Mit kleinen Kindern unbeschwert reisen

Ab wann kann man mit kleinen Kindern verreisen? Was müssen Eltern bei der Reisevorbereitung beachten? Und wie schützt man Kinder vor den im Urlaub am häufigsten vorkommenden Krankheiten? Antworten darauf gaben Experten in München.

Familie im Urlaub © iStock
(München – 29.05.2018) In München trafen sich international renommierte Experten auf einem Symposium zugunsten der Stiftung Kindergesundheit. Die wichtigste Empfehlung der Teilnehmer lautete: Reisen mit Kindern müssen weit im Voraus geplant und Impfungen frühzeitig vervollständigt werden.

Reisefähigkeit von Kindern

Grundsätzlich gilt: Für die Reisefähigkeit von Kindern gibt es kein „zu jung“. „Voraussetzung ist jedoch eine frühzeitige und gründliche Urlaubsplanung“, sagt Kinder- und Jugendärztin Dr. Brigitte Dietz vom Landesverband Bayern des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte BVKJ. Reisen innerhalb Europas sind auch für Babys problemlos möglich. Bei Fernreisen müssen jedoch bei der Planung die Bedingungen vor Ort bedacht werden. „Bei Reisen in ferne Kontinente sollte immer weit vor Beginn der Reise – spätestens drei bis vier Monate vorher – eine fachspezifische Beratung bei einer in Reisemedizin erfahrenen Kinderärztin oder Kinderarzt oder einem tropenmedizinischen Institut in Anspruch genommen werden, da es länderspezifische Besonderheiten gibt, die sich jährlich ändern können“, so Dr. Dietz.

Ich packe in meine Reiseapotheke...

In die Reiseapotheke für Kinder gehören selbstverständlich Medikamente, die das Kind auch zuhause einnehmen muss. Außerdem Mittel gegen Fieber, Durchfall und Mücken, Juckreiz stillende Gele, Sonnenschutzmittel mit einem hohen Lichtschutzfaktor, ausreichende Menge von Windeln und Nasentropfen. Nasentropfen helfen bei Ohrenproblemen, die bei kleineren Kindern auf Reisen – besonders bei Flugreisen – häufig auftreten.

Tipps für Flugreisen mit Kindern

Flugreisen werden immer beliebter. Allerdings können sie Kinder – durch Platzmangel, Lärm und Ohrenschmerzen – stark belasten. Beispielsweise sollten Eltern gegen Ohrenschmerzen frühzeitig für Druckausgleich sorgen: mit Stillen, Schnuller oder Babyflasche. Außerdem sollte das Kind reichlich trinken. Denken Sie auch an regelmäßige Toilettengänge beziehungsweise Windelwechsel. Wählen Sie – wenn möglich – Flüge am Abend: Müde Kinder schlafen dann regelmäßig ein.

Impfschutz vor jeder Reise prüfen

„Impfungen sollten möglichst rechtzeitig geplant und durchgeführt werden, damit bei der Abreise ein ausreichender Impfschutz besteht“, rät Prof. Dr. Johannes Liese, Infektionsspezialist der Universitäts-Kinderklinik Würzburg und Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Kindergesundheit. Grundsätzlich benötigen Kinder die von der Ständigen Impfkommission STIKO empfohlenen Standardimpfungen: Gegen Diphtherie, Tetanus, Kinderlähmung, Hepatitis B, Keuchhusten, Haemophilus influenzae B, Windpocken, Masern, Mumps, Röteln und gegebenenfalls zusätzlich individuell empfohlene Reiseimpfungen. Der Impfschutz muss vor jeder neuen Reise überprüft und wenn nötig aufgefrischt werden.

„Kinder sollten nicht in der Sonne schlafen!“

Die größten Risiken für Kinder im Sommer und im Sommerurlaub sind: Sonnenbrand, Sonnenstich, Hitzekollaps und Hitzschlag. „Diese Probleme machen besonders Säuglingen und Kleinkindern zu schaffen, da sie eine geringe Körpermasse haben und ihre Temperaturregulation noch nicht ausgereift ist“, sagt Dr. Friederike Wippermann, Kinder- und Jugendärztin und Sportmedizinerin an der Technischen Universität München. Dagegen schützen eine Kopfbedeckung, viel Trinken und Schatten.

