PID ist legal – was nun?

Der Bundestag hat eine begrenzte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik verabschiedet. Was bedeutet das nun für die Praxis? Prof. Dr. Dr. Wolfgang Würfel vom Kinderwunsch Centrum München gibt exklusiv auf vitanet.de eine Einschätzung ab.

Präimplantationsdiagnostik: Laboranalyse © Shutterstock
Über Monate hinweg wurde in Deutschland diskutiert, wie die sogenannte Präimplantationsdiagnostik (PID), also der Gentest an Embryonen aus einer künstlichen Befruchtung, gesetzlich geregelt werden soll. Letztendlich lagen dem Bundestag drei verschiedene Gesetzentwürfe zur Abstimmung vor. Entschieden haben sich die Abgeordneten nach langer Debatte für eine liberale Lösung.

Was bedeutet die gesetzliche Regelung der Präimplantationsdiagnostik nun für die Praxis? Prof. Dr. Dr. Wolfgang Würfel vom Kinderwunsch Centrum in München beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema im Interview mit vitanet.de.

Wie ist die Präimplantationsdiagnostik nach der Entscheidung des Bundestags nun gesetzlich genau geregelt?

Prof. Dr. Dr. Würfel: Die PID ist nach der Entscheidung des Deutschen Bundestages nur dann gestattet, wenn bei einem oder beiden Partnern erhebliche genetische Veränderungen vorliegen, die mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Fehlgeburt oder Totgeburt führen beziehungsweise zu einer schwersten Behinderung des Kindes mit einer äußerst eingeschränkten Lebenserwartung.

Wie läuft die Diagnostik ganz konkret ab?

Im Rahmen einer Befruchtung außerhalb des Körpers wird abgewartet, bis die Embryonen sich im „Reagenzglas“ soweit differenziert haben, dass man zwischen dem Embryo einerseits und der späteren Plazenta andererseits unterscheiden kann. Von dieser späteren Plazenta werden dann einzelne Zellen entnommen, die untersucht werden. (Die spätere Plazenta besteht aus embryonalem und mütterlichem Gewebe, weswegen auch anhand dieser Zellen die Gene des Embryos analysiert werden können, Anm. d. Red.). Man nennt das Verfahren „Trophoektodermbiopsie“. Das Ergebnis der genetischen Untersuchung wird der Frau mitgeteilt. Sie muss dann entscheiden – nicht der Arzt! – ob der Embryo eingesetzt werden soll oder nicht. Es ist zu berücksichtigen, dass es bei der genetischen Diagnostik manchmal auch nur „unsichere Aussagen“ und nicht ganz eindeutige Befunde gibt.

Mit welchen Kosten ist die Untersuchung verbunden?

Bezüglich der Kosten kann man heute noch nichts Genaues sagen. Die genetische Untersuchung mit Entnahme der Zellen – abhängig von der Zahl der Embryonen, die untersucht werden – dürfte bei etwa 2.000 Euro liegen. Die privaten Versicherer haben bisher die sogenannte Polkörperdiagnostik, also die „kleine Variante der Präimplantationsdiagnostik“ gelegentlich und auf der Basis von Einzelfallentscheidungen übernommen. Bei den gesetzlichen Krankenkassen ist das nicht bekannt. Neben der genetischen Untersuchung fallen natürlich die Kosten für die künstliche Befruchtung an.

Gibt es eine Liste an Krankheiten, auf die hin untersucht wird?

Eine Liste von Krankheiten gibt es bewusst nicht, auch um bestimmte Krankheiten nicht zu „stigmatisieren“. Außerdem ist die Genetik in einem erheblichen Fluss, so dass nahezu täglich neue Gendefekte hinzukommen, die man diagnostizieren und bestimmten Krankheitsbildern zuordnen kann.

Welche Vorteile sehen Sie in der Entscheidung?

Die Entscheidung ist sicherlich eine große Hilfe für jene Paare, bei denen tatsächlich eine schwere erbliche Erkrankung vorliegt. Man muss sich aber bewusst sein, dass solche Situationen ausgesprochen selten sind. Hierbei geht es um Krankheitsbilder, die selbst den Reproduktionsmedizinern bislang kaum geläufig sind – weil sie eben so selten sind.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.07.2011
  • Autor/in: vitanet.de-cg
  • Quellen: vitanet.de
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