Mann und Frau – anders krank

Der DAK-Gesundheitsreport zeigt: Bei psychischen Erkrankungen, Krebs und Kreislauferkrankungen gibt es große Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Mann und Frau sind krank © Thinkstock
(Hamburg – 16.03.2016) Depressionen, Krebs, Herzinfarkt – bei diesen Krankheiten gibt es große Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Das wirkt sich auch auf den Krankenstand aus: Im Jahr 2015 fehlten Frauen häufiger im Job als ihre männlichen Kollegen. Der allgemeine Krankenstand erreichte im vergangenen Jahr den höchsten Wert seit 16 Jahren. Das sind zentrale Ergebnisse des neuen DAK-Gesundheitsreports.

Die aktuelle Studie untersuchte erstmals umfassend die Geschlechterunterschiede bei krankheitsbedingten Ausfalltagen und ihren Ursachen. Für die Analyse wertete die Krankenkasse DAK-Gesundheit den Krankenstand von rund 2,7 Millionen erwerbstätigen Versicherten aus. Außerdem wurden mehr als 5.000 Frauen und Männer im Alter von 18 und 65 Jahren durch das Forsa-Institut repräsentativ befragt und zahlreiche Experten eingebunden.

Krankenstand bei Frauen 14 Prozent höher

Der Krankenstand bei den Frauen lag im Jahr 2015 14 Prozent höher als bei den Männern. Darüber hinaus zeigt der Report, dass eine Krankschreibung bei Frauen im Durchschnitt zwar kürzer ausfiel, dafür aber häufiger vorkam. „Unser Report zeigt, dass der viel zitierte kleine Unterschied zwischen Frauen und Männern viel größer ist als gedacht“, sagt Herbert Rebscher, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. „Die Ergebnisse verdeutlichen sehr genau, wo die Einflussfaktoren beim Krankenstand liegen und wie hoch der jeweilige Anteil bei den Geschlechtern wirklich ist.“

Größter Geschlechterunterschied bei Krebs

Die Untersuchung der Erkrankungen zeigt, dass Männer in allen Altersgruppen sehr viel öfter wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Job fehlten als Frauen – hier hatten sie 65 Prozent mehr Fehltage. Zwischen 45 und 64 Jahren erkrankt fast jeder zehnte Mann an einer koronaren Herzerkrankung. Bei Verletzungen hatten Männer fast doppelt so viele Fehltage (48 Prozent mehr). Gründe sind zum einen die höhere Risikobereitschaft sowie andere Tätigkeiten im Beruf.

Frauen fehlten hingegen deutlich öfter aufgrund von psychischen Erkrankungen als Männer – hier waren es 67 Prozent mehr Fehltage. Vor allem von Depressionen waren sie weit häufiger betroffen. Frauen nahmen auch öfter Psychopharmaka ein: Jede Elfte bekam im vergangenen Jahr beispielweise eine Verordnung für Antidepressiva, aber nur jeder zwanzigste Mann.

Der größte Geschlechterunterschied beim Krankenstand zeigt sich laut Gesundheitsreport aber bei Krebserkrankungen: Aufgrund einer Krebsdiagnose hatten Frauen 74 Prozent mehr Fehltage als Männer. Insgesamt ist das Risiko, an Krebs zu erkranken, bei Frauen und Männern zwar gleich. Meist trifft eine solche Erkrankung Männer jedoch im höheren Alter – ab etwa 60 Jahren. Prostatakrebs ist bei ihnen am weitesten verbreitet. Bei Frauen tritt vor allem Brustkrebs auf – und das meist schon im Erwerbsleben.

Beruf nur bedingt relevant

Auch der Job hat einen Einfluss darauf, wie oft Frauen und Männer sich krankmelden. In vielen Branchen haben Frauen einen höheren Krankenstand – dazu gehören die öffentliche Verwaltung und das Gesundheitswesen. Nur in seltenen Fällen – beispielsweise im Gartenbau und bei den Naturwissenschaften – gab es im Jahr 2015 einen höheren Krankenstand bei Männern. Komplikationen in der Schwangerschaft erklären über alle Altersgruppen hinweg zwölf Prozent des Unterschiedes beim Krankenstand.

Frauen gehen öfter zum Arzt

Beim persönlichen Umgang mit Krankheit und Krankschreibung werden die Unterschiede besonders deutlich: Berufstätige Männer gingen im Schnitt 4,2 Mal im Jahr zum Arzt. Berufstätige Frauen waren durchschnittlich sieben Mal in den Praxen. Selbst bei einer Betrachtung ohne Vorsorgeuntersuchungen und schwangerschaftsbedingte Behandlungen wird deutlich, dass Frauen häufiger behandelt wurden.

Krankheitssymptome schränken Frauen stärker ein

Die Analyse zeigt auch, dass Frauen oft in Berufen arbeiten, in denen sie mit offensichtlichen Krankheitssymptomen – etwa einer starken Erkältung – nicht zur Arbeit gehen können. Zudem tragen Frauen immer noch einen großen Anteil bei der Betreuung kranker Kinder: Mehr als jede vierte Frau (27 Prozent) sagte, dass sie sich bei einer Erkrankung des Kindes selbst krank gemeldet habe, weil sie sich nicht anders zu helfen wusste. Bei den Männern waren es nur 17,5 Prozent.

Darüber hinaus gingen Frauen, wenn sie krank waren, häufig trotzdem zur Arbeit. 67 Prozent der Frauen gaben an, mindestens einmal im Jahr krank bei der Arbeit gewesen zu sein. Bei den Männern waren es 60 Prozent. Als Hauptgrund wurde von Frauen genannt, dass sie Kollegen nicht hängen lassen wollten (86 Prozent). Jede zweite Frau sagte, dass Kunden oder Patienten darunter leiden, wenn sie sich krank melden würde.

2015 – höchster Krankenstand seit 16 Jahren

Der Krankenstand im vergangenen Jahr war mit 4,1 Prozent der höchste seit 16 Jahren. „Es gibt immer wieder Grippewellen, die den Krankenstand nach oben treiben, wie im vergangenen Jahr“, erklärt Rebscher. „Doch unsere Analysen ergeben, dass steigende Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen sowie Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems Auslöser des kontinuierlichen Anstiegs sind.“

Auch die Zahl derer, die sich mindestens einmal im Jahr von einem Arzt krankschreiben ließ, stieg von 48,2 Prozent im Jahr 2014 auf 50,4 Prozent im vergangenen Jahr. Die meisten Ausfalltage gingen dabei auf das Konto der sogenannten Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen. Psychische Leiden nahmen – auf bereits hohem Niveau – erneut leicht zu.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.03.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der DAK-Gesundheit: DAK-Gesundheitsreport: Warum Frauen und Männer anders krank sind
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