Babybrei aus dem Beutel

Keine Frage, industriell gefertigte Babynahrung aus dem Beutel ist praktisch. Allerdings ergeben sich dadurch Nachteile für das Kind. Welche das sind und was Sie beim Übergang von Mutter- und Flaschenmilch zu fester Nahrung beachten sollten.

Mutter füttert Baby © iStock
(München – 16.01.2019) Am Anfang ist es leicht, ein Baby optimal zu ernähren: In der Muttermilch und auch in der Fläschchenmilch ist alles drin, was das Kind braucht. Die Natur hat das sinnvoll geregelt: Wenn der Bedarf des Babys an Nährstoffen steigt, ist es auch in der Lage, mehr und festere Nahrung aufzunehmen. Ein Trend: sogenannte Quetschies – Babynahrung aus dem Beutel.

Quetschies – Babynahrung aus dem Plastikbeutel

Babynahrung – flüssig oder püriert – wird immer mehr in Plastikbeuteln angeboten. Diese Quetschbeutel mit pürierten Fruchtzubereitungen und manchmal auch anderen Zutaten sind praktisch: Nach Abschrauben des Deckels kann der Inhalt des „Quetschies“ direkt in den Mund des Babys oder des Kleinkindes gedrückt werden, das Kind kann den Inhalt aus der Tülle heraussaugen oder bei flüssigen Produkten trinken. Quetschbeutel sind jedoch oft doppelt so teuer als herkömmliche Obstgläschen. Darüber hinaus äußert die Stiftung Kindergesundheit ernste Bedenken bezüglich der Gesundheit. Der Inhalt der „Quetschbeutel“ ist meist überzuckert und übersäuert. Außerdem: Dadurch, dass das Baby diese Nahrung wie Muttermilch saugt, lernt es erst später Brei von einem Löffel oder stückige Kost aus der Hand zu essen und kann Essensmarotten entwickeln.

Die Stiftung Kindergesundheit rät von der Verwendung ab

Viele „Quetschies“ haben durch den hohen Zuckergehalt extrem viele Kalorien, einen sehr süßen Geschmack und eine völlig unausgewogene Zusammensetzung der Nährstoffe. Dadurch erhöht sich auch das Risiko für Zahnkaries und Übergewicht. Dabei stammt der überwiegende oder sogar der gesamte Zuckergehalt aus dem Zucker der verwendeten Fruchtzubereitung und nicht aus zugesetztem Zucker. Deshalb dürfen auch extrem zuckerreiche Produkte die Aufschrift „ohne Zuckerzusatz“ tragen, wenn der zusätzliche Zucker beispielsweise aus konzentriertem Fruchtmus oder -saft stammt. Professor Berthold Koletzko: „Dies kann bei Eltern fälschlicherweise den Eindruck erwecken, es würde sich um ein zuckerarmes Produkt handeln. Aber nicht nur ‚zugesetzter Zucker’, sondern vor allem auch der Gesamtzuckergehalt ist verantwortlich für unerwünschte gesundheitliche Auswirkungen beim Kind“.  

Ein weiteres Problem: „Wenn Säuglinge Beikost vorwiegend durch das Saugen aus einem Beutel aufnehmen, kann dadurch das Lernen des Essens von einem Löffel beziehungsweise von festeren Nahrungsstücken aus der Hand verzögert und erschwert werden“. Hinzu kommt: „Das Erkunden der Nahrung mit den Lippen, der Zunge und den Händen und das Einüben des Kauens und Beißens wird nachteilig beeinflusst. Das kann dazu führen, dass das Kind später festere Nahrung wie Gemüse und Obst ablehnt“.  

Das Füttern mit dem Löffel und das Essen aus der Hand bietet dagegen den Eltern eine hervorragende Gelegenheit zur Kommunikation, für das gegenseitige Zuhören und für das Sprechen mit dem Kind. Das Kind beobachtet und lernt dabei, was Eltern und Geschwister essen und wird so zum Probieren angeregt.  

Die Stiftung Kindergesundheit rät deshalb ausdrücklich vom Verzehr pürierter Beikostprodukte aus Quetschbeuteln ab: Beikost sollte mit dem Löffel oder durch die Hand des Kindes zugeführt und nicht aus einem Plastikbeutel gesaugt werden.

Beikost für Babys: Was ist das eigentlich?

Hinter dem Begriff Beikost versteckt sich allerlei: Gemüse, Obst, Kartoffeln, Butter, Öl, Fleisch, Ei und Getreide und die daraus hergestellten Breie. Kurzum alles, womit man ein Baby gegen Ende des ersten Lebenshalbjahres zusätzlich zur Muttermilch oder Säuglingsmilchnahrung füttert. Dabei soll die Beikost die bis dahin angebotene Muttermilch oder Säuglingsnahrung ergänzen und nicht völlig ersetzen. Auch wenn das Baby bereits erste Beikostmahlzeiten isst, sollte weiter gestillt werden, solange Mutter und Kind das möchten und können. Das gleiche gilt für Babys, die mit dem Fläschchen gefüttert werden.

Ab welchem Alter sollten Babys Beikost essen?

„Beikost sollte nicht vor dem Alter von 17 Wochen, also dem Beginn des fünften Lebensmonats und nicht später als mit 26 Wochen, also zu Beginn des siebten Lebensmonats eingeführt werden“, sagt Professor Dr. Berthold Koletzko, Stoffwechselexperte der Universitäts-Kinderklinik München und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „In diesen Wochen verschwindet bei den meisten Babys der Zungenstoßreflex, gleichzeitig entwickelt sich die Fähigkeit, einen Brei mit der Zunge in den Rachen zu befördern und dann hinunterzuschlucken“.  

