Reiseübelkeit bei Kindern

Viele Kinder leiden unter Reiseübelkeit – das kann die Vorfreude auf den Urlaub schon mal trüben. Wie Sie die Beschwerden lindern können.

Familie vor ihrem Auto © iStock
(Köln – 21.07.2017) Die Fahrt in den Urlaub verbinden viele mit Erinnerungen an Urlaubsvorfreude. Doch der ein oder andere hat dabei bestimmt auch unschöne Situationen mit Übelkeit auf langen Autofahrten im Kopf. Gerade bei Kindern ist Reiseübelkeit keine Seltenheit.

Warum Eltern nicht immer gleich zu Medikamenten greifen sollten

Viele Eltern schwören auf Medikamente, die die Übelkeit reduzieren. Vom unkritischen Einsatz vieler dieser Stoffe raten Kinder- und Jugendärzte allerdings dringend ab. „Gerade bei Kleinkindern kann es in seltenen Fällen zu gegenteiligen Wirkungen kommen. Die Medikamente lösen den Brechreiz erst aus. Auch hat es bei diesen Präparaten schon Überdosierungen mit tödlichem Verlauf gegeben. Eltern sollten also immer über alternative Möglichkeiten zur Vermeidung und Reduktion von Reiseübelkeit Bescheid wissen“, sagt Michael Achenbach vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

So entsteht die Reiseübelkeit

Reiseübelkeit entsteht, wenn die Signale des Gleichgewichtsorgans nicht mit den restlichen Sinneseindrücken übereinstimmen. Babys stört das noch nicht so sehr, da in diesem Alter die optischen Eindrücke noch nicht mit Bewegungserfahrungen gekoppelt sind. Ab dem Alter von zwei Jahren kann die Übelkeit Kinder dann aber umso heftiger erwischen. „Der Körper denkt, er steht still, das Gleichgewichtsorgan meldet hingegen Bewegung. Auf diesen Widerspruch reagiert der Körper mit Übelkeit – bei dem einen Menschen stärker, beim anderen schwächer“, erklärt der Experte.

Was Sie gegen Reiseübelkeit unternehmen können

„Wichtig ist jetzt, die unterschiedlichen Eindrücke besser abzugleichen, zum Beispiel indem das Kind auf der Mitte der Rückbank sitzt, damit es nach vorne sehen kann. Am besten ist es, den Blick auf einen festen Punkt in der Ferne zu richten“, so Achenbach. Aber auch eine sanfte, vorausschauende Fahrweise kann helfen, Übelkeit zu vermeiden.

Außerdem helfen eine leichte Mahlzeit vor Fahrtbeginn, Ablenkung, regelmäßige Pausen an der Frischluft und das Vermeiden widersprüchlicher Sinnesreize. „Wer sich spuckende Kinder auf der Rückbank ersparen will, sollte Tablet, Smartphone und Bücher bis zur Ankunft am Ferienort wegpacken. Beschäftigen Sie stattdessen die Ohren – zum Beispiel mit Geschichten oder Hörbüchern“, rät der Experte.

Auf keinen Fall darf das Kind bei laufender Fahrt abgeschnallt werden, wenn es über Übelkeit klagt. Sicherheit geht immer vor. „Fenster auf, den nächsten Parkplatz ansteuern und – für den schlimmsten Fall – eine Brechtüte parat haben“, sagt Achenbach. Rezeptfreie Medikamente gegen Reiseübelkeit sollten nur im Ausnahmefall und dann nur in kleinstmöglicher Dosis gegeben werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 21.07.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (www.kinderaerzte-im-netz.de): Reiseübelkeit bei Kinder – „Es müssen nicht immer Medikamente sein!“