Fettabsaugung wird Kassenleistung bei Lipödem im Stadium III

Für Frauen, die an einem Lipödem im Stadium III leiden, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen voraussichtlich ab Januar 2020 die Kosten für eine Fettabsaugung. Informationen zur Krankheit und dem Beschluss.

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(Berlin – 27.09.2019) Patientinnen, die an einem Lipödem im Stadium III leiden, können zukünftig unter bestimmten Bedingungen mit einer Liposuktion (Fettabsaugung) ambulant oder stationär zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) behandelt werden.

Liposuktion zunächst nur bis 2024 Kassenleistung

Die Liposuktion als Kassenleistung ist zunächst nur bis zum 31. Dezember 2024 befristet, da bis zu diesem Zeitpunkt die Ergebnisse einer Erprobungsstudie zur Liposuktion bei Lipödem erwartet werden. Sobald die Studienergebnisse vorliegen, wird der Gemeinsamen Bundesausschuss abschließend zur Methode für alle Stadien der Erkrankung entscheiden.

„Mit der Entscheidung setzen wir die Forderung des Bundesministers für Gesundheit nach Einschluss der Liposuktion um und schaffen eine Versorgungsmöglichkeit für Patientinnen mit Lipödem im Stadium III – notwendigerweise mit strengen Vorgaben zur Qualitätssicherung und zunächst befristet. Zugleich führen wir die Erprobungsstudie fort, die uns die zwingend nötigen Informationen für eine zuverlässige Abwägung von Nutzen und Schaden der Methode liefern soll, die wir für eine endgültige Beschlussfassung so dringend benötigen", sagt Dr. Monika Lelgemann, unparteiisches Mitglied und Vorsitzende des Unterausschusses Methodenbewertung des Gemeinsamen Bundesausschuss.

Symptome eines Lipödems

Das Lipödem ist eine krankhafte Fettvermehrungsstörung, die an Armen und Beinen auftreten kann und insbesondere im Stadium III zu starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führt. Die Krankheit tritt nahezu ausschließlich bei Frauen auf. Wie viele Frauen an einem Lipödem leiden, ist derzeit nicht bekannt.

Lipödem im Stadium III: Voraussetzung für eine Fettabsaugung

Für eine gesicherte Diagnose des Lipödems im Stadium III muss der behandelnde Arzt folgende Symptome feststellen: Die Patientin leidet an einer übermäßigen Fettgewebsvermehrung mit überhängenden Gewebeanteilen von Haut und Unterhaut und einem Druck- oder Berührungsschmerz im Weichteilgewebe der betroffenen Extremitäten, wobei Hände und Füße nicht betroffen sind. Vor einer Operation des Lipödems im Stadium III muss über einen Zeitraum von sechs Monaten eine konservative Therapie, zum Beispiel Lymphdrainage, Kompression oder Bewegungstherapie, kontinuierlich durchgeführt worden sein. Wenn trotz der konservativen Therapie keine Linderung der Beschwerden eintritt, kann der behandelnde Arzt eine Liposuktionsbehandlung verordnen.

Wo, wie oft und wie viel Fettgewebe abgesaugt wird

Vor dem ersten Eingriff muss eine Operationsplanung erfolgen und dokumentiert werden. Darin werden die zu behandelnden Körperteile der Patientin und die voraussichtliche Anzahl der Eingriffe festgelegt und wie viel Fettgewebe abgesaugt wird. Mehr als 3000 Milliliter reinen Fettgewebes pro Eingriff dürfen nur dann abgesaugt werden, wenn die postoperative Nachbeobachtung über mindestens zwölf Stunden sichergestellt ist. Berechtigt zur Indikationsstellung und Durchführung der Liposuktion zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung sind Fachärzte für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie sowie andere operativ tätige Fachärzte, wenn sie die im Beschluss genannten Anforderungen erfüllen.

Ab Januar 2020 in Kraft

Die Beschlüsse treten nach Nichtbeanstandung und Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft. Nun prüft das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) die Beschlüsse und für den ambulanten Bereich wird die Abrechnungsziffer der erbrachten Leistung im sogenannten Einheitlichen Bewertungsmaßstab festgelegt. Die Liposuktion als Kassenleistung wird voraussichtlich ab Januar 2020 erstmals Anwendung finden.

Studie zu Vor- und Nachteilen einer Liposuktion läuft weiter

Der Gemeinsamen Bundesausschuss hatte im Januar 2018 wegen der schlechten Studienlage zu den Vor- und Nachteilen einer Liposuktion beim Lipödem eine eigene Erprobungsstudie beschlossen. Für Frauen, die an einem Lipödem im Stadium I, II oder III leiden und die an der Studie teilnehmen möchten, wurde von den gesetzlichen Krankenkassen eine Website eingerichtet, unter der nähere Informationen zur Studienteilnahme bereitgestellt werden. Interessenbekundungen für eine Studienteilnahme sind ab dem 1. Oktober bis zum 31. Dezember 2019 möglich.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.09.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung des Gemeinsamen Bundesausschusses vom 19. September 2019: Methodenbewertung: Liposuktion wird befristet Kassenleistung bei Lipödem im Stadium III
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