Zahnen macht nicht krank und was dem Baby hilft

Wenn Babys ihre ersten Zähne bekommen, leiden sie häufig unter Fieber, Durchfall, Ohrenschmerzen oder einer Erkältung. Krank sind sie deshalb aber nicht. Was ihnen dann hilft.

Ein lächelndes Baby © iStock
(München – 11.11.2019) Durchschnittlich sieben Monate und drei Tage dauert es bis ein Baby den ersten Zahn bekommt. Im Alter von etwa zwei Jahren, sind in der Regel alle 20 Milchzähne sichtbar.

Fieber, Durchfall, Erkältung: Beschwerden durch das Zahnen

Normalerweise wachsen die Milchzähne ohne Verletzung der Schleimhaut und völlig unblutig durch das Zahnfleisch. Der Zahndurchbruch kann aber auch mit Begleiterscheinungen, wie Fieber, Durchfall, Ohrenschmerzen oder einer Erkältung verbunden sein, was dazu führen kann, dass das Baby unruhig, gereizt, weinerlich und misslaunig ist.

Außerdem kann sich die Schleimhaut im Mund röten oder bläulich verfärben. Gelegentlich sieht man über einem durchtretenden Zahn auch einen flüssigkeitsgefüllten Raum. Die Spannung im Zahnfleisch ist mitunter schmerzhaft. Die Kinder sabbern mehr und reiben am gereizten Zahnfleisch. Die Körpertemperatur steigt leicht. Erhöhte Temperatur beschleunigt aber die Stoffwechselvorgänge im Körper – und löst so das Durchbrechen der Zähne oft erst aus.

Studien erforschen das Zahnfieber

Was das vermeintliche „Zahnfieber" und die anderen Symptome wirklich mit dem Zahnen zu tun haben, haben Wissenschaftler in einer groß angelegten Metaanalyse untersucht. Die Kinderärzte und Zahnärzte sichteten für ihre Studie insgesamt 1.179 Publikationen zum Thema Zahnen.

Die Ergebnisse: 70,5 Prozent aller Babys zeigten beim ersten Zahndurchbruch Symptome oder Auffälligkeiten. Am häufigsten waren Rötungen des Zahnfleisches, Unruhe und vermehrter Speichelfluss. Ebenfalls häufig waren Durchfall, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Schnupfen, vereinzelt auch Veränderungen der Haut im Gesicht sowie Erbrechen. Wenn mehrere Zähne gleichzeitig durchbrachen, wurde von mehr Beschwerden berichtet.

Der Zahndurchbruch führte zwar tatsächlich häufiger zu einer leichten Temperaturerhöhung, jedoch nur selten zu Fieber über 38 Grad Celsius. „Das stimmt mit den Erfahrungen der meisten Kinder- und Jugendärzte überein: Zähnekriegen ist keine Krankheit und verursacht auch keine Krankheiten. Wenn Kinder beim Zahnen höheres Fieber, schwerwiegendere Befunde oder Beschwerden haben, sollte man nicht vorschnell das Zahnen dafür verantwortlich machen, sondern an andere krankmachende Ursachen denken und das Kind dem Kinder- und Jugendarzt vorstellen.", sagt Professor Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit.

Was hilft dem Baby, wenn es zahnt?

Babys hilft es, wenn sie beim Zahnen auf etwas herum kauen können. Mit Wasser gefüllte und gekühlte Beißringe – nicht aus dem Tiefkühlfach – eignen sich dazu besonders gut. Auch andere Spielsachen zum Herumkauen sollten glatt sein und keine Kanten haben, damit es keine Verletzungen des Zahnfleisches gibt. Oft hilft es auch, die Zahnleiste des Babys mit dem Finger zu massieren. Flüssige Zahnungsmittel aus der Apotheke enthalten betäubende Substanzen sowie entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkstoffe, meistens allerdings auch Alkohol.

Mit essbaren Zahnungshilfen sollten Eltern eher vorsichtig sein: Aus den oft zum Kauen empfohlenen Karotten oder harten Brotrinden können leicht kleine Stücke abbrechen und in der Speiseröhre stecken bleiben – es droht Erstickungsgefahr.

„Die ersten Zähne bedeuten übrigens nicht, dass das Kind nun abgestillt werden muss", sagt Professor Berthold Koletzko. Während des Trinkens kann das Baby nicht in die Brust beißen, solange ihm der Gegenbiss fehlt. Die unteren Zähne sind beim Saugen aber durch die Zunge des Kindes verdeckt".

Täglich Putzen – Karies vorbeugen

Auch Milchzähne brauchen Pflege! Die allmähliche und spielerische Gewöhnung an das tägliche Zähneputzen, das anfangs mit einem Läppchen aus Mull oder einer weichen Säuglingszahnbürste erfolgen kann, ist eine wichtige Präventionsmaßnahmen zur langfristigen Vermeidung von Karies und ihren Folgen.

Dabei ist im ersten Lebensjahr Zahnpasta nicht erforderlich. Babys können sie in diesem Alter noch nicht ausspucken und würden sie verschlucken. Deshalb soll die zur Kariesvorbeugung nützliche Zufuhr des Spurenelementes Fluorid auch nicht mit Zahnpasta erfolgen, weil dadurch der kleine Körper regelmäßig viel zu hohe Fluoridmengen mit möglichen nachteiligen Wirkungen aufnimmt. Vorbeugend wirksam und sicher ist die genau dosierte Fluroidzufuhr mit einer Tablette, die Kinder- und Jugendärzte verschreiben.

Kettchen & Co: Besser nicht!

Auf Heilmittel wie Halskettchen mit Bernstein, die dem Baby das Zahnen erleichtern sollen, sollten Sie verzichten. Zum einen ist die Wirkung solcher Mittel nicht erwiesen, zum anderen können sich Kinder beim Spielen oder Schlafen damit verletzen oder Steinchen verschlucken, wenn die Kette reißt.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 11.11.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Stiftung Kindergesundheit vom 16.10.2019: Stiftung Kindergesundheit informiert über weit verbreitete Irrtümer über das Zahnen
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