sehr unterschiedliche Art und Weise erfolgen. Bestimmte Adjuvantien dienen dazu, mit den wasserlöslichen Impfstoffen bereits in der Spritze ein Wasser-Öl-Gemisch (Emulsion) zu bilden. Solche Emulsionen werden nur langsam vom Injektionsort fortgeschwemmt. Die Antigene des Impfstoffes werden so kontinuierlich und langsamer in den Körper abgegeben; es entsteht ein Impfstoff-Depot. Dadurch hat das Immunsystem länger Zeit, sich mit den injizierten Antigenen „auseinanderzusetzen“. Ein häufiger Bestandteil derartiger Emulsionen ist Squalen, ein Stoff, der aus der Haifischleber gewonnen wird, aber auch im menschlichen Stoffwechsel vorkommt. Viele Adjuvantien enthalten auch Polysorbat. Die Substanz wird auch als Emulgator in Lebensmitteln verwendet. AS03, das Adjuvans des Schweinegrippe-Impfstoffes Pandemrix®, der für die deutsche Bevölkerung vorgesehen ist, enthält beide Substanzen. Im Fall von Pandemrix® werden Adjuvantien und Impfserum in zwei separaten Fläschchen geliefert. Der behandelnde Arzt muss die beiden Flüssigkeiten kurz vor der Impfung vermischen. So entsteht die Öl-Wasser-Emulsion, die schließlich injiziert wird.
Auch der Wirkverstärker MF59, wie er im Impfstoff Focetria® verwendet wird, enthält Squalen. Er fördert die Aufnahme der Antigene des Impfstoffes durch die Makrophagen (Fresszellen) im Körper5 und beschleunigt dadurch die körpereigene Herstellung von Antikörpern gegen die geimpften Fremdstoffe.
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