Videotherapie für Schlaganfallpatienten

Sorgt eine neue Videotherapie bald für bessere Erholung nach einem Schlaganfall? Erste Studienergebnisse deuten darauf hin. Sogenannte Spiegelneurone könnten der Schlüssel zu einer effektiveren Rehabilitation sein. Prof. Christian Dettmers erklärt die vielversprechende Methode.

© Prof. Christian DettmersSchlaganfall-Patientin bei einer Übung zur Feinmotorik
Die Frau im orangen T-Shirt steht vor einem leeren Regal. Schrittweise legt sie ihre Hand von einem Fach in das nächste. Nach einer knappen Minute ist das Übungsvideo zu Ende. Der Patient vor dem Bildschirm wird aufgefordert, die eben gesehene Übung drei Minuten lang nachzuahmen. Für Menschen, deren Arm aufgrund eines Schlaganfalls gelähmt ist, keine leichte Aufgabe.

Doch deutsche Wissenschaftler erhoffen sich genau durch diese Kombination von Beobachten und Nachahmen, die Rehabilitation nach einem Schlaganfall zu verbessern und zu beschleunigen.
Bei diesen Lernprozessen spielen sogenannte Spiegelneurone eine wichtige Rolle.

Diese Nervenzellen sind schon im frühesten Kindesalter aktiv:
Wenn Babys das Lachen ihrer Eltern erwidern, laufen in ihrem Gehirn komplexe Vorgänge ab. Mimik und Gestik des Gegenübers werden kopiert. Auch in den folgenden Jahren schauen sich Kinder immer wieder Verhaltensweisen und Bewegungsabläufe bei ihren Eltern ab.Die Videotherapie aktiviert durch die visuelle Stimulierung bestimmte Gehirnareale. So kann sie Schlaganfallpatienten mit Lähmungen dabei helfen, die gestörten Bewegungsabläufe wieder zu erlernen. Die Spiegelneurone spielen bei diesem Prozess eine zentrale Rolle. Das sind erste Ergebnisse einer aktuellen Studie, die Forscher aus Konstanz, Freiburg und Magdeburg auf der Jahrestagung der Europäischen Neurologengesellschaft in Mailand präsentierten. Das im November 2007 gestartete Forschungsprojekt hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Anfang 2010 werden die Endergebnisse erwartet.
© Prof. Christian DettmersProf. Dr. med. Christian Dettmers
Vitanet.de hat beim Ärztlichen Leiter Neurorehabilitation der Schmieder-Kliniken Konstanz, Prof. Dr. med. Christian Dettmers, nachgefragt:

Vitanet.de: Worauf zielt das neue Verfahren?

Prof. Dettmers: Mit dem neuen Verfahren testen wir, ob damit Schlaganfallpatienten mit Lähmungen beim Wiedererlernen motorischer Fähigkeiten unterstützt werden können. Mit visuellen Anreizen werden dabei bestimmte Gehirnzentren angesprochen.

Wie sind Sie darauf gekommen?

Forscher haben schon vor Jahren herausgefunden, dass ein Baby die Mimik seines Gegenübers kopiert – wie ein Spiegel. Es erkennt also Bewegungsmuster und ahmt diese reflexartig nach. Bekannt ist auch, dass sich Kinder Verhaltensmuster der Erwachsenen anschauen und diese übernehmen. Warum soll das mit Erwachsenen nicht gehen?  Prof. Dr. med. Christian Dettmers ist ärztlicher Leiter der Neurorehabilitation der Kliniken Schmieder in Konstanz.

Wie läuft eine Behandlung ab?


Schlaganfallpatienten erhalten ein Video mit Übungen, die individuell auf ihre Lähmungen abgestimmt sind. Diese Übungen müssen sie zu Hause ansehen und täglich sechs Wochen lang durchführen. Dabei müssen sie, auch zur eigenen Kontrolle, ein Tagebuch führen.

Wie sehen die Zwischenergebnisse der Studie aus?

Die ersten Ergebnisse der aktuellen deutschen Studie, an der jeweils acht rechtsseitig und acht linksseitig gelähmte Schlaganfallpatienten teilnahmen, zeigten, dass der Nachahm-Effekt darüber hinausgeht: Denn die Aktivierung erfolgte symmetrisch beidseitig, die betroffene Körperhälfte wurde genauso stimuliert wie die nicht betroffene. Unsere Ergebnisse sprechen jedenfalls für den Einsatz der Videotherapie in der Schlaganfall-Rehabilitation.
  • Autor/in: vitanet.de-cg
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