Schüler leiden häufig unter Kopfschmerz

Mehr als zwei Drittel der Schüler haben regelmäßig Kopfschmerzen – bei Oberschülern sind es fast 80 Prozent. Einen Arzt suchen jedoch nur die wenigsten auf. Warum? 

Schülerin leidet an Kopfschmerzen © iStock
(Berlin – 02.09.2019) Kopfschmerzen sind bereits im Kindes- und Jugendalter ein relevantes Gesundheitsproblem. Das ergibt eine Erhebung, die in Deutschland durchgeführt und in der Fachzeitschrift Cephalagia veröffentlicht wurde.

Wie viele Schüler an Kopfschmerzen leiden

Befragt wurden insgesamt 5.419 Schülerinnen und Schüler zwischen März 2015 und März 2016, die in Dresden eine Grund- oder weiterführende Schule besuchten. Von ihnen beantworteten 2.706 den Fragebogen und gaben ihn zur Auswertung ab. Erhoben wurde, wie oft bei Kindern und Jugendlichen in den vergangenen drei Monaten Kopfschmerzen auftraten, in welcher Stärke und welche Maßnahmen ergriffen wurden.

Nur knapp 32 Prozent der Befragten gaben an, gar nicht unter Kopfschmerzen zu leiden, fast 37 Prozent hatten einmal pro Monat Kopfschmerzen, fast 32 Prozent sogar mehr als zweimal im Monat. Diese letztgenannte Gruppe wurde noch weiter untersucht. 55 Prozent hatten an zwei bis fünf Tagen pro Monat Kopfschmerzen, 27 Prozent an fünf bis zehn Tagen. Sieben Prozent der Befragten in der Gruppe, die mehr als zweimal im Monat Kopfschmerzen hat, gab an, an mehr als 15 Tagen pro Monat unter Kopfschmerzen zu leiden. 

Auffällig war zudem, dass die Kopfschmerzhäufigkeit mit der Schulform variierte: In Grundschulen hatten fast 64 Prozent der Schüler regelmäßig Kopfschmerzen, in den Gymnasien fast 68 Prozent und in den weiterführenden Regelschulen nahezu 80 Prozent. Mädchen waren insgesamt häufiger betroffen als Jungen.

Was Kinder und Jugendliche gegen Kopfschmerzen unternehmen

Insgesamt gaben 624 Kinder und Jugendliche an, Schmerzmedikamente oder homöopathische Mittel gegen Schmerzen einzunehmen. Bei akuten Kopfschmerzattacken waren die am häufigsten verwendeten Mittel Ibuprofen (49 Prozent) und Paracetamol (32 Prozent). In der Gruppe, die nur einmal im Monat unter Kopfschmerzen litt, nahm knapp ein Fünftel Schmerzmittel ein, in der Gruppe derer, die mehr als zweimal im Monat von Kopfschmerzen gequält wurden, gab fast die Hälfte an, regelmäßig Schmerzmittel einzunehmen. Auffällig war dabei, dass nahezu alle Kinder, die nur einmal im Monat Kopfschmerzen aufwiesen, und etwa 80 Prozent derjenigen, die mehr als zweimal im Monat Kopfschmerzen hatten, keinen Arzt aufgesucht hatten.

„Die Werbung der Schmerzmittelhersteller suggeriert, dass jeder seine Kopfschmerzen selbst therapieren kann und man keine Diagnose vom Arzt benötigt. Das ist sicher falsch, eine Migräne wird anders behandelt als ein Clusterkopfschmerz.“, sagt Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Auch sollten Schmerzmittel mit Bedacht eingenommen werden, da sie, wenn sie häufig eingenommen werden, ihrerseits Kopfschmerzen verursachen und verstärken können. „Im Kindesalter wird oft schon der Grundstein für eine laxe Haltung gegenüber Schmerzmitteln gelegt, die dann in späteren Lebensphasen zum Schmerzmittelübergebrauch führen kann.“ 

Viele sehen Kopfschmerzen nicht als Krankheit

Priv.-Doz. Dr. Gudrun Goßrau, Studienautorin und Leiterin der Kopfschmerzambulanz am Interdisziplinären Universitätsschmerzcentrum in Dresden sagt, dass die mangelnde Bereitschaft, sich ärztlich behandeln zu lassen, auch Ausdruck eines fehlenden Bewusstseins für Kopfschmerzen als ernstzunehmende Krankheit in unserer Gesellschaft ist. „Doch Kopfschmerzen sind bereits in Kindheit und Jugend ein relevantes Gesundheitsproblem. Wie unsere Erhebung gezeigt hat, sind bei jungen ebenso wie bei älteren Menschen Lebensqualität und Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigt.“ Die Studie zeigt auch, dass über ein Fünftel aller Kinder und Jugendlichen, die mehr als zweimal im Monat Kopfschmerzen hatten, wegen Kopfschmerzen häufiger in der Schule fehlen. „Oft führen Kopfschmerzen dann in einen Teufelskreis. Schulfehltage können zu Leistungsabfall, Schulversagen, Schulangst führen, viele betroffene Kinder isolieren sich sozial, auch die Gefahr einer Depression ist erhöht.“ Umso wichtiger sind eine rechtzeitige ärztliche Diagnose und individuelle Therapie dieser Kinder und Jugendlichen.

Stress als Ursache für Kopfschmerzen bei Kindern

Die hohe Kopfschmerzrate bei Schülern, ebenso wie der Anstieg der Kopfschmerzrate bei jungen Menschen, der in vielen anderen epidemiologischen Studien beobachtet wurde, werfen zudem gesellschaftliche Fragen auf und weisen daraufhin, dass eher keine genetischen Faktoren verantwortlich zu machen sind. Vielmehr dürften Lebensstilfaktoren eine wesentliche Rolle spielen. „Neben Alkohol, Koffein, Rauchen und Bewegungsarmut gelten vor allen Schulstress und emotionaler Stress (z.B. durch Familienkonflikte) als häufige Kopfschmerzursachen. An diesen Punkten muss eine gesamtgesellschaftliche Präventionsstrategie ansetzen.“, sagt Prof. Dr. Ulrike Schara, Essen, Präsidentin der Gesellschaft für Neuropädiatrie.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 02.09.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie e.V. vom 22.07.2019: Mehr als zwei Drittel aller Schulkinder leiden regelmäßig an Kopfschmerzen
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