Welche Nachteile sehen Sie in der Entscheidung?

Tatsächliche Nachteile sehe ich nicht, sieht man einmal davon ab, dass eine verkürzte Darstellung der Entscheidung des Deutschen Bundestages vielleicht jetzt in der Bevölkerung zu der Meinung führen könnte, dass es so etwas wie einen „generellen Gen-Check“ bei Embryonen gibt. Den gibt es definitiv nicht. Man kann mit der PID tatsächlich nur nach bestimmten genetischen Erkrankungen suchen, die bekannt sind und deren Gene man auch tatsächlich untersuchen kann. Mehr ist nicht möglich.

Welche Schritte müssen Paare zunächst unternehmen, wenn sie eine PID durchführen lassen wollen?

Hier gibt es noch keine einheitliche Vorgehensweise: Zusammen mit Humangenetikern haben wir uns aber darauf geeinigt, dass ein Paar zunächst persönlich bei einem Humangenetiker vorstellig werden sollte. Dieser muss abklären, ob eine genetische Diagnostik überhaupt möglich ist und ob sich die Erkrankung tatsächlich in dem Rahmen bewegt, der vom Bundestag vorgegeben wurde. Erst danach kann ein Reproduktionsmediziner untersuchen, ob eine Umsetzung im Sinne einer PID tatsächlich möglich ist. Ist sie möglich, so muss die individuelle Situation des Paares einer Ethikkommission vorgetragen werden – zum Beispiel bei der Ärztekammer. Deren Entscheidung ist dann bindend.

Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit Anfragen bezüglich der PID gemacht?

In der Tat gibt es schon viele Anfragen und gelegentlich machen sich die Leute völlige Illusionen darüber, was man tun kann oder gar, dass die Methode einfach durchzuführen wäre. Dies lässt sich aber in Gesprächen sehr leicht ausräumen.

Kennen Sie Personen, für die die Entscheidung des Bundestags eine Erleichterung ist und die so bald wie möglich die PID durchführen lassen werden?

Ganz zweifellos fällt nun denjenigen Paaren ein großer Stein vom Herzen, die betroffen sind. Solche sind in der Vergangenheit bei uns schon vorstellig geworden und haben nun auf die Entscheidung des Bundestages gewartet. Soweit ich es aber übersehe, handelt es sich aus dem letzten dreiviertel Jahr um etwa fünf bis sechs Paare, die mit dem Gedanken an eine PID spielen und bei denen die entsprechenden Voraussetzungen gegeben sind. Und das sind tatsächlich nicht sehr viele, so wie es ja auch immer wieder von fachlicher Seite im Hinblick auf das Aufkommen der PID gesagt wurde.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.07.2011
  • Autor/in: vitanet.de-cg
  • Quellen: vitanet.de
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