KI und Roboter im Klinikalltag

Beim virtuellen Arzt einchecken, Roboter die Verbände wechseln und operieren. Wie denken die Deutschen darüber? Eine Studie. 

KI in der Medizin © iStock
(Leverkusen – 18.06.2019) Die Notaufnahmen laufen über, weil immer mehr Menschen außerhalb der Praxiszeiten in die Krankenhäuser strömen. Moderne Technologien auf Basis künstlicher Intelligenz (KI) könnten Abhilfe schaffen, zum Beispiel durch eine digitale Priorisierung der Notfälle oder eine alternative 24h-Online-Notfallzentrale. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung würde dies befürworten. Noch höher ist die Akzeptanz von Robotern bei administrativen Aufgaben, der Überwachung von Vitalwerten und der Medikamentenvergabe in Krankenhäusern. Insgesamt zeigen sich junge Altersgruppen unter 30 Jahren für technische Lösungen im Klinikalltag besonders aufgeschlossen. Dies sind Ergebnisse der repräsentativen Studie „Digitales Gesundheitssystem“, die im März 2019 im Auftrag der pronova BKK durchgeführt wurde. Insgesamt wurden 1000 Personen online befragt.
Studie pronova BKK © pronovaBKK

Klinikpersonal unter Druck

Nicht nur in den Notaufnahmen, auch in anderen Bereichen steht das Klinikpersonal unter großem Druck. Die Ansprüche an die Pflege steigen, Verwaltungsaufwand und Dokumentationspflichten nehmen zu. In der Folge kommt es häufiger zu Fehlern, bei den Mitarbeitern sinken Zufriedenheit und Motivation. Entlasten könnten Automationslösungen auf Basis künstlicher Intelligenz, wie sie im asiatischen Raum bereits seit einigen Jahren in der Praxis eingesetzt werden.  

„Robotertechnik und künstliche Intelligenz können den Klinikalltag künftig in vielen Bereichen erleichtern“, sagt Lutz Kaiser, Vorstand der pronova BKK. „Wie unsere Studie zeigt, wird der ergänzende Einsatz intelligenter Roboter sogar in der Notaufnahme von vielen befürwortet – vorausgesetzt, dass Risiken, zum Beispiel in Bezug auf Datenschutz, im Vorfeld bestmöglich eingedämmt werden.“

Mögliche Arbeitsfelder eines Roboters

36 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, eingehende Fälle in den Notaufnahmen der Kliniken künftig von Robotern nach Dringlichkeit vorselektieren zu lassen, zum Beispiel über ein Terminal mit „virtuellem Arzt“ im Anmeldebereich. Ein Drittel würde auch eine 24 Stunden erreichbare virtuelle Erstberatung nutzen, die man außerhalb von Praxiszeiten bei medizinischen Fragen konsultieren kann, zum Beispiel als Online-Anwendung.

Die Mehrheit der Studienteilnehmer – 55 Prozent – würde administrative Aufgaben an einen digitalen Helfer übertragen, zum Beispiel die Dokumentation abrechenbarer Leistungen für Krankenkassen oder die Vervollständigung und Aktualisierung der elektronischen Patientenakte. Vier von zehn Befragten würden die Zusammenstellung und Vergabe von Medikamenten in Roboterhand geben – wenn damit Fehler ausgeschlossen werden. Verbandswechsel und Wundversorgung würde ein Drittel der Patienten durch einen Roboter vornehmen lassen. 

Allerdings: Drei Viertel der Befragten lehnen komplett von Robotern durchgeführte Operationen ab, obwohl Robotertechnik inzwischen bei immer mehr chirurgischen Eingriffen zum Einsatz kommt. Die Überwachung von Vitalfunktionen während einer Operation durch einen Roboter würden allerdings 54 Prozent akzeptieren.

Junge Patienten besonders offen für digitale Angebote

Die Befragten zwischen 18 und 29 Jahren stehen dem Einsatz von Robotern im Gesundheitswesen besonders offen gegenüber. In nahezu allen abgefragten Tätigkeitsbereichen liegt der Anteil der Befürworter mindestens fünf Prozent über dem Durchschnitt. „Für junge Menschen gehören automatisierte Lösungen zum Alltag. Sie wachsen heute selbstverständlich mit Saugrobotern, Sprachassistenten, Chatbots und Co. auf und stehen diesen Technologien entsprechend unbefangen und positiv gegenüber“, sagt Lutz Kaiser.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.06.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der pronova BKK vom 05. Juni 2019: Studie: Mehr als ein Drittel der Bevölkerung offen für Roboter in der Notaufnahme
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