Riskante Pillencocktails

Der Arzneimittelreport der Barmer GEK offenbart: Senioren schlucken oft viele Arzneimittel gleichzeitig. Und: Immer mehr Kinder bekommen Antipsychotika.

Verschiedene Medikamente © Thinkstock
(Berlin – 12.06.2013) Der aktuelle Arzneimittelreport der Barmer GEK, für den die Krankenkasse Arzneimitteldaten aus den Jahren 2011 und 2012 auswertete, zeigt: Häufig werden älteren Menschen mehrere Arzneimittelwirkstoffe gleichzeitig verschrieben. Mehr als ein Drittel der Barmer GEK-Versicherten über 65 Jahre nehmen mindestens fünf verschiedene Wirkstoffe pro Tag ein – oft ein riskanter Medikamentencocktail. Bei den Hochbetagten zwischen 80 und 94 Jahren ist sogar fast die Hälfte von der sogenannten Polypharmazie betroffen.

Das Team um Versorgungsforscher Prof. Dr. Gerd Glaeske von der Universität Bremen analysierte, dass Männer über 65 Jahre jeden Tag durchschnittlich 7,3 Wirkstoffe schlucken. Bei den Frauen sind es 7,2. „Darunter leidet vor allem auch die Therapietreue“, so Glaeske. Das bedeutet, dass die Medikamente oft nicht mehr korrekt eingenommen werden. Und: Je mehr Arzneimittel ein Patient gleichzeitig schluckt, desto höher ist das Risiko, dass es zu gefährlichen Wechselwirkungen kommt.

Immer mehr Kindern bekommen Antipsychotika verschrieben

Ein weiteres Ergebnis der Studie, das die Bremer Forscher als besorgniserregend einstufen, ist die Menge an Antipsychotika, die Kindern verschrieben werden. Dabei handelt es sich um Medikamente, die beruhigend und dämpfend auf das Nervensystem wirken. Sie werden hauptsächlich zur Behandlung von schwerwiegenden psychischen Störungen eingesetzt.

In den vergangenen sieben Jahren nahmen die Verschreibungen dieser Arzneien um 41 Prozent zu. Am häufigsten standen die Medikamente bei 10- bis 14-Jährigen auf dem Rezept. „Eine medizinische Erklärung dafür lässt sich nicht direkt herleiten“, sagt Glaeske. Denn es wurden weder mehr psychiatrische Störungen bei Kindern und Jugendlichen diagnostiziert, noch gab es Änderungen bei den Therapieempfehlungen. Auffällig ist, dass vor allem die Verschreibungen neuerer Arzneimittel zunehmen. Bei älteren Medikamenten gehen sie dagegen leicht zurück.

Teilweise starke, unerwünschte Nebenwirkungen

Antipsychotika haben teilweise starke, unerwünschte Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme oder Schlaflosigkeit. Zudem gibt es bisher kaum Studien zur Wirksamkeit dieser Medikamente bei Kindern. Da es für wenige der Arzneimittel eine Zulassung für diese Altersgruppe gibt, verordnen Ärzte sie außerdem häufig „off-label“. Das heißt, die Medikamente werden außerhalb der Anwendungsgebiete eingesetzt, für die sie von der Arzneimittelbehörde zugelassen sind.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 12.06.2013
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Barmer GEK: BARMER GEK Arzneimittelreport 2013. Ein Drittel der über 65-Jährigen nimmt mehr als fünf Arzneimittelwirkstoffe täglich.
  • BARMER GEK Arzneimittelreport 2013 – Auswertungsergebnisse der BARMER GEK-Arzneimitteldaten aus den Jahren 2011 und 2012 (http://presse.barmer-gek.de/barmer/web/Portale/Presseportal/Subportal/Presseinformationen/Aktuelle-Pressemitteilungen/130611-Arzneimittelreport/PDF-Arzneimittelreport-2013,property=Data.pdf)
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