Organspende: ja oder nein?

Viele Deutsche haben Bedenken, sich für die Organspende zu entscheiden – oft, weil sie zu wenig über den Hirntod und die Gehirnfunktionen wissen.

Grafik: Hände mit Herz darauf © iStock
(Frankfurt am Main – 30.05.2017) Hirntod – schon das Wort genügt, um bei vielen Menschen Ängste zu wecken. Viele halten diese Ängste auch davon ab, einer Organspende zuzustimmen.  „Nur wer gut informiert ist, kann bewusste Entscheidungen treffen“, sagt Dr. Eva Koch, Projektleiterin im Bereich Neurowissenschaften der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Der Hirntod sei dafür ein gutes Beispiel: „Wer weiß, wie ein Hirntod diagnostiziert wird und was im Gehirn geschieht, muss keine Angst mehr vor einer Organspende haben“, so die Medizinerin.

Befragung zeigt Unsicherheit beim Thema Organspende

Dass viele Menschen unsicher sind, wenn es darum geht, Organe zu spenden, zeigt die bundesweite Repräsentativbefragung „Einstellung, Wissen und Verhalten der Allgemeinbevölkerung zur Organ- und Gewebespende in Deutschland 2016“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: 27 Prozent der Befragten lehnen eine Organ- und Gewebespende ab, weil sie glauben, als Spender nicht geeignet zu sein, 20 Prozent äußern Angst und Unsicherheit gegenüber der Entnahme und 19 Prozent fehlt das Vertrauen in das Organspendesystem. Doch Angst, Unsicherheit und Unwissenheit können für Menschen, die auf ein neues Organ warten, tödlich sein: „Von den rund 10.000 Menschen, die 2016 in Deutschland auf der Warteliste für ein Spenderorgan standen, starben über 900 Menschen, bevor ihnen ein überlebensnotwendiges Organ transplantiert werden konnte“, sagt Dr. Koch. 

Viele Menschen fragen sich, ob jemand tot sein kann, wenn Atem, Herzschlag und andere Körperfunktionen dank Maschinen erhalten bleiben. Die Bundesärztekammer beantwortet dies in ihrer „Richtlinie zur Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls“ wie folgt: „Mit der Feststellung des endgültigen, nicht behebbaren Ausfalls der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms (irreversibler Hirnfunktionsausfall) ist naturwissenschaftlich-medizinisch der Tod des Menschen festgestellt.“ Der umgangssprachlich als „Hirntod“ bezeichnete unumkehrbare Ausfall aller Gehirnfunktionen gilt nach dieser Richtlinie als sicheres Todeszeichen.

Besondere Bedeutung des Gehirns

„Das Hirntodkonzept beruht auf der besonderen Bedeutung des Gehirns“, erklärt Dr. Koch. „Es ist nicht nur Sitz des Bewusstseins, sondern steuert als Schaltzentrale auch die wichtigsten Vitalfunktionen des Organismus wie Atmung, Kreislauf und Hormonhaushalt.“ Ein Totalausfall bedeutet laut der Expertin, dass dauerhaft kein Erleben und Empfinden mehr möglich ist und auch der Rest des Körpers nicht mehr lange funktionieren kann.

Nach dem deutschen Transplantationsgesetz dürfen Organe nur einem Verstorbenen entnommen werden, dessen Tod und dessen irreversibler Hirnfunktionsausfall festgestellt wurde. Wie die Untersuchung durchzuführen ist, entscheiden zwei Ärzte unabhängig voneinander entlang klarer Richtlinien und Untersuchungsvorschriften.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 30.05.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Gemeinnützigen Hertie Stiftung: Hertie-Stiftung: Angst vor Organspende unbegründet – mehr Aufklärung über Hirntod nötig
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