Alzheimer-Epidemie droht

Forscher sagen einen rasanten Anstieg der Alzheimer-Fälle bis 2050 voraus. Gründe dafür sind der demographische Wandel und die sogenannten „Baby-Boomer“.

Alte und junge Frau © Thinkstock
(Washington – 07.02.2013) In den nächsten 40 Jahren könnte sich die Zahl der Alzheimer-Patienten verdreifachen. Darauf deutet eine Studie US-amerikanischer Forscher hin. Schuld an der bevorstehenden Zunahme der Demenzfälle in den USA, aber möglicherweise auch bei uns, sind demnach die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegszeit. Sie kommen dann in das Alter, in dem Alzheimer besonders häufig auftritt. „Die alternde Baby-Boomer-Generation wird zu mehr Alzheimer-Fällen führen und die medizinischen und sozialen Netze stark belasten“, warnen Lisie Hebert vom Rush University Medical Center in Chicago und ihre Kollegen im Fachmagazin „Neurology“. Daher sei es dringend notwendig, Forschung, Behandlung und vorbeugende Strategien voranzutreiben, um diese drohende Epidemie zu verhindern.

Entscheidende Faktoren: demographischer Wandel und Baby-Boomer

Dass sich die Zahl der Alzheimer-Patienten in den nächsten Jahrzehnten deutlich erhöhen wird, ist nicht neu. Erst im September 2012 waren im Welt-Alzheimer-Bericht Schätzungen veröffentlicht worden, nach denen weltweit in den nächsten knapp 40 Jahren 646 Millionen neue Krankheitsfälle auftreten werden. Einer der Hauptgründe dafür sei der steigende Anteil alter Menschen in den Bevölkerungen, hieß es im Bericht. Hebert und ihre Kollegen haben nun einen weiteren Faktor identifiziert, der besonders in den USA, aber auch in Europa zum Tragen kommen könnte: die Baby-Boomer. Der Begriff fasst die besonders geburtenstarken Jahrgänge zusammen, die zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und 1965 geboren wurden – in der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs und noch vor dem sogenannten Pillenknick Ende der 1960er Jahre.

Langzeitstudie in Chicago als Indikator für Gesamtentwicklung

Für ihre Studie werteten die Forscher Daten einer laufenden Langzeitstudie zu Alter und Gesundheit in Chicago aus. 10.802 Teilnehmer ab 65 Jahren wurden dafür seit 1993 regelmäßig befragt und gesundheitlich untersucht. Aus diesen Daten ermittelten die Wissenschaftler die durchschnittliche Zahl der Alzheimer-Fälle in den verschiedenen Altersgruppen. Zusätzlich werteten sie Statistiken und Prognosen des US-Census-Bureaus aus, um die zukünftige Entwicklung der Bevölkerung abschätzen zu können.

„Die ältesten Baby-Boomer werden im Jahr 2016 75 Jahre alt“, berichten die Forscher. Damit trete diese geburtenstarke Generation in das Alter ein, in dem die meisten Alzheimer-Fälle auftreten, die Gruppe der 75- bis 84-Jährigen. Aus ihren Berechnungen gehe hervor, dass dies zu einem starken Anstieg der Demenz-Fälle vor allem in der Zeit von 2030 bis 2040 führen werde. „Im Jahr 2050 wird dann der jüngste Baby-Boomer-Jahrgang 86 Jahre alt, die Anzahl der neuen Fälle wird daher ab dann wieder leicht absinken“, sagen Hebert und ihre Kollegen. Für die USA bedeute dies konkret: Von 4,7 Millionen Alzheimer-Patienten im Jahr 2010 werde die Zahl auf 13,8 Millionen im Jahr 2050 ansteigen.

Mehr Forschung notwendig

Diese Prognosen eines starken Anstiegs von Alzheimer-Fällen entsprächen zwar im großen Ganzen denen, die schon vor Jahren und Jahrzehnten gemacht wurden, konstatieren die Forscher. Die Studie verdeutliche aber noch einmal, dass mit der alternden Baby-Boomer-Generation in Zukunft ein großer Anteil der Bevölkerung von der Demenzerkrankung betroffen sein werde. „Diese Prognosen verdeutlichen die Notwendigkeit, bessere Vorbeugungsmaßnahmen und Therapien für diese Krankheit zu finden – um die zukünftige Belastung für die Betroffenen, ihre Familien und die gesamte Gesellschaft zu verringern“, sagen Hebert und ihre Kollegen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 07.02.2013
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: dapd
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