Wenn das Elternhaus krank macht

Kinder, deren Eltern einen niedrigen Bildungsstatus haben, sind deutlich häufiger von bestimmten Erkrankungen betroffen als Kinder akademisch gebildeter Eltern. Das ergab eine aktuelle Studie einer Krankenkasse.

Vater und Tochter auf dem Weg zur Schule © iStock
(Hamburg – 29.08.2018) Karies, Übergewicht, Sprachstörungen – bei diesen Diagnosen gibt es enge Zusammenhänge zwischen Elternhaus und Kindergesundheit. Außerdem hat die Gesundheit der Eltern Auswirkungen auf die Gesundheit ihres Nachwuchses. Zu diesen Erkenntnissen kommt der neue Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit, für den die Krankenkasse Versichertendaten aus dem Jahr 2016 von fast 600.000 Kindern und 430.000 Eltern ausgewertet hat.

Von Adipositas bis Karies: „nachweislich erhöhte Risiken für benachteiligte Kinder“

Wie der Bildungsgrad der Eltern die Gesundheit von Kindern beeinflusst, wird am Beispiel Adipositas deutlich. Fünf Prozent der Grundschulkinder, deren Eltern keine Berufsausbildung haben, sind krankhaft fettleibig. Sie erkranken insgesamt 2,5 Mal häufiger an Adipositas als Kinder von Akademikern. Außerdem leiden diese Kinder fast drei Mal häufiger an Karies. Auch Entwicklungs- und Verhaltensstörungen sind bei ihnen verbreiteter. „Die gesundheitliche Ungleichheit zwischen den Familien ist größer als gedacht. Es gibt nachweislich erhöhte Risiken für benachteiligte Kinder.“, sagt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit.

Häufiger im Krankenhaus, mehr Medikamente

Kinder deren Eltern wenig gebildet sind, waren über 60 Prozent häufiger im Krankenhaus und bekamen 43 Prozent mehr Arzneimittel verschrieben als Kinder von Eltern mit einem hohen Bildungsabschluss. Außerdem fand die Studie heraus, dass die Bildung der Eltern mehr Einfluss auf die Gesundheit ihrer Kinder hat als das Einkommen.

Krankheiten der Eltern treffen oft auch die Kinder

Neben dem Bildungsgrad beeinflusst auch der Gesundheitszustand der Eltern die Gesundheit des Kindes. Ein Beispiel: Wer sehr dick ist, wird mit mehr als dreifacher Wahrscheinlichkeit auch ein übergewichtiges Kind haben. Karies und Diabetes in der Familie erhöhen ebenfalls das Risiko, dass auch Sohn oder Tochter betroffen ist.

Erhöhte Gesundheitsgefahr für Kinder: suchtkranke Eltern

Eine besondere Belastung für Kinder ist, wenn Vater und/oder Mutter suchtkrank sind. Diese Kinder müssen häufiger ins Krankenhaus oder zum Arzt und bekommen mehr Arzneimittel verschrieben. Weitere Auswirkungen auf die Kinder sind: mehr Depressionen (80 Prozent), mehr ADHS (70 Prozent) und mehr Schulangst (50 Prozent) als in Familien ohne Suchtproblem. Insgesamt hatten acht Prozent aller 2016 DAK-versicherten Kinder mindestens einen Elternteil mit einer ärztlich behandelten Suchterkrankung.

Weitere Ergebnisse des Kinder- und Jugendreports

Neun von zehn Kindern waren mindestens einmal im Jahr beim Arzt oder in einer Klinik. Die häufigsten Gründe dafür waren: Atemwegserkrankungen und andere Infektionen, Augenprobleme, psychische Leiden und Hautkrankheiten. Jedes vierte Kind hatte eine länger dauernde und potenziell chronische Erkrankung – vor allem Allergien und Neurodermitis.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 29.08.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der DAK-Gesundheit vom 28.08.2018: Wenn das Elternhaus krank macht
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