Grüne Gefahren der Weihnachtszeit: So schützen Sie Ihre Kinder

Bestimmte Blätter, Zweige und Beeren können zu einer Vergiftung führen. Welche Pflanzen das sind und wie Sie Ihre Kinder vor Gefahren, die insbesondere in der Weihnachtszeit lauern, schützen können. 

Kind Weihnachten © iStock
(München – 20.12.2019) In der „stillen Zeit“ von Advent und Weihnachten läutet das Telefon in den Giftinformationszentren in Deutschland besonders häufig. Eltern rufen an, weil Kinder an den Pflanzen und Beeren der dekorativen Kerzenbestecke und Adventskränze geknabbert oder andere weihnachtstypische Dinge in den Mund gesteckt haben.Zum Glück kommt es nur selten zu einer ernsthaften Schädigung, dennoch sollten Eltern und Großeltern die Neugier und den Unternehmungsgeist kleiner Kinder nicht unterschätzen und auch ihre Fähigkeit berücksichtigen, durch Klettern an scheinbar Unerreichbares zu gelangen.

Wer ist am meisten gefährdet?

Am stärksten gefährdet sind Babys und Kleinkinder unter sechs Jahren. Nach Haushaltprodukten und Medikamenten gehören Pflanzen und Pflanzenteile zu den Substanzen, die zu den meisten Anfragen von Eltern dieser Altersgruppe in den Giftinformationszentren führen. In den meisten Fällen werden die bunten Früchte, seltener die Blätter und andere Pflanzenteile angebissen oder verschluckt.

Diese Pflanzen können für Ihre Kleinen gefährlich werden

Die Pflanzen, deren Bestandteile in der Adventszeit zu den häufigsten Anfragen bei den Vergiftungsexperten reicht von Amaryllis über Christrose bis zum Weihnachtsstern. Auch die Arrangements und Trockengestecke enthalten neben harmlosen Pflanzen häufig Giftpflanzen, die für Kleinkinder (und auch Haustiere) eine gewisse Gefahr bedeuten.

Giftige Eibenzweige

Wohl am bekanntesten ist die Giftigkeit der Eibe (Taxus baccata). Ihre Zweige werden oft wegen ihrer Ähnlichkeit mit Tannenzweigen verwendet, zudem haben sie schönere, dunkelgrüne, glänzende Nadeln und sind viel länger haltbar. Am giftigsten sind die Nadeln und Zweige: Bei einer schweren Eiben-Vergiftung kommt es zu Schwindel, Übelkeit, Leibschmerzen, Bewusstlosigkeit und sogar zum Tod durch Atemlähmung und Herzstillstand. Zum Glück sind die Nadeln für Kinder nicht sehr attraktiv, sodass höchstens kleine Mengen eingenommen werden.

Giftige Paternostererbsen

Hoch giftig sind auch Paternostererbsen (Abrus precatorius), die ab und zu in Trockengestecken zu sehen sind. Schon das Zerkauen von zwei solchen Erbsen kann tödlich sein. Die Symptome einer schweren Vergiftung sind Erbrechen undDurchfall, die Folgen reichen von Nierenschäden, Krampfanfällen, Lähmungen und Tod durch Atemlähmung. Von der Verwendung dieser Pflanze in Trockengestecken wird deshalb dringend abgeraten.

Weihnachtsstern kann Augen schaden

Lange Zeit herrschte Unklarheit über die Giftigkeit der beliebten Weihnachtssterne (Euphorbia pulcherrima). Nach aktuellen Angaben des gemeinsamen Giftinformationszentrums der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in Erfurt sind jedoch mittelschwere Vergiftungen möglich. Der Weihnachtsstern gehört zu den Wolfsmilchgewächsen und führt nach Verschlucken zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen. Gelangen Spritzer seines Saftes oder Pflanzenteile ins Auge, kann es zu schweren Entzündungen bis hin zur Erblindung kommen. Eltern mit Kleinkindern sollten deshalb erwägen, auf den Weihnachtsstern lieber zu verzichten, empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit.