In diesem Alter wird das Baby auch immer aktiver und die ersten Milchzähne kommen zum Vorschein. Das Kind bewegt sich dann viel, verfolgt mit Neugierde, was seine Eltern und Geschwister am Familientisch essen, greift selbst nach Löffel und Nahrung und nimmt sie in den Mund. Oft reichen auch Muttermilch oder Fläschchen nicht mehr aus, um den steigenden Bedarf an Nährstoffen und Energie zu decken.

Wie Ihr Baby unbekanntes Essen nicht mehr verschmäht

Normalerweise sind Babys misstrauisch, wenn sie neue Lebensmittel essen sollen. Diese Aversion, „Neophobie“ genannt, ist ein Schutzmechanismus, der das Kind davor bewahren soll, etwas zu essen, was ihm nicht bekommt. Bevorzugt isst ein Baby das, was auch seine Mutter isst, denn diesen Geschmack kennt es bereits aus dem Mutterleib und durch die Muttermilch. Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn ein Baby gekochte Karotten ablehnt, wenn auch die Mutter nie gekochte Karotten isst.  

Neue Geschmäcker und Texturen führen Sie am besten ein, wenn das Baby zwischen 17 und 26 Wochen alt ist. Wenn Sie die verschiedenen Lebensmittel ohne Zwang und mehrmals anbieten, verringert das Baby die Scheu vor unbekanntem Essen. Studien haben ergeben: Wenn Babys täglich unterschiedliche Obst- und Gemüsearten angeboten bekommen, erhöht sich die spätere Akzeptanz von Gemüse und auch anderer gesunder Nahrungsmittel, wie Fleisch und Fisch. So gewöhnen Sie Ihr Kind schrittweise an die Vielfalt von Nahrungsmitteln und bereiten es auf den allmählichen Übergang zur Familienkost vor.

Fleisch und Fisch sind auch für Babys geeignet

Es darf übrigens alles auf den Löffel, was dem Baby schmeckt. Früher wurde häufig vor allergenreichen Nahrungsmitteln wie Milch, Eier oder Fisch gewarnt. Diese Warnungen haben sich als nutzlos erwiesen: Auch wenn das Baby diese Lebensmittel nicht oder erst später isst, ist es trotzdem nicht vor Allergien geschützt.

Welche Nahrungsmittel eignen sich am besten zu Beginn?

Als erste Beikostmahlzeit eignet sich ein Brei aus Gemüse, Kartoffeln und Fleisch, um das Kind mit gut verfügbarem Eisen und Zink aus Fleisch zu versorgen. „Breie sollten auf keinen Fall zusätzlich gesüßt oder gesalzen werden, um eine falsche Programmierung des kindlichen Geschmacks zu vermeiden“, sagt Professor Berthold Koletzko: „Der Brei sollte dem Baby, nicht dem Erwachsenen schmecken“.  

Der Fleischbestandteil im Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei sollte gelegentlich durch fetthaltigen Fisch, zum Beispiel Lachs, ersetzt werden. Es gibt Hinweise, dass der Konsum von Fisch schon im ersten Lebensjahr das Kind vor der späteren Entwicklung einer allergischen Erkrankung schützen kann.

Beikost selbst kochen

Gläschennahrung und selbst zubereitete Breie sind gleichwertige Alternativen. Mit beiden kann man ein Baby gut mit allen Nährstoffen versorgen, die es braucht. Die industriell hergestellte Beikost erfüllt hohe gesetzliche Anforderungen und spart auch Zeit und Arbeit. Andererseits hat auch die Selbstzubereitung ihre Vorteile: Die Eltern können die Auswahl der Zutaten selbst entscheiden und eine größere Geschmacksvielfalt anbieten. Als Speiseöl für die Selbstherstellung der Beikost eignet sich besonders Rapsöl.

Auch Babys sollten Wasser trinken

Mit dem dritten Brei braucht das Baby auch zusätzlich Flüssigkeit, etwa 200 Milliliter pro Tag. Geeignet sind stilles Mineralwasser mit dem Zusatz „für die Säuglingsernährung geeignet“, oder Leitungswasser, das nach längerem Ablaufen aus dem Wasserhahn entnommen wird, und nicht gesüßte Tees.  

Zwischen neun und 15 Monaten ist ein Kind dann soweit entwickelt, dass es durch Nachahmung lernt, aus einem Becher zu trinken, mit einem Löffel zu essen und in feste Nahrung zu beißen. Mit der Einführung von Brot gehen die Brei- und Milchmahlzeiten nach und nach in die drei Hauptmahlzeiten (Frühstück, Mittagessen, Abendessen) und zwei Zwischenmahlzeiten (vormittags, nachmittags) einer Familienernährung über.

Darauf sollten Sie noch achten

Vorsichtig sein sollten Sie bei kleinen festen Lebensmitteln und bei sehr harten oder brechbaren Wurzelgemüsen. Nüsse oder rohes Wurzelgemüse geraten leicht in die Luftröhre und sollten deshalb erst später auf dem Speiseplan stehen. Außerdem sollten Sie Mahlzeiten und Spielzeiten klar trennen und das Essen nicht als Belohnung oder Geschenk anpreisen. Und besonders wichtig: Kein Smartphone und kein Fernsehen während der Mahlzeit. Auch Spielsachen und Bücher sollten Sie während des Essens nicht als Ablenkung nutzen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.01.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Stiftung Kindergesundheit vom 15.12.2018: Was gibt es auf den Löffel? Stiftung Kindergesundheit informiert über Beikost für Babys und über die Nachteile von Breien aus Quetschbeuteln
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