Unerfüllter Kinderwunsch: Krankheiten der Gebärmutter

Bestimmte Erkrankungen der Gebärmutter können verhindern, dass eine Frau schwanger wird. Oft lässt sich der Kinderwunsch aber doch noch erfüllen.

Ärztin macht eine Ultraschalluntersuchung bei einer Frau © iStock
(München – 17.01.2018) Krankheiten der Gebärmutter, die zur Kinderlosigkeit führen können, sind nicht selten. Welche das sind und wie sie behandelt werden.

Endometriose: Gebärmuttergewebe auf Abwegen

Bei der häufigsten dieser Erkrankungen handelt es sich um die Endometriose, an der fast jede zehnte Frau leidet. Dabei breiten sich Zellen, die eigentlich nur im Inneren der Gebärmutter wachsen sollen, auch in den Eileitern, auf den Eierstöcken, der Harnblase oder im Bauchraum aus. Wenn die Regelblutung einsetzt, bluten auch diese Inseln aus Gebärmuttergewebe. Deshalb haben diese Mädchen und Frauen zunehmend schwere bis schwerste Schmerzen während der Menstruation – und zwar nicht nur an typischer Stelle im Unterleib, sondern auch seitlich, nach oben oder zum Rücken ausstrahlend. Solange kein Kinderwunsch besteht, helfen oft Arzneimittel sehr gut, die das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut eindämmen und teilweise auch als hormonelle Verhütungsmittel verwendet werden können. Mit diesen Arzneimitteln können die Schmerzen oft weitgehend gelindert werden.

Frauen mit Endometriose haben ganz typische Veränderungen ihrer Immunabwehr, wie Franziska Würfel vom Labor für Molekulare Medizin der Universitäts-Frauenklinik Erlangen erklärt. Zum einen sieht es so aus, als ob die natürlichen Abwehrzellen – zum Beispiel die sogenannten Natürlichen Killerzellen – im Bauchraum zu inaktiv wären, um die Endometrioseinseln auf natürlichem Weg aufzulösen. Auf der anderen Seite rufen die fehlgesteuerten Ansiedlungen des Gebärmuttergewebes Entzündungen hervor, die ihrerseits Immunreaktionen hervorrufen, die das Gewebe in der Gebärmutter verändern. Diese Einflüsse sind so stark, dass Frauen mit einer unbehandelten Endometriose oft keine Kinder bekommen können.

Das beste Vorgehen ist deshalb, die Endometrioseherde möglichst vollständig zu finden und operativ zu entfernen, so Dr. Sebastian D. Schäfer von der Universitäts-Frauenklinik Münster. Dadurch wird die Immunreaktion beseitigt, die Entzündung heilt ab, und die Frau kann auf natürlichem Weg schwanger werden.

Myome: Wucherungen, die das Baby verdrängen

Eine zweite sehr häufige Krankheit der Gebärmutter, die nicht nur zu dauerhaften Blutungen und Schmerzen, sondern auch zu Kinderlosigkeit führen kann, sind Myome – also gutartige Wucherungen des Muskelgewebes der Gebärmutter. Solange Myome klein sind, langsam wachsen und in tiefen Wandschichten der Gebärmutter verborgen liegen, stören sie eine Schwangerschaft oft nicht, erklärt Prof. Dr. Jörg Engel, Chefarzt der Frauenklinik am Krankenhaus Nordwest in Frankfurt. Wenn sie dagegen oberflächlich und schnell wachsen und zahlreich oder sehr groß sind, dann wird das Wachstum des Embryos häufig so sehr gestört, dass die Schwangerschaft verloren geht. In diesen Fällen müssen die Myome behandelt werden, bevor die Frau plant, schwanger zu werden.

Zur Behandlung gehört heute häufig eine Vorbehandlung mit dem Arzneimittel Ulipristalacetat, das den natürlichen Einfluss des Hormons Progesteron auf die Gebärmutter blockiert und Myome verkleinern kann. Nach der Vorbehandlung folgt eine Operation. Dabei ist wichtig, dass wirklich alle Myome vom Operateur erreicht und entfernt werden können. Daran richtet sich die Art des Eingriffs aus. Nach der Operation muss über mehrere Monate eine vollständige Heilung abgewartet werden, bevor eine Schwangerschaft geplant werden kann.

Eine Verödung von Blutgefäßen, wodurch die Myome ausgetrocknet werden sollen, kommt bei Frauen mit Kinderwunsch nicht infrage. Das Gleiche gilt derzeit noch für den fokussierten Ultraschall, mit dem die Myome durch Überhitzung behandelt werden. Da noch keine Erfahrungen mit Schwangerschaften nach diesen Behandlungen vorliegen, wird derzeit eine Ultraschallbehandlung nicht empfohlen, wenn eine Frau noch Kinder bekommen möchte.

Fehlbildungen: häufig gut operabel

Ein weiteres Problem sind Fehlbildungen der Gebärmutter. Hier gibt es verschiedene, typische Varianten, die alle mit der Entstehung der Gebärmutter in der Zeit zu tun haben, als die Frau selbst noch ein Embryo war, sagt Prof. Dr. Thomas Römer, Chefarzt an der Frauenklinik des Klinikums Köln-Weyertal. Die häufigste Variante ist eine Trennwand in der Mitte der Gebärmutter – ein sogenanntes Septum. Weiterhin kann der Uterus zwei völlig voneinander getrennte Höhlen haben, in anderen Fällen gibt es zwei Höhlen, die durch eine schmale Öffnung miteinander verbunden sind. Viele dieser Veränderungen können heute operativ so behandelt werden, dass anschließend eine normale Schwangerschaft möglich ist.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.01.2018
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des 7. DVR-Kongresses: Wenn das Nest nicht schützt – Krankheiten der Gebärmutter haben Folgen für den Kinderwunsch