Weniger gefährlich, kann aber Beschwerden verursachen

Andere beliebte Pflanzen der festlichen Jahreszeit sind zwar lange nicht so gefährlich, können jedoch zu erheblichen Beschwerden führen. Hier einige Beispiele:

  • Stechpalme (Ilex aquifolium): Kinder naschen gern von ihren leuchtend roten, beerenartigen Steinfrüchten. Die Folge können Erbrechen, Durchfall und Bauchkrämpfe sein. Die früher als „mittelstark“ geltende Gefährlichkeit der Pflanze wurde jedoch in einer Oktober 2019 im Bundesgesundheitsblatt veröffentlichten Neubewertung zu „niedrig“ heruntergestuft.
  • Die Christrose (Helleborus niger), auch Weihnachts- oder Schneerose genannt, enthält in allen Pflanzenteilen giftige Stoffe. Beim Verschlucken größerer Mengen sind Kreislaufbeschwerden möglich.
  • Amaryllis (Hippeastrum vittatum, Ritterstern) ist ebenfalls nichts zum Essen: Nach Verschlucken von Pflanzenteilen kommt es unter Umständen zu heftigen Magen-Darm-Beschwerden.
  • Die Weihnachtstazette, auch Weihnachtsnarzisse (Narcissus tazetta) genannt, kann Durchfall auslösen. Beim Berühren muss mit Hautausschlag gerechnet werden.
  • Buchsbaumzweige (Buxus sempervirens) in Adventskränzen und Blumengebinden sind sehr giftig, zum Glück sehr bitter und werden deshalb von Kindern höchstens in sehr kleinen Mengen gegessen.
  • Auch Efeu (Hedera helix) sollte nie in Reichweite von Kindern aufgestellt werden. Schon zwei bis drei Efeubeeren können bei Kindern Bauchkrämpfe, Erbrechen und Schläfrigkeit auslösen. Auch allergische Hautreaktionen sind möglich.
  • Der Weihnachtsbaum selbst kann Allergien auslösen: Grund sind die ätherischen Öle (Terpene) seiner Nadeln, oft aber auch eingeschleppte Pollen und Schimmelpilze. Die schmückenden Engelshaare aus Glasfasern können eine mechanische Schädigung der Augen, der Haut und der Atemwege hervorrufen.

Nicht zögern, Giftnotruf anrufen!

Potenziell gefährliche Pflanzen sollten Sie außer Reichweite der Kinder aufstellen und Batterien am besten wegschließen. Selbst beim leisesten Verdacht, das Kind könnte gefährliche Mengen einer giftigen Substanz eingenommen haben, sollte man auf keinen Fall erst auf eventuelle Anzeichen einer Vergiftung warten, sondern sofort handeln. Das heißt: Sich so schnell wie möglich mit einer Kinderärztin/-arzt oder mit einer der Giftinformationszentren in Verbindung setzen und den Namen der Pflanze nennen. Notfalls kann nach telefonischer Absprache auch ein Foto an das Giftinformationszentrum gesendet werden. Die Berater können den anrufenden Eltern meist sofort sagen, ob eine akute Gefahr besteht und was gegebenenfalls zu unternehmen ist.Diese Zentren sind unter folgenden Telefonnummern zu erreichen:
  • Berlin: 030/19240
  • Bonn: 0228/19240
  • Erfurt: 0361/730730
  • Freiburg: 0761/19240
  • Göttingen: 0551/19240
  • Homburg/Saar: 06841/19240
  • Mainz: 06131/19240
  • München: 089/19240
  • Nürnberg: 0911/3982451 oder 0911/3982665
  • Wien: +43-1-406 43 43
  • Zürich: +41-44-251 51 51

Verschluckte Batterien sind ein Notfall!

Noch riskanter als winterliche Pflanzen erweisen sich die Knopfbatterien, die zum Betrieb der vielen elektronischen Weihnachtsgeschenke benötigt werden. Bleibt eine verschluckte Knopfzelle in der Speiseröhre des Kindes stecken, besteht Gefahr: Durch den Kontakt mit den feuchten Schleimhäuten kann es zu schwerwiegenden Verätzungen kommen. Besonders groß ist das Risiko für Kleinkinder beim Verschlucken von großen Knopfzellen (über 20 mm), da ein Steckenbleiben in der engen kindlichen Speiseröhre dann besonders wahrscheinlich ist.

Hat das Kind eine Knopfbatterie verschluckt, sollten Sie es sofort in der Notaufnahme einer Kinderklinik vorstellen.

Kinder niemals allein mit einer Kerze lassen

Kinder sollten Kerzen nur anzünden dürfen, wenn Erwachsene dabei sind. Damit diese Empfehlung auch eingehalten wird, sollte man Kinder niemals mit brennenden Kerzen allein lassen. Aber auch die Kerzen selbst sollten nie unbeobachtet bleiben: Schon eine leichte Zugluft kann genügen, um Adventskranz, Gardinen, Tapeten oder Möbel in Flammen aufgehen zu lassen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 20.12.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Stiftung Kindergesundheit vom 04.12.2019: Gefahren unterm Christbaum
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