Flug mit Herzproblemen

Flugreisen belasten das Herz-Kreislauf-System. Was Patienten, die einen Herzinfarkt hatten oder unter Herzschwäche leiden, beachten sollten.

Flugzeug am Himmel © Thinkstock
(Frankfurt am Main – 13.05.2016) Flugreisen führen – unter anderem aufgrund der veränderten Atmosphäre in der Druckkabine (niedrigerer Luftdruck, geringere Sauerstoffsättigung) – zu zusätzlichen Belastungen für das Herz-Kreislauf-System. Sollten Herzpatienten deshalb besser auf Flugreisen verzichten? „Herzpatienten dürfen in der Regel fliegen. Letztlich entscheidend für die Flugreise eines Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) oder Herzschwäche ist die Leistungsfähigkeit des Herzens. Um Komplikationen über den Wolken zu vermeiden, sollten Betroffene deshalb noch vor der Reiseplanung ihre Flugreisetauglichkeit vom Kardiologen bestimmen lassen“, erklärt der Herzspezialist Prof. Dr. Wolfgang Schöls vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Leiter des Herzzentrums Duisburg. So führt etwa der leichte Sauerstoffmangel eines Passagierjets auf Reiseflughöhe zum Anstieg von Herzfrequenz, Blutdruck und zu erhöhtem Sauerstoffverbrauch des Herzens. „Das können Betroffene mit KHK oder Herzschwäche nicht ohne weiteres kompensieren.“

Wann nach einem Herzinfarkt wieder ins Flugzeug steigen?

Nach einem Herzinfarkt hängt die Flugreisetauglichkeit unter anderem von der Infarktgröße ab. Kardiologen unterscheiden zwischen niedrigem, mittlerem und hohem Risiko. Bei niedrigem Risiko können Betroffene etwa fünf bis acht Tage nach einem kleinen Infarkt wieder fliegen. „Auf Langstreckenflüge sollte jedoch auch bei niedrigem Risiko verzichtet werden“, so Schöls. Niedriges Risiko bedeutet unter anderem: Alter unter 65, erster Herzinfarkt, erfolgreiche Gefäßwiedereröffnung, Auswurffraktion des Herzens über 45 Prozent und keine Komplikationen.

Flugreisen mit Herzschwäche

Betroffene mit Herzschwäche sollten vor Reiseantritt Ursache und Schweregrad der Herzschwäche bestimmen lassen. Bei chronisch stabiler Herzschwäche besteht volle Flugreisetauglichkeit – wissenschaftlich belegt sind jedoch nur Flüge bis sieben Stunden Reisedauer. „Jede Verschlechterung der Symptome wie Atemnot, Gewichtszunahme wegen Wassereinlagerung, Erschöpfung, Herzenge oder Rhythmusstörungen in den vergangenen vier Wochen macht fluguntauglich“, erklärt der Experte. „Nach akutem Linksherzversagen sollte bis zu sechs Wochen mit dem Fliegen gewartet werden.“  

Betroffene mit Herzschwäche sollten ihr Körpergewicht (Wassereinlagerungen) kennen und am besten einen Gangplatz nahe der Toilette buchen, da sie häufig Entwässerungsmittel (Diuretika) einnehmen und der Harndrang durch den leichten Sauerstoffmangel verstärkt wird.

Gefahr durch Venenthrombose

Ein Problem, das Kranke wie Gesunde betrifft, ist die Venenthrombose – sie kann bis zu acht Wochen nach einer Flugreise mit oder ohne Lungenembolie auftreten. Bei Flügen unter vier Stunden ist das Risiko gering. Bei einer Flugdauer von acht Stunden aber tritt eine Venenthrombose häufiger auf – bei einem von 200 Passagieren. Jeder Flugreisende sollte wissen, ob er ein erhöhtes Thromboserisiko hat. Risikofaktoren sind etwa ein Alter über 60 Jahren, Herzschwäche, starkes Übergewicht (BMI über 30). Wichtig zu wissen ist auch, wie eine Thrombose entsteht – zum Beispiel durch langes Sitzen und Abknicken der Venen in der Kniekehle –, um sich mit einfachen Vorsichtsmaßnahmen zu schützen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 13.05.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung/Deutschen Stiftung für Herzforschung: Flugreisen nach Herzinfarkt oder mit Herzschwäche: Was müssen Betroffene beachten?
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