Impfen in Deutschland

Die gute Nachricht: Die Quote der Masernimpfungen in Deutschland steigt. Die schlechte Nachricht: Noch immer werden Kinder zu spät oder gar nicht geimpft.

Mädchen wird geimpft © iStock
(Berlin – 23.04.2018) Trotz schärferer Gesetze werden weiter zu wenige Kinder gegen Masern geimpft. Das zeigen die neuen Impfquoten für Schulanfänger, die das Robert Koch-Institut (RKI) anlässlich der Europäischen Impfwoche vorgelegt hat. Danach haben im Jahr 2016 zwar erstmals alle Bundesländer bei der ersten Masernimpfung die Impfquote von 95 Prozent erreicht. Bei der entscheidenden zweiten Masernimpfung ist die bundesweite Impfquote aber nur geringfügig – auf 92,9 Prozent – gestiegen.

Mehr Masernfälle im Jahr 2017

Im Jahr 2017 wurden insgesamt 929 Masernerkrankungen gemeldet – fast dreimal mehr als 2016 (325 Erkrankungen). In den ersten zwölf Wochen dieses Jahres wurden 92 Krankheitsfälle gemeldet. „Eine Infektion mit Masernviren ist keineswegs harmlos. Etwa ein Viertel der gemeldeten Fälle muss im Krankenhaus behandelt werden. Wir sehen im Durchschnitt drei bis sieben Todesfälle im Jahr aufgrund von Masern oder der Masernfolgeerkrankung SSPE", sagt Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts.

Häufig wird zu spät gegen Masern geimpft

Oft wird auch zu spät geimpft, wie die interaktive Online-Karte VacMap der KV-Impfsurveillance am Robert Koch-Institut veranschaulicht. Die Karte zeigt Masern-Impfquoten – unter anderem für das Alter von 15 und 24 Monaten. Das sind die Altersgruppen, in denen ein Kind die erste beziehungsweise zweite Impfung erhalten haben sollte. 24 Monate alte Kinder des Geburtsjahrgangs 2014 waren nur zu 73,9 Prozent zweimal geimpft – nur geringfügig mehr als der Jahrgang 2013.
Häufig, aber noch nicht oft genug, werden Impfungen bis zum Schulanfang nachgeholt. Neben den Masern-Impfquoten sind bei Schulanfängern auch die Impfquoten für Windpocken und Meningokokken leicht gestiegen. Alle anderen Impfquoten, beispielsweise für Diphtherie und Tetanus, sind dagegen geringfügig gesunken.

Verbesserte Einstellung zum Impfen in Deutschland

Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), sagt: "Trotz bestehender Impflücken in der Bevölkerung hat sich die Einstellung zum Impfen erkennbar gebessert. Lediglich fünf Prozent der befragten 16- bis 85-Jährigen haben eine (eher) ablehnende Haltung, wie die Ergebnisse der bundesweiten Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigen. Wir sind grundsätzlich auf einem guten Weg, allerdings ist eine konsequente und zielgerichtete Impfaufklärung weiterhin notwendig. Denn wer geimpft ist, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch die Gemeinschaft."

Regelungen für einen verbesserten Impfschutz

Seit Mitte 2015 gelten Regelungen zur Verbesserung des Impfschutzes. Sie sehen beispielsweise vor, dass alle Gesundheits-Routineuntersuchungen bei Kindern und Erwachsenen dazu genutzt werden, den Impfstatus zu überprüfen. Auch Betriebsärzte können Impfungen vornehmen. Ungeimpfte Kinder und Jugendliche können vorübergehend vom Besuch einer Kita oder Schule ausgeschlossen werden, um einen Krankheitsausbruch zu verhindern. Eltern müssen vor dem Kita-Eintritt ihres Kindes eine verpflichtende ärztliche Impfberatung nachweisen. Kitas müssen Familien, die die Impfberatung verweigern, dem Gesundheitsamt melden. Diese können in hartnäckigen Fällen auch Bußgelder verhängen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 23.04.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Anja Dolski
  • Quellen: Europäische Impfwoche 2018 - BM Spahn fordert bessere Zusammenarbeit bei der Masernimpfung: Gemeinsame Pressemitteilung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und des Robert Koch-Instituts (RKI).