Sehschwäche in der Schwangerschaft

Jede sechste werdende Mutter ist während der Schwangerschaft von Augenproblemen betroffen. Die meisten Beschwerden sind harmlos – andere nicht. Bei diesen Anzeichen sollten Sie zum Arzt

Schwangere Frau mit Brille © iStock
(Stuttgart – 17.09.2018) Augenprobleme in der Schwangerschaft sind häufig und meist ungefährlich. In seltenen Fällen können aber Symptome auftreten, die auf einen Schwangerschaftsdiabetes oder eine Schwangerschaftsvergiftung – die sogenannte Präeklampsie – hinweisen.

Augen können sich während der Schwangerschaft verändern

Viele Schwangere bekommen bräunliche Flecken um die Augen herum, die zum Nasenrücken auslaufen. Diese Pigmenteinlagerungen sind harmlos und verschwinden nach der Schwangerschaft von selbst. Seltener kommt es zu leichten Einblutungen unter die Bindehaut, die zwar beängstigend aussehen, das Sehvermögen jedoch nicht beinträchtigen.

Schwangerschaftshormone können die Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit verändern. Dadurch trocknen die Augen schneller aus, sind häufig gereizt und brennen. „Während einer Schwangerschaft ist es deshalb ratsam, auf Kontaktlinsen zu verzichten oder Augentropfen mit künstlicher Tränenflüssigkeit zu verwenden.“, sagt Dr. med. Thomas Neß von der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg.

Bei 14 Prozent der werdenden Mütter ändert sich in den Schwangerschaftsmonaten die Brillenstärke – eine Kurzsichtigkeit kann sich um bis zu 1,5 Dioptrien verschlechtern. „Das liegt daran, dass sich Flüssigkeit in der Linse und in der Hornhaut einlagert, die die Brechkraft verändert.“ Bei den meisten Frauen bilden sich diese Veränderungen nach der Geburt wieder zurück – eine neue Brille ist also nicht nötig. Aus diesem Grund sollten Schwangere die Augen nicht lasern lassen. Sie sollten damit mindestens ein Jahr nach der Geburt warten – dann ist die Brillenstärke ausreichend stabil.

Wechselnde Sehschärfe: unbedingt zum Arzt

Ändert sich die Sehschärfe plötzlich oder mehrmals am Tag, kann das ein Zeichen für einen Schwangerschaftsdiabetes sein. Das ist eine Form der Zuckerkrankheit, die erstmals in der Schwangerschaft auftritt: Durch die hormonelle Umstellung kann der Körper Zucker aus der Nahrung nicht so schnell verarbeiten wie vor der Schwangerschaft. Durch die Blutzuckerschwankungen kommt es zu Wassereinlagerungen in der Augenlinse, die die Brechkraft verändern. Die Folge: Die Sehstärke nimmt ab. „Wer solche Anzeichen bei sich bemerkt, sollte unbedingt einen Augenarzt aufsuchen.“, sagt Dr. Neß. Der Arzt kann mit einer Spiegelung des Augenhintergrundes die Gefäße der Netzhaut untersuchen und diabetesbedingte Veränderungen erkennen, bevor die Stoffwechselerkrankung sich mit anderen Symptomen bemerkbar macht. Wenn der Augenarzt Schwangerschaftsdiabetes vermutet, wird er die Schwangere an den Hausarzt oder Internisten überweisen.

Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft Diabetes haben, müssen engmaschig überwacht werden. Der Grund: Diabetes kann dazu führen, dass sich die Netzhaut der Augen verändert – während einer Schwangerschaft ist dieses Risiko zusätzlich erhöht und die Netzhautveränderung kann behandlungswürdig werden.

Schatten, Flimmern, Sehverlust: Gefahr für Mutter und Kind

Wenn Teile des Gesichtsfelds schwarz werden oder Blitze vor den Augen auftreten, können das Anzeichen einer Präeklampsie sein. Das ist eine gefährliche Schwangerschaftskomplikation, die unter anderem durch einen erhöhten Blutdruck hervorgerufen wird. Bis zu zehn Prozent aller Schwangeren leiden – nicht selten unbemerkt – an Bluthochdruck. „Bei vielen Betroffenen lässt sich der Hochdruck an einer veränderten Netzhaut ablesen“, sagt Dr. Neß. „Diese müssen dringend weiter untersucht werden, denn Bluthochdruck kann Mutter und Kind in Gefahr bringen.“ Bei nahezu allen Augenerkrankungen ist eine normale Entbindung möglich. Weder Kurzsichtigkeit noch ein Glaukom, eine vorherige Netzhautablösung oder eine vorherige Augenoperation sind ein Grund für einen Kaiserschnitt.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.09.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft vom 07.08.2018: Sehschwäche in der Schwangerschaft: Bei diesen Warnzeichen sollten Sie zum Augenarzt
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