Dick durch Werbung: Reklame verführt auch Kinder

Haselnüsse hüpfen in cremige Schokolade, goldenes Karamell fließt auf einen knackigen Keks, Familienidylle am Frühstückstisch: Werbung verführt – auch Kinder. Sie essen dadurch mehr, wie eine australische Studie herausfand.

Kinder schauen Werbung © iStock
(Berlin – 10.08.2018) Über 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen drei und 17 Jahren sind übergewichtig – rund sechs Prozent sogar adipös. Das bedeutet: Fast jedes siebte Kind in Deutschland ist zu dick, wie die KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts ermittelte. KiGGS ist eine Langzeitstudie zur gesundheitlichen Lage der Kinder und Jugendlichen in Deutschland. Eine aktuelle Studie aus Australien fand nun heraus, dass Kinder schon durch wenige Minuten Lebensmittelwerbung messbar mehr Kalorien pro Tag zu sich nehmen.

Untersuchung: Essen Kinder mehr, wenn sie Werbung sehen?

In einem Experiment der Universitäten Sydney, Liverpool und Wollongong wurden 160 Kinder eines Feriencamps per Zufall in vier Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe sah täglich einen zehnminütigen Film mit Werbeunterbrechungen für ungesunde Produkte wie Frühstücksflocken, ein Burger-Menü oder Schokoladencreme. Die Kinder der zweiten Gruppe spielten zusätzlich noch ein kurzes Computerspiel mit ähnlicher Werbung. Die Kinder der dritten und vierten Gruppe bildeten die Kontrollgruppen. Sie sahen auch Werbung, aber für andere – nicht essbare – Produkte. Die Forscher untersuchten dann, wie viel die Kinder beim Frühstück, Mittagessen und in einer Snackpause direkt nach dem Film/Spiel aßen.

Ergebnis: Ja, durch Lebensmittelwerbung essen Kindern mehr

Die Kinder, die im Fernsehen und im Computerspiel Werbung für ungesunde Produkte sahen, aßen am Tag durchschnittlich 46 Kalorien mehr als die Kinder der beiden Kontrollgruppen. Bereits übergewichtige Kinder aßen noch mehr – 95 Kalorien. In dieser Studie bekamen die Kinder andere Lebensmittel als die, die sie zuvor in der Werbung gesehen hatten. Dazu gibt es eine weitere Studie mit 60 Vorschulkindern aus den USA. Sie ergab: Wenn man Kinder genau die Snacks anbietet, die sie zuvor in der Werbung gesehen haben, dann essen sie 30 Prozent mehr als ohne Werbung.  

Die Studien bestätigen – wie bereits andere Untersuchungen zuvor – dass Kinder nach Werbung für Lebensmittel mehr essen. „Wissenschaftlich ist hinreichend erwiesen, wie schädlich Snack-Werbung für Kinder ist.“, sagt Prof. Dr. med. Hans Hauner, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Diabetes Stiftung.

Verständliche Nährwertinformationen: gesünderer Einkauf

Es geht auch umgekehrt: Mehrere Studien in Online- und realen Supermärkten haben gezeigt, dass gesünder eingekauft wird, wenn die Nährwertinformationen der Lebensmittel verständlich angegeben werden. So ermittelten diese Studien, dass sich die Nährwertqualität des eingekauften Warenkorbs um sechs bis neun Prozent verbessert – egal wie viel der Käufer verdient. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt daher, die Nährwerte der Lebensmittel klar zu kennzeichnen und auf Marketing für ungesunde Produkte, das direkt an Kinder gerichtet ist, zu verzichten.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 10.08.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten vom 12.07.2018: Studien zeigen: Werbung steigert Kalorienaufnahme bei Kindern
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