Handy schadet Kinderaugen

Wenn Kinder zu früh zu viel das Smartphone nutzen, haben sie ein höheres Risiko kurzsichtig zu werden. Ab wann wird das Handy für Kinderaugen gefährlich?

Mädchen mit Smartphone © iStock
(Berlin – 26.10.2018) Die übermäßige Nutzung von Smartphones und Tablets fördert die Entwicklung von Kurzsichtigkeit bei Kindern. Das belegen Studien. Doch wie viel Zeit am Handy ist aus Sicht des Augenarztes erlaubt? Konkrete Empfehlungen zum altersangemessenen Umgang mit elektronischen Medien gaben Augenärzte im Vorfeld des 116. Kongresses der DOG Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft auf einer Pressekonferenz.

Deutlich mehr Kurzsichtige: jeder zweite Teenager betroffen

In den vergangenen Jahren ist die Anzahl kurzsichtiger Menschen – vor allem in den Industrieländern – rasant gestiegen. So sind in Deutschland inzwischen 50 Prozent aller jungen Erwachsenen kurzsichtig. In einzelnen asiatischen Ländern sind es sogar bis zu 95 Prozent.

„Die Zunahme ist vor allem auf sehr frühen und intensiven Gebrauch von PCs, Smartphones und Tablets bei gleichzeitig immer kürzeren Tagesaufenthalten im Freien zurückzuführen“, sagt Frau Professor Dr. med. Nicole Eter, Präsidentin der Deutschen Ophthalmologische Gesellschaft und Direktorin der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Münster.

Kurzsichtigkeit und mögliche Folgen

Ist Kurzsichtigkeit – in der Fachsprache Myopie genannt – einmal vorhanden, bleibt sie bestehen. Eine Myopie beginnt meist im Grundschulalter und nimmt bis ins Erwachsenenalter zu. Es gilt: Je früher sie einsetzt, desto stärker ist ihr Ausmaß. Dabei hat Kurzsichtigkeit nicht nur das Tragen von Brillen oder Kontaktlinsen zur Konsequenz. „Myope Menschen haben auch ein größeres Risiko für schwerwiegende Folgeerkrankungen wie Netzhautablösung, Schädigungen der Makula oder für erhöhten Augeninnendruck, der zu grünem Star führt“, sagt Frau Professor Dr. med. Bettina Wabbels, Leiterin der Abteilung für Orthoptik, Neuro- und pädiatrische Ophthalmologie an der Universitäts-Augenklinik Bonn.

Schlafstörungen durch Medienkonsum

Übermäßiger elektronischer Medienkonsum hat aber vermutlich noch weitere negative Auswirkungen. So kann der ständige Blick auf den Screen kindliche Augen reizen, ermüden und austrocknen. Auch steht die abendliche Mediennutzung in Verdacht, Schlafstörungen auszulösen. „Der hohe Blaulichtanteil der Bildschirme hemmt die Ausschüttung des Hormons Melatonin, das schläfrig macht“, sagt Dr. Wabbels. Gehen schon Kleinkinder häufig online, leidet womöglich sogar deren räumliches Vorstellungsvermögen. „Zu viel Smartphone kann zudem Probleme beim Wechsel zwischen Nah- und Fernsicht verursachen, etwa in Form von verschwommenem Sehen oder Schielen.“

Wie lange darf ein Kind täglich das Handy nutzen?

Eltern sollten die Nutzungsdauer digitaler Medien bei ihrem Nachwuchs begrenzen. „Aus augenärztlicher Sicht sind PC, Smartphone oder Tablet für Kinder bis zu einem Alter von drei Jahren gänzlich ungeeignet“, sagt Dr. Wabbels. Für Vier- bis Sechsjährige rät sie: nicht mehr als dreißig Minuten täglich. So ist auch die Einschätzung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Später: „Im Grundschulalter wäre eine Medienzeit von maximal einer Stunde täglich aus augenärztlicher Sicht vertretbar, ab einem Alter von etwa zehn Jahren von bis zu zwei Stunden pro Tag.“

Besitzen Kinder eigene Geräte, die sie außer Haus mitnehmen, sollten die Eltern entweder klare Regeln aufstellen oder die Nutzungsdauer über technische Einstellungen beschränken, etwa mit einer App oder Kindersicherung. Ebenfalls wichtig: „Um Schlafstörungen zu vermeiden, sind elektronische Medien ein bis zwei Stunden vor dem Zubettgehen tabu“, sagt Dr. Wabbels.

Wenn Kinder das Handy nutzen, sollte das stets mit nicht-digitaler Freizeitgestaltung kombiniert werden. Grundsätzlich gilt: „Es ist der Gesundheit zuträglich, wenn sich Kinder täglich mindestens zwei Stunden bei Tageslicht im Freien aufhalten, das wirkt auch einer Kurzsichtigkeit entgegen.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 26.10.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Ophthalmologische Gesellschaft vom 20.09.2018: Experten klären auf: Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird
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