Schwanger und zuckerkrank

Erhöhte Blutzuckerwerte in der Schwangerschaft können ernste gesundheitliche Folgen haben. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft informiert über Ursachen, Vorsorge und Behandlung.

Schwangere © Shutterstock
(Berlin – 12.08.2011) In Deutschland gab es im Jahr 2010 rund 650.000 Geburten. Fast 24.000 Mütter litten unter Diabetes, der sich während der Schwangerschaft entwickelt hatte – dem sogenannten Gestationsdiabetes. Für werdende Mütter erhöht Schwangerschaftsdiabetes unter anderem das Risiko für Bluthochdruck oder Harnweginfekte. Darüber hinaus steigt die Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt. Die Babys von Müttern mit Schwangerschaftsdiabetes sind übermäßig groß, wodurch öfter ein Kaiserschnitt nötig wird. „Eine angemessene Behandlung mildert jedoch nachweislich die Folgen des Gestationsdiabetes für Mutter und Kind“, sagt Dr. med. Helmut Kleinwechter, Sprecher der Leitlinien-Expertengruppe Diabetes und Schwangerschaft der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

Risikofaktor Übergewicht

Der häufigste Risikofaktor für Schwangerschaftsdiabetes ist Übergewicht, oft verursacht durch kalorienreiche Nahrung und zu wenig Bewegung. Mitunter sind Betroffene auch erblich vorbelastet. Diabetes während der Schwangerschaft hat zum Teil langfristige Folgen. Aus dem Gestationsdiabetes kann sich nach der Entbindung Diabetes mellitus entwickeln. Bereits 13 Wochen nach der Geburt ist das bei 5,5 Prozent der Mütter der Fall. Bei bis zu 60 Prozent der Betroffenen entwickelt sich innerhalb von zehn Jahren nach der Schwangerschaft Diabetes mellitus Typ 2. Wer rechtzeitig seinen Lebensstil und Ernährungsgewohnheiten ändert, kann verhindern, dass aus Gestationsdiabetes ein „echter“ Diabetes mellitus hervorgeht. Betroffene sollten sich dazu von ihrem Arzt beraten lassen.

Leitlinie zu Schwangerschaftsdiabetes

Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) legte die DDG jetzt die „Evidenzbasierte Leitlinie zu Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Gestationsdiabetes mellitus (GDM)“ vor. Mit der Leitlinie stellt die DDG Ärzten Informationen zur Verfügung und Handlungsempfehlungen zu Verbreitung, Folgen, Screening, Diagnostik, und Therapie von Gestationsdiabetes. Dazu gehören auch Hinweise zu Ernährung, Kalorienbedarf und Sport, zur Schulung der Schwangeren und geburtsmedizinischer Betreuung und Nachsorge. Eine Kurzfassung in Form einer Praxisleitlinie und eine Laienversion für Schwangere und Interessierte sind ebenfalls erhältlich.

Frauen, die schwanger sind oder ein Kind bekommen wollen und die Befürchtung haben, sie könnten von Gestationsdiabetes betroffen sein, sollten sich zuerst mit ihrem behandelnden Arzt in Verbindung setzen und ein Beratungsgespräch führen. „Das erste Gespräch mit dem Arzt dient dazu, die Betroffenen umfassend zu informieren und eventuell die weitere Betreuung zu erläutern, Sorgen zu nehmen und Ängste abzubauen“, sagt Professor Monika Kellerer, Leitlinien-Beauftragte des Vorstands der DDG. Zur Beratung zähle auch, den Betroffenen zu vermitteln, dass vereinzelte Abweichungen des Blutzuckerwerts nicht sofort ernsthafte Folgen für Mutter und Kind haben müssen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 12.08.2011
  • Autor/in: vitanet.de-cg
  • Quellen: idw
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