Deutsche bleiben sitzen

Der aktuelle DKV-Report zeigt: Die Deutschen bewegen sich immer weniger. Fast die Hälfte aller Berufstätigen arbeitet vorwiegend im Sitzen.

Frau sitzt am Computer © Thinkstock
(Düsseldorf – 09.08.2016) Zum vierten Mal haben die DKV Deutsche Krankenversicherung und das Zentrum für Gesundheit durch Bewegung und Sport der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) gerade den DKV-Report „Wie gesund lebt Deutschland?“ veröffentlicht. Für die Studie befragte das Marktforschungsinstitut GfK mehr als 2.830 Menschen in Deutschland repräsentativ zu ihrem Gesundheitsverhalten.

Elf Stunden Sitzen täglich

Der Report zeigt: Bildschirme und Schreibtische bestimmen den Arbeitsalltag vieler Menschen. 46 Prozent der Berufstätigen geben an, dass sie hauptsächlich am Schreibtisch arbeiten. Dies betrifft vor allem Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen und höherem Einkommen. „Der Kopf ist aktiv, aber aus Sicht des Körpers muss man sagen: Fast die Hälfte der Berufstätigen wird hauptsächlich fürs Rumsitzen bezahlt“, sagt Clemens Muth, Vorstandsvorsitzender der DKV. Menschen mit Schreibtischjob sitzen im Durchschnitt 73 Prozent ihrer Arbeitszeit.

Über den gesamten Tag betrachtet sitzt der typische Schreibtischarbeiter inklusive Freizeit etwa elf Stunden lang. Das dauerhafte Sitzen hat weitreichende Folgen für den Fett- und Blutzuckerstoffwechsel und kann viele Menschen auf Dauer krank machen. Die Berufstätigen stellen sich ihren Arbeitsalltag selbst auch anders vor: „Die Schreibtischarbeiter wollen lieber weniger sitzen. Das ist eine eindeutige Erkenntnis des Reports“, so Ingo Froböse, Professor an der Deutschen Sporthochschule und wissenschaftlicher Leiter des DKV Reports. Im Durchschnitt möchten Schreibtischarbeiter nur etwa die Hälfte ihrer Arbeitszeit sitzen statt fast drei Viertel im Sitzen verbringen. Doch warum stehen sie dann nicht auf? „Bei vielen gehört das Sitzen einfach zum Arbeitsalltag dazu, es ist Routine und man macht sich kaum Gedanken darüber“, erklärt der Experte. Dies zeigt sich auch in den Zahlen: 73 Prozent setzen sich hin, ohne darüber nachzudenken.

Mehrmals pro Stunde aufstehen

„Jeder kann etwas für seine Gesundheit tun, indem er weniger am Arbeitsplatz sitzt“, sagt Froböse. „Das Aufstehen fängt im Kopf an.“ Das Einfachste ist: Mehrmals pro Stunde aufstehen – etwa zum Telefonieren oder um an einem erhöhten Platz im Stehen zu arbeiten.  „Lange am Stück unbewegt zu stehen ist aber auch keine Lösung“, so der Experte. Denn langes statisches Stehen am Stück ist auch nicht unbedingt gesundheitsförderlich und kann zum Beispiel zu Problemen im Bewegungsapparat führen.

Am liebsten hätten Schreibtischarbeiter mehr Bewegung während der Arbeit. Froböses Vorschlag: „Meetings von kleineren Arbeitsgruppen können gut im Gehen stattfinden. Zudem kann auch eine neue Büroorganisation behilflich sein, sich mehr zu bewegen und häufiger aufzustehen.“

Immer weniger Bewegung

Der DKV-Report untersucht nicht nur das Sitzen, sondern auch weitere Aspekte des Lebensstils wie körperliche Aktivität, Ernährung, Alkoholkonsum, Rauchen und das subjektive Stressempfinden. Der Anteil der Menschen, die „rundum gesund leben“ und in allen fünf Bereichen punkten, bleibt demnach stabil auf niedrigem Niveau bei elf Prozent. Die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern erreichen wieder den höchsten Wert mit insgesamt 19 Prozent „rundum gesund lebenden“ Menschen.

Das Gesundheitsverhalten der Deutschen hat sich in den vergangenen zwei Jahren verändert – und zwar vor allem im Bereich der körperlichen Aktivität: Im Vergleich zu den vergangenen drei DKV-Reporten 2010, 2012 und 2014 bewegen sich die Menschen deutlich weniger. In diesem Jahr erreichen nur 45 Prozent der Menschen die Mindestaktivitätsempfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 150 Minuten Bewegung pro Woche. Bei der Befragung von 2014 waren es noch 54 Prozent. Dabei sinkt vor allem die Aktivität während der Arbeit. „Bei der Bewegung haben wir zunehmend auch ein soziales Problem“, sagt Muth. „Menschen mit niedrigerem Bildungsabschluss bewegen sich vor allem bei der Arbeit und nur wenig in ihrer Freizeit. In der digitalen Welt wird es aber immer weniger vorrangig körperliche Arbeit geben.“

Zudem gilt die Bewegung während der Freizeit als besonders gesundheitsförderlich. Unter den Menschen mit Hauptschulabschluss gibt aber fast jeder Zweite an, in seiner Freizeit überhaupt nicht körperlich aktiv zu sein. „Dieses starke soziale Gefälle sehen wir auch beim Übergewicht. Übergewicht ist eine der stärksten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aufklärung und Breitensport können helfen, dieses Gefälle auszugleichen“, so Muth.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 09.08.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der DKV Deutsche Krankenversicherung: „Deutschland bleibt sitzen“ – besonders im Job
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