Wählerische Kinder beim Essen?

Keine Sorge, wenn Ihre Kinder im Urlaub beim Essen nichts Neues ausprobieren möchten. „Das ist ganz normal, denn kleine Kinder haben gewöhnlich eine deutliche Neophobie“, sagt Prof. Dr. Thomas Ellrott, Leiter des Instituts für Ernährungspsychologie der Universität Göttingen. Kinder bevorzugen ausschließlich das Essen, das sie schon kennen. Was dagegen hilft ist, wenn Eltern bereits zuhause typische Speisen des Reiseziels kochen oder in entsprechenden Restaurants essen.

Essen für reisende Babys

Zum Thema richtiges Essen für Babys auf Reisen gab Professor Dr. Berthold Koletzko, Stoffwechselspezialist der Universitätskinderklinik München und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit auf dem Symposium wichtige Tipps.  

Stillen in der Regel im Urlaub oder auf Reisen für Babys unproblematisch. Da es ihnen Vertrautheit und Sicherheit vermittelt. Wer sein Baby mit dem Fläschchen ernährt, muss mehr planen. Denn manchmal ist die gewohnte Babynahrung nicht am Urlaubsort erhältlich. Deshalb sollte die übliche Pulvermilch für mindestens einige Tage eingepackt werden. Außerhalb Westeuropas und in warmen Ländern muss das Leitungswasser zur Zubereitung zudem mindestens fünf Minuten abgekocht werden. Das gilt auch für abgepacktes stilles Wasser.  

Zubereitete Milch bietet einen Nährboden für Krankheitserreger. Deshalb muss Säuglingsnahrung immer frisch zubereitet, innerhalb von zwei Stunden gegessen und der Rest entsorgt werden. Das Gleiche gilt für Gläschenkost. Sie ist im Ausland oft anders zubereitet, in Landessprache beschriftet oder ein sehr teurer Luxusartikel. Es empfiehlt sich daher, für einige Tage Fertigbreie, Instant-Flocken oder Gemüsegläschen mitzunehmen.  

Beachten sollte man auch, dass – bei An- und Abreise – Verspätungen häufig sind. Nehmen Sie daher Reservemahlzeiten für Ihr Kind mit. Wenn Sie Babynahrung in Gläschen mitnehmen, achten Sie darauf, sie gut einzupacken oder weichen Sie auf Produkte in Kunststoffverpackung aus.

Urlaub in fernen Ländern

Nach Durchfall und Fieber sind die von Mücken übertragenen Infektionskrankheiten das größte Gesundheitsrisiko in den Tropen. „Für einen Urlaub in den Tropen ist der komplette Impfschutz eine unverzichtbare Basis. (…) Kinder sind durch Infektionskrankheiten viel gefährdeter als Erwachsene. Das Infektionsrisiko in Tropen und Subtropen ist deutlich erhöht und die Möglichkeiten der medizinischen Hilfe sind oft unzureichend“, sagt Professor Dr. Liese. Doch auch wenn Sie in nähere Gebiete reisen – wie in die Türkei, Süditalien, Ägypten oder Nordafrika – sollten Sie und Ihre Kinder geimpft sein. Durch verunreinigte Lebensmittel und Trinkwasser, kann man sich dort beispielsweise mit Hepatitis A infizieren.

So wird's ein schöner Urlaub!

Babys und kleine Kinder brauchen nicht unbedingt Erholung, Schulkinder schon eher. Ganz besonders wertvoll ist der gemeinsame Urlaub mit der Familie für die berufstätigen und gestressten Erwachsenen. Im Urlaub können sich die Eltern ganz – und ohne den sonstigen Leistungszwang – ihren Kindern und Partner widmen. Besonders wichtig ist, dass die Bedürfnisse der Eltern und der Kinder erfüllt werden. Das heißt: „Jeder darf einmal entscheiden, was gemacht wird – auch wenn die Eltern mal eine Kröte schlucken müssen.“, sagt Professor Dr. Johannes Bach von der Technischen Hochschule Nürnberg.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 29.05.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Stiftung Kindergesundheit vom 09.05.2018: Mit kleinen Kindern unbeschwert reisen.
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