Immer weniger Organspender

In Deutschland ist die Zahl gespendeter Organe im vergangenen Jahr deutlich gesunken. Über die Gründe hierfür sind sich Experten uneinig.

Frau in OP © Thinkstock
(Frankfurt/Main – 13.01.2012) Die Zahl der Organspender in Deutschland ist zurückgegangen. Rund 1.200 Menschen wurde 2011 ein Spenderorgan entnommen. Das sind rund 7,4 Prozent weniger als im Vorjahr, wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) am 12. Januar in Frankfurt/Main mitteilte. Die Spenderzahlen seien nach einem Einbruch 2008 in den vergangenen beiden Jahren leicht gestiegen, lägen jetzt aber wieder auf dem Niveau von 2008.

„Wir nehmen den Rückgang der Organspende sehr ernst und arbeiten mit den Kolleginnen und Kollegen in den Kliniken unermüdlich an Möglichkeiten und Wegen, um mehr Menschen mit einer Transplantation zu helfen“, erklärte der Medizinische Vorstand der DSO, Günter Kirste. Bundesweit warten derzeit zirka 12.000 Patienten auf ein lebensrettendes Organ.

In Folge der bundesweit gesunkenen Organspenderrate ist auch die Zahl der gespendeten Organe von 4.205 auf 3.917 um knapp 7 Prozent zurückgegangen. Konnte 2010 noch 4.326 Menschen mit einer Transplantation von Organen geholfen werden, waren es 2011 mit 4.054 deutlich weniger.

Umstrittene Gründe

Ein Grund, warum die Organspende rückläufig ist, könnte nach Einschätzung der DSO in der Zunahme von Patientenverfügungen liegen. Denn in solchen Patientenverfügungen ist oft festgelegt, dass die medizinische Versorgung im Falle einer schweren Erkrankung schrittweise eingestellt werden soll. Dadurch werden potenzielle Spenderorgane häufig unbrauchbar.

Der Geschäftsführende Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, widersprach dieser Darstellung. Der häufig bestehende Widerspruch zwischen der Bereitschaft, ein Organ zu spenden und einer Patientenverfügung sei nur ein Teil der Wahrheit. Es fehle viel mehr an Aufklärung. Weder im Bereich der Patientenverfügung noch der Organspende sei eine Beratung gesetzlich vorgeschrieben. Hier besteht nach der Meinung von Byrsch Nachbesserungsbedarf.
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