Krankengeld und Urlaub – geht das?

Wer Krankengeld bezieht, muss nicht zwangsläufig zu Hause im Bett liegen. Sogar ein Urlaub ist möglich – dabei sollten Sie jedoch ein paar Dinge beachten.

Mann sitzt im Liegestuhl am Strand © iStock
(Berlin – 09.08.2017) Wenn ein gesetzlich versicherter Angestellter erkrankt, zahlt der Arbeitgeber das Gehalt bis zu sechs Wochen weiter. Wird der Mitarbeiter über diesen Zeitraum hinaus arbeitsunfähig krankgeschrieben, zahlt die Krankenkasse in der Regel ein sogenanntes Krankengeld. In dieser Situation an eine Urlaubsreise zu denken, scheint auf den ersten Blick ausgeschlossen – ist es jedoch nicht. Denn wer arbeitsunfähig ist, muss nicht zu Hause im Bett liegen bleiben. Betroffene sollten jedoch ein paar Regeln beachten, damit sie bei einer Auslandsreise ihre Leistungsansprüche nicht riskieren.

Auslandsreisen nur mit Zustimmung der Krankenkasse

Grundsätzlich gilt: Die gesetzlichen Krankenkassen müssen Krankengeld nur an Versicherte zahlen, die sich in Deutschland aufhalten. Versicherte, die eine Auslandsreise planen, während sie Krankengeld beziehen, benötigen vor Reiseantritt deshalb eine Genehmigung ihrer Krankenkasse. Nur wenn diese vorliegt, ist sichergestellt, dass ihr Anspruch auf Krankengeld auch während des Urlaubs im Ausland fortbesteht. Wichtiger Bestandteil des Antrags auf Genehmigung der Urlaubsreise ist die sogenannte Unbedenklichkeitserklärung des behandelnden Arztes. Dabei handelt es sich um ein positives Attest, in dem der Arzt bestätigt, dass die geplante Reise sich nach ärztlichem Ermessen positiv auf die Genesung seines Patienten auswirkt oder diese zumindest nicht hinauszögert.

„Gegen eine Reise, die dazu beitragen kann, dass der Versicherte schneller wieder gesund wird, ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Anders sieht es bei einer Reise aus, bei der das Risiko besteht, dass sich der Gesundheitszustand verschlimmern und die Arbeitsunfähigkeit verfestigen könnte. In diesem Fall muss auch eine bereits gebuchte Reise storniert werden“, sagt Heike Morris von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD).

Die Krankenkasse prüft mit Unterstützung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) im Einzelfall, ob sie den Urlaubsantrag genehmigt. Lehnt sie den Antrag ab, muss der Versicherte eine bereits organisierte oder gebuchte Reise stornieren.

Ohne Genehmigung besser keine Auslandsreise

Versicherte, die aus Angst vor der Ablehnung Ihres Urlaubsantrags ohne vorherige Genehmigung ihrer Krankenkasse ins Ausland reisen, riskieren viel: Erfährt die Kasse davon, zahlt sie für mindestens den Zeitraum des Auslandsaufenthalts kein Krankengeld – im schlimmsten Fall können fehlende Nachweise der Arbeitsunfähigkeit den weiteren Krankengeldanspruch und den Versicherungsschutz reduzieren oder sogar ganz entfallen lassen.

Urlaub in Deutschland ist immer möglich

Eine Inlandsreise können Versicherte auch ohne Genehmigung ihrer Krankenkasse antreten. Das entbindet sie allerdings nicht von ihrer gesetzlich verankerten Mitwirkungspflicht – dazu zählt, dass sie auch während des Urlaubs telefonisch und postalisch erreichbar sind: Damit wichtige Schreiben wie Einladungen des Medizinischen Dienstes rechtzeitig gesehen und fristgerecht beantwortet werden können, müssen die Versicherten dafür Sorge tragen, dass ihre Post regelmäßig von einer Person ihres Vertrauens durchgesehen wird. Bereits vereinbarte Untersuchungs- oder Behandlungstermine, die in die Urlaubszeit fallen, müssen Sie wahrnehmen.

Bei einem Urlaub innerhalb Deutschlands lassen sich diese Voraussetzungen in der Regel gut organisieren. Eine gesetzliche Genehmigungs- oder Meldepflicht gegenüber der Krankenkasse besteht deshalb nicht. Den Urlaub müssen Sie in diesem Fall lediglich mit dem behandelnden Arzt absprechen, da dieser die lückenlose Krankschreibung verantwortet und beurteilen kann, ob der Urlaub sich voraussichtlich positiv auf Ihren Heilungsprozess auswirken wird.

Den Arbeitgeber informieren?

Unabhängig davon, ob Sie eine Urlaubsreise ins Ausland oder innerhalb Deutschlands planen: Als Arbeitnehmer sind Sie nicht verpflichtet, Ihren Arbeitgeber über Ihre Urlaubspläne zu informieren. Wenn Sie dies aber tun und ihm aufzeigen, dass sich der Urlaub nach Einschätzung Ihres Arztes positiv auf Ihre Gesundheit auswirken kann, schaffen Sie eines: Vertrauen. So können Sie mit einem guten Gefühl verreisen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 09.08.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD): UPD berät zu Krankengeld und Urlaub