Kopfschmerzen in der Jugend

Es pocht, sticht und dröhnt im Kopf – darüber klagen mittlerweile auch immer mehr junge Menschen. Das zeigt der aktuelle Barmer Arztreport.

Jugendliche hat Kopfschmerzen © iStock
(Berlin – 22.02.2017) Immer mehr junge Erwachsene leiden unter Kopfschmerzen. Allein im Zeitraum von 2005 bis 2015 ist der Anteil der 18- bis 27-Jährigen mit Kopfschmerzdiagnosen um 42 Prozent gestiegen. Das geht aus dem aktuellen Barmer Arztreport hervor. Demnach sind inzwischen 1,3 Millionen junge Erwachsene von einem ärztlich diagnostizierten Kopfschmerz betroffen – 400.000 mehr als noch im Jahr 2005.

Besser Sport und Entspannung statt Medikamente

Die Ursachen für den starken Anstieg sind noch unklar, doch vermutlich nimmt der Druck auf die jungen Leute stetig zu, so die Krankenkasse. „Der Alltag kann für Kopfschmerzpatienten zur Qual werden und deren berufliche oder universitäre Existenz gefährden. Gerade junge Erwachsene brauchen bessere Präventionsangebote. Sport, Entspannungstechniken oder eine gesunde Lebensführung könnten vielen Betroffenen aus der Pillenfalle helfen“, sagt Prof. Dr. Christoph Straub, Vorstandschef der Barmer. Und zu solchen Pillen greifen laut einer repräsentativen Umfrage der Barmer viele Kinder und Jugendliche: 40 Prozent der  9- bis 19-Jährigen nehmen Medikamente ein, wenn sie Kopfschmerzen haben.

Vermutlich hohe Dunkelziffer bei Kopfschmerzen

Am häufigsten wurden Kopfschmerzen im Alter von 19 Jahren diagnostiziert. 19,7 Prozent der Frauen dieser Altersgruppe sind laut des Reports belastet – bei den Männern sind es 13,8 Prozent. „Ganz sicher haben noch viel mehr junge Menschen mit Kopfschmerz zu kämpfen, als uns aus ärztlichen Diagnosen bekannt ist. Doch diese Gruppe geht tendenziell seltener zum Arzt, weswegen wir sie auf anderem Wege erreichen müssen“, so Straub.

Missbrauch von Migränemitteln kann Dauerkopfschmerz verursachen

Alarmierend ist laut Barmer Arztreport auch die Verordnungsrate von Migränemitteln bei jungen Patienten – bei den 18- bis 27-Jährigen ist er in der Zeit von 2005 bis 2015 um 58 Prozent gestiegen. Über alle Altersklassen hinweg betrachtet gab es jedoch lediglich einen Anstieg um 9,9 Prozent. Als Migränemittel wurden fast ausschließlich Mittel aus der Substanzgruppe der Triptane – vor allem Sumatriptan – verordnet. Sie gelten als Wundermittel für Patienten mit Migräne, haben jedoch unerfreuliche Nebenwirkungen: nämlich Kopfschmerzen. „Die Dosis macht das Gift. Wer immer wieder zu Medikamenten greift, um Kopfschmerzen los zu werden, landet im schlimmsten Fall in einem Teufelskreis aus Tablettenkonsum und Dauerkopfschmerzen. Die Betroffenen sitzen dann in einer Pillenfalle“, sagt Straub.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 22.02.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Barmer GEK: Barmer Arztreport 2017
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