Gesunde Kinderernährung: nicht zuckern

Kinder, die selbst gezuckerte Früchte oder Milchprodukte essen, haben langfristig ein höheres Risiko für Übergewicht und neigen stärker dazu, diese erlernte – ungesunde – Ernährungsweise beizubehalten.

Mädchen isst Gemüse © iStock
(Bremen – 26.11.2018) Wenn das Kind das Obst oder Joghurt partout nicht essen möchte, hilft oft ein bisschen Zucker. Allerdings kann sich dieser Trick langfristig negativ auf die Gesundheit des Kindes auswirken. Das zeigt eine Studie des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS GmbH.

Erbe der Evolution: Warum Kinder so gern süß essen

Wenn der Körper wächst, braucht er besonders viel Energie, weshalb Kinder einen ausgeprägten Appetit auf Süßes haben. In einer urzeitlichen Welt des Mangels war das ein Vorteil, heute kann das in einer Überflussgesellschaft Probleme bereiten.

Immer mehr Kinder sind übergewichtig und fettleibig

Weltweit hat sich in den vergangenen Jahrzehnten der Anteil der übergewichtigen und fettleibigen Kinder vervielfacht. Der Grund: Zu wenig Bewegung und zu viele zuckerhaltige Lebensmittel, wie Soft-Drinks. Viele Eltern versuchen ihren Kindern eine gesunde, zuckerarme Ernährungsweise zu vermitteln. Allerdings ist das schwer, wenn die Kinder Erdbeeren, Äpfel und ähnliches verschmähen. Einige Eltern streuen deshalb Zucker auf die frischen Früchte und auf den Naturjoghurt oder Kakao in die Milch. Auf lange Sicht kann sich das allerdings negativ auswirken.

Die Studie zu kindlichem Übergewicht und ihre Ergebnisse

Ein internationales Forscherteam hat die Daten von über 16.000 Kindern ausgewertet, die an der europäischen IDEFICS-Studie zu kindlichem Übergewicht teilgenommen hatten. Ein großer Teil der Kinder wurde nach zwei Jahren erneut untersucht, um zeitliche Veränderungen zu identifizieren.

Die Ergebnisse: Kinder, die zum Zeitpunkt der ersten Untersuchung mehr gezuckerte Früchte, Smoothies und Milchprodukte konsumierten, zeigten zwei Jahre später deutlich häufiger Anzeichen für Übergewicht und Fettleibigkeit als die Vergleichsgruppe. Darüber hinaus wurde ihre Ernährung ungesünder als die der Kontrollgruppe.

„Die Ergebnisse beweisen, dass das Zuckern von gesunden Lebensmitteln – auch wenn es gut gemeint sein mag – eher das Gegenteil bewirkt“, sagt Dr. Antje Hebestreit, Leiterin der Fachgruppe Lebensstilbedingte Erkrankungen am BIPS und Mitautorin der Studie. „Unsere Vermutung ist, dass hier die Prägung des Geschmacks, die wir besonders in jungen Jahren erfahren, eine wichtige Rolle spielt. Wer also schon als Kind häufig Süßes – und seien es auch nur kleine Mengen zugefügter Zucker – zu sich nimmt, greift auch später häufiger zu zuckerhaltigen Lebensmitteln und erhöht damit sein Risiko, Fettleibigkeit und Stoffwechselstörungen wie Diabetes zu entwickeln.“

„Unsere Empfehlung ist daher, auf Zucker, Honig und Instantpulver zum Süßen von Früchten und Milchprodukten weitgehend ganz zu verzichten. Sinnvoller ist es, den Kindern ganz bewusst eine hohe Geschmacksvielfalt anzubieten, um der großen Langeweile am Esstisch und einer monotonen und damit auch ungesunden Lebensmittelauswahl in späteren Jahren vorzubeugen. Wer auf Vielfalt statt Zucker setzt, liefert seinen Kindern zudem viel eher die breite Nährstoffpalette, die Kinder für ihr Wachstum und Wohlbefinden brauchen.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 26.11.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie vom 26.10.2018: Gesunde Kinderernährung: Der „Zucker-Trick“ geht nach hinten los